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Afrika

Gewinnen mit den Waffen der Kunst

Mit ihrer Kunst mischen sie sich ein, kämpfen für Frieden und eine gerechtere Gesellschaft. Dafür bekommen Marlene Le Roux und Pieter-Dirk Uys aus Südafrika den Deutschen Afrika-Preis.

Deutscher Afrika-Preis: Preisträger Pieter-Dirk Uys, Kabarettist aus Südafrika (Foto: P.-D. Uys)

Deutscher Afrika-Preis: Preisträger Pieter-Dirk Uys

"Wenn mutige und engagierte Künstler ihre Talente einsetzen, um für eine gerechtere und menschliche Gesellschaft zu kämpfen, wenn Kunst zur Waffe wird, dann geschieht dies im Stillen und oft lange unbemerkt von der internationalen Gemeinschaft", so begründet die Deutsche Afrika Stiftung ihre Entscheidung. Zum ersten Mal geht der Afrika-Preis an zwei Künstler.

Die Preisträger des Deutschen Afrika Preises: Marlene le Roux und Pieter Dirk Uys (Foto: Dag Zimen)

Preisträger Le Roux und Uys

Pieter-Dirk Uys hat viele Gesichter. Seit über 30 Jahren steht der Kabarettist auf der Bühne und begleitet die Entwicklung Südafrikas mit seinem Humor. Jetzt wird er von der Deutschen Afrika-Stiftung ausgezeichnet - "für seinen Kampf gegen jede Art der Diskriminierung und Ungleichbehandlung mit den Waffen der Kunst", so die Jury. Der 67-Jährige parodiert Nelson Mandela oder Desmond Tutu ebenso gekonnt wie den Apartheid-Ministerpräsidenten Pieter Willem Botha. In der Rolle der Evita Bezuidenhout wurde er weltberühmt. Manche halten die aufgetakelte Dame mit den langen roten Fingernägeln für die beliebteste weiße Frau in Südafrika. Vor der Wende verkörperte Evita sämtliche Apartheid-Klischees. In der Demokratie hat sie Political Correctness gelernt und durfte 1994 sogar vor dem ersten frei gewählten Parlament eine Rede halten.

Kabarettist Pieter-Dirk Uys in seiner Rolle als Evita Bezuidenhout (Foto: Pieter-Dirk Uys)

Paraderolle: Pieter-Dirk Uys als Evita Bezuidenhout

Pieter-Dirk Uys wurde 1945 in Kapstadt geboren. Sein Vater war Südafrikaner niederländischer Abstammung, seine Mutter eine jüdische Konzertpianistin aus Berlin. 1938 floh sie vor der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten nach Kapstadt. Nach dem Filmstudium in London begann die künstlerische Karriere von Pieter-Dirk Uys. Er entdeckte den Humor als seine größte Stärke und benutzt ihn seitdem als Waffe gegen Unterdrückung. Seine bitterbösen Satiren blamierten schon die Apartheid-Politiker, aber über mangelnden Stoff kann sich Pieter-Dirk Uys auch in der Ära des African National Congress (ANC) nicht beschweren, der Partei, die Südafrika seit Ende der Rassentrennung 1994 regiert.

Das gute Gewissen Südafrikas

Seit fast zwei Jahrzehnten prangert der Sprachvirtuose die verantwortungslose Aids-Politik an. Mittlerweile betreibt er seine eigene Aufklärungskampagne für die jungen Generationen. Er tourt mit seiner "Aids-Awareness-Show" kostenlos durch die Schulen des Landes: in Townships, in den Landschulen der abgelegenen Kalahari-Wüste oder in gut situierten Privatschulen. Seine offenen Worte über Sexualität kommen überall gut an, die Jugendlichen brüllen vor Lachen. "Vergesst nie, dass ihr die Zukunft Südafrikas seid! Und deshalb dürft ihr keine Angst vor dem Virus haben. Und vor dem Leben! Das sind eure Rechte in der Demokratie: Fragen zu stellen!", proklamiert er.

