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Wirtschaft

Gewinneinbruch bei Siemens

Hohe Rohstoffpreise, Pannen und Korruption lassen das Ergebnis um zwei Drittel schrumpfen. Mehr als im vergangenen Jahr wird der Konzern nicht verdienen. Die weiteren Kosten der Schmiergeldaffäre sind ungewiss.

Das Hauptquartier des Elektronikkonzerns in München (Quelle: AP)

Das Hauptquartier des Elektronikkonzerns in München

Drei Männer in Anzügen mit erzwungenem Optimsmus: Siemens-Chef Löscher (m.), Finanzvorstand Kaeser (l.), Chefjustiziar Solmssen (Quelle: AP)

Erzwungener Optimsmus: Siemens-Chef Löscher (m.), Finanzvorstand Kaeser (l.), Chefjustiziar Solmssen

Wegen Problemen in der Bahn- und der Kraftwerkssparte hat der Siemens-Konzern im zweiten Quartal einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Das Ergebnis nach Steuern fiel um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro. Vorstandschef Peter Löscher gab am Mittwoch (30.4.2008) in München auch einen schwachen Ausblick für das Gesamtjahr. "Für die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres bin ich verhalten optimistisch", erklärte er.

Der Umsatz soll zwar doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft. Aber das operative Ergebnis soll nur noch das "Vorjahresniveau erreichen". Und dabei seien die zu erwarteten Kosten der Korruptionsaffäre und der Umbauprogramme noch nicht berücksichtigt. Die weltweite Finanzkrise werde ab Herbst "deutlicher in der Realwirtschaft ankommen. Beim Auftragseingang im Breitengeschäft hier in Deutschland sehen wir jetzt bereits erste Anzeichen zunehmender Vorsicht der Kunden", sagte Löscher.

Pannen-Bahnen und IT im Rotbereich

Mann arbeitet an Turbine (Quelle: AP)

Siemens-Bilanz: Keine Freude mit der Kraftwerkssparte

Allein im zweiten Quartal fiel das operative Ergebnis um 32 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Der Auftragseingang dagegen entwickelte sich im zweiten Quartal sehr positiv und wuchs um zwölf Prozent auf 23,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte jedoch nur um ein Prozent auf rund 18,1 Milliarden zu. Vor allem in Asien und Amerika bekam Siemens mehr Bestellungen. Belastungen hatte das Unternehmen wegen des Konzernumbaus sowie den Folgen der Korruptionsaffäre. Diese Posten schrumpften den Konzerngewinn um 506 Millionen Euro. Allein wegen der Korruptionsaffäre musste Siemens im zweiten Quartal 175 Millionen Euro etwa für Beraterhonorare und Kontrollmaßnahmen ausgeben.

Für das schlechtere operative Ergebnis machte der Konzern vor allem Belastungen in Höhe von 857 Millionen Euro in insgesamt drei Bereichen verantwortlich: Die Bahnsparte litt unter neuen Pannen bei Combino-Straßenbahnen und Kosten wegen Verzögerungen beim Transrapid-Projekt in Schanghai. Die Kraftwerkssparte machte wegen intern verursachter Verzögerungen Verluste und litt auch unter gestiegenen Rohstoffpreisen. Und die IT-Dienstleistung lag mit 35 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Korruptionsstrafen in ungewisser Höhe

Siemens stellt sich in der Schmiergeld-Affäre auf langwierige Verhandlungen mit der US-Börsenaufsicht SEC ein und sieht noch längst kein Ende der finanziellen Belastungen. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Gespräche über viele Monate erstrecken werden", sagte der für Korruptionsbekämpfung und Rechtsfragen zuständige Siemens-Vorstand Peter Solmssen. Aus den USA droht Siemens in dem Korruptionsskandal die größte Gefahr. Neben möglichen Milliarden-Strafen könnte der Konzern auch von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden.

In Deutschlands größter Korruptionsaffäre geht es um Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die vermutlich größtenteils zur Bildung schwarzer Kassen im Ausland eingesetzt wurden. Bisher hat die Aufarbeitung der Schmiergeld-Affäre den Konzern einschließlich Anwaltskosten und Geldbußen bereits 1,8 Milliarden Euro gekostet. (rri)

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