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Politik & Gesellschaft

Gewerkschaftsarbeit in vielen Ländern riskant

Gewerkschafter, die weltweit für die Verbesserung des Lebensstandards der Beschäftigen kämpfen, leben gefährlich - das zeigt der jüngste Bericht des internationalen Dachverbandes der Gewerkschaften.

Demonstranten tragen Banner (Foto: picture-alliance / Godong)

Gewerkschafter in Nepals Hauptstadt Kathmandu

Faire und gesunde Arbeitsbedingungen sind ein Menschenrecht - ebenso wie das Recht, Gewerkschaften zu bilden und ihnen beizutreten. Aktivisten, die sich für die Wahrnehmung der Gewerkschaftsrechte und menschenwürdige Arbeit einsetzen, leben jedoch gefährlich. Ihr Engagement wird in vielen Ländern "mit Entlassungen, Gewalt und in extremen Fällen mit Mord seitens der Regierungen, der Arbeitgeber und Unternehmen" sanktioniert, wie die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Sharan Burow, sagt.

ILO-Chef Somavia in Genf am 1. Juni 2011 (Foto: dpa)

100. Jahrestag Internationale Arbeitsorganisation: der chilenische ILO-Chef Somavia

Ihre Organisation hat aus Anlass der 100. Jahrestagung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die bis zum 17. Juni in Genf stattfindet, einen Bericht zusammengestellt. Daraus geht hervor: Besonders gefährlich für alle gewerkschaftlichen Aktivitäten ist offenbar der amerikanische Kontinent: 75 Aktivisten wurden hier getötet, allein in Kolumbien sind 49 Fälle dokumentiert. Aber auch in Brasilien, Honduras oder El Salvador starben Menschen bei der Wahrnehmung ihrer Rechte als Arbeitnehmer. Morddrohungen erhielten Gewerkschafterinnen in Guatemala, Mexiko und Haiti, anderswo wurden sie verhaftet, verprügelt oder schikaniert - oder sie wurden einfach rausgeworfen.

In Amerika 75 Gewerkschafter getötet

Mehr als tausend Verhaftungen von Gewerkschaftern werden aus Asien berichtet. Auch hier gab es 2010 zahlreiche Morde und Morddrohungen. In manchen Fällen waren die Arbeitsbedingungen offenbar derart erschreckend, dass die Beschäftigten Selbstmord begingen. Aus China erreichten den Internationalen Gewerkschaftsbund Berichte über eine regelrechte Selbstmordwelle. In Indien waren es vor allem die Arbeiter in der Bekleidungsindustrie, die erheblichen Repressionen ausgesetzt waren. Gewerkschaftsführer, die für Arbeitnehmerrechte in Pakistan eintraten, wurden entführt und gefoltert, so der Bericht des Internationalen Gewerkschaftsbundes.

Gewerkschafter mit Forderungen (Foto: AP)

Müssen mit Problemen rechnen: Gewerkschafter in Südafrika

Nach wie vor problematisch ist auch die Achtung der Gewerkschaftsrechte in Afrika. Sowohl private Arbeitgeber als auch Regierungen lehnen Gewerkschaften häufig ab. Streiks würden vielfach unterdrückt oder mit Gewalt erwidert, heißt es in dem Bericht. Aus Südafrika beispielsweise werden gewaltsame Angriffe, Schikanen und Verhaftungen Streikender gemeldet. In Dschibuti seien 300 Eisenbahner und Hafenarbeiter festgenommen worden, protestierende Eisenbahner in Sