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Welt

Gewinner der Krise in Deutschland

Insolvenz hier, Kurzarbeit da, Stellenabbau dort - in Deutschland geht die Rezessionsangst um. Und doch gibt es inmitten der Krise auch einige Gewinner.

Gestapelte rote Autos auf einem Schrottplatz in Hamburg (Foto: AP)

Schrotten für die Abwrackprämie: Auf Deutschlands Schrottplätzen wird es eng

Hochkonjunktur in den Autohäusern: Die meisten Jahreswagen sind verkauft, Kleinwagen bereits Mangelware. Sie haben lange Lieferzeiten: Bis zu einem halben Jahr müssen Käufer derzeit auf ihre neuen Autos warten - und die hohe Nachfrage wird anhalten. Die Bundesregierung hat die sogenannte Abwrackprämie verlängert. Der Bund will noch länger den Kauf eines schadstoffarmen Neu- oder Jahreswagens bezuschussen, wenn zuvor das Altfahrzeug verschrottet wurde. Wie die Autohäuser profitieren auch die Schrotthändler von der Krise: Vielerorts stapeln sich die Autos, die verschrottet werden sollen - die Schrottplätze haben ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Einige kleine Händler nehmen sogar keine Autos mehr an.

Deutsche investieren in Eigenheime und kaufen Schokolade

Schokoladenfrosch mit goldener Krone (Foto: Archiv)

Schokokaldenfrösche zum Anknabbern

Auch das Handwerk zählt zu den Gewinnern der Finanzkrise. Die Deutschen investieren lieber in das eigene Haus oder die Wohnung als in Aktien. Sie lassen die Fassade neu streichen, das Dach neu decken oder das Wohnzimmer renovieren. In Krisenzeiten suchen die Menschen den Rückzug ins Private, sagen Konsumforscher. Dort trösten sich die Menschen dann mit Schokolade, Pralinen und Knabbereien über die Krise hinweg. Die Hersteller von Süßigkeiten jedenfalls profitieren von den schlechten Wirtschaftsdaten.

Flachbildschirme erobern die deutschen Wohnzimmer

Und wo trösten sich die Deutschen über ihren Frust hinweg? Vor dem Fernseher. Genauer gesagt vor dem Flachbildfernseher. Die stehen spätestens seit der Europameisterschaft 2008 sehr hoch im Kurs bei den Zuschauern. Die Hersteller solcher Geräte fahren hohe Gewinne ein. Der bayerische Gerätehersteller Loewe beispielsweise erzielte 2008 den höchsten Umsatz in seiner Firmengeschichte: Der Gewinn stieg um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auf den Teller kommen Fertigsuppen

Eine Suppenkelle füllt einen Teller mit Senfsuppe (Foto: DW-TV)

Deutsche kaufen gern Fertigsuppen

Und die Einkaufsgewohnheiten der Deutschen? Die Verbraucher greifen häufiger zu Fertigsuppen und Eintöpfen. Die Suppenhersteller sind Gewinner der Krise. Die Produktion läuft auf Hochtouren, sagt Nico Knapp von der Firma Sonnen Bassermann im Harz. Besonders gefragt sind Linsen- oder Erbseneintöpfe. Beim Lübecker Hersteller Erasco stieg in den vergangenen Monaten besonders der Umsatz mit großen Familiendosen. Die Verbraucher suchen verstärkt nach günstigen Angeboten, so eine Sprecherin von Erasco. Und Suppenkonserven sind eine relativ vollwertige, ausreichende Mahlzeit zu kleinen Preisen, sagt Bernhard Burdik, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Billiger geht es kaum."

Tatsächlich will die Mehrheit der Deutschen beim täglichen Einkauf mehr sparen. Über die Hälfte der Konsumenten ist laut einer Umfrage bereits in den vergangenen Monaten auf preiswertere Produkte umgestiegen. Die Gewinner sind Discount-Supermärkte wie Aldi und Lidl.

Essen auf Plastiktabletts

Ein Mann beißt in einen Burger, Nahaufnahme (Foto: dpa)

Burger schmecken in der Krise am besten

Auf den teuren Restaurantbesuch verzichten momentan viele Deutsche. Und wenn sie dann doch auswärts essen, dann dort, wo es billig ist: in den Fast-Food-Restaurants. Davon profitiert besonders McDonald's: Die weltgrößte Schnellrestaurant-Kette verbuchte im dritten und vierten Quartal 2008 um die zehn Prozent mehr Gewinn im Vergleich zu den Vorjahrsquartalen. In diesem Jahr will sie weitere Restaurants und McCafés eröffnen und so 2000 neue Jobs schaffen.

Mit Angstzuständen beim Psychotherapeuten

Zwei Berufsgruppen haben derzeit viel zu tun: Scheidungsanwälte und Psychotherapeuten. Erstere beraten Paare, deren - finanzielle - Grundfeste erschüttert wurden und die mit den neuen Lebensumständen nicht mehr zurechtkommen. Die Psychotherapeuten betreuen diejenigen, die mit der Finanzkrise nicht umgehen können: Ihre Patienten leiden unter Angstzuständen und Depressionen.

Autorin: Anja Fähnle

Redaktion: Christina Hebel

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