Dann führt er den Mädchen vor, wie sie zum Schutz vor Vergewaltigung ein spezielles Kondom für Frauen benutzen können. Den Jungen erklärt er, dass sie Mädchen nicht zum Sex zwingen dürfen. Bislang hat er Tausende Schüler vor dem Virus gewarnt - manche nennen ihn sogar "das gute Gewissen Südafrikas". "Es gibt keine Zeit für Höflichkeiten mehr", konstatiert er nüchtern und vergleicht die Aids-Politik Südafrikas mit einem Genozid: "Ignoriere die Menschen und sie werden sterben. Aber das ist nicht Ruanda, und ich werde keine 20 Jahre lang warten!" Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis darauf, dass Pieter-Dirk Uys in jeder politischen Ära auch immer ein Patriot war, der seine Landsleute vor der eigenen Regierung schützen wollte.

Powerfrau mit Handicap

Auch Marlene Le Roux wird mit dem Afrika-Preis geehrt, für ihren Traum von einer demokratischen Gesellschaft, in der Gleichstellung und Menschenrechte selbstverständlich sind. 2010 wurde die Direktorin des Artscape Theatre in Kapstadt zur einflussreichsten Frau Südafrikas im Bereich Kunst und Kultur erklärt. Im Sommer saß sie in London im internationalen Jury-Gremium für die Olympischen Spiele und Paralympics - als einzige Expertin, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Der Ruf ihrer Vitalität eilt ihr bis nach Deutschland voraus: Sie gehöre zu den Menschen, heißt es in der Deutschen Afrika-Stiftung, die einen Raum betreten und ihn vollkommen ausfüllen mit ihrer Stimme, ihrer Art zu Lachen, ihrer Körpersprache.

Deutscher Afrika Preis: Preisträgerin Marlene Le Roux aus Südafrika (Foto: Marit Arnold)

Theaterdirektorin Marlene Le Roux

Marlene Le Roux' ganze Energie gilt dem Kampf gegen die Ungleichbehandlung von Minderheiten und Benachteiligten, die vor allem Frauen, Arme und Menschen mit Behinderung trifft. Die 42-Jährige kennt deren Schicksale aus eigener Erfahrung: Zusammen mit zehn Geschwistern wuchs sie in armen Verhältnissen auf. Im Säuglingsalter erkrankte sie an Kinderlähmung und ist seitdem körperlich beeinträchtigt. Über das eigene Handicap spricht die ausgebildete Sängerin und Musiklehrerin selten, und dass sie die Chance erhielt, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, betrachtet sie als Privileg.

Seit 2002 ist sie Direktorin am Artscape Theatre in Kapstadt. "Wir brauchen dringend ein anderes Bewusstsein im täglichen Leben", sagt sie. "Kunst kann Brücken bauen und Nationen, Kulturen und Rassen verbinden." Le Roux will zur Einheit Südafrikas beitragen, indem sie mithilfe künstlerischer Programme das Selbstwertgefühl der Menschen stärkt und so die Wunden der Apartheid heilt. Ein weiteres großes Anliegen: die Stellung der Frau zu verbessern - deshalb organisiert sie jährlich das Artscape Women's Festival.

Armut verschlimmert Behinderung

Ihr Bestseller "Look at Me" mit 23 Porträts bewirkte eine veränderte Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen. Bis vor einigen Jahren war Marlene Le Roux selbst aktiv in der Politik. Was sie bis heute beunruhigt, ist die soziale und politische Situation im Land, denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander. Die Integration behinderter Menschen in die Gemeinschaft hält sie trotz einiger Fortschritte für völlig unzureichend: "Mir liegt daran, die Rechte von Behinderten stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, damit sie prominenter auf der sozialen Agenda des afrikanischen Kontinents vertreten sind", sagt sie.

Seit 1993 wird er von der Deutschen Afrika Stiftung an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die sich auf dem Kontinent in besonderer Weise um Frieden, Demokratie, Menschenrechte und Entwicklung verdient gemacht haben. Marlene Le Roux und Pieter-Dirk Uys erhalten die Auszeichnung auch stellvertretend für viele engagierte Menschen, die den Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung mit dem Leben bezahlt haben.

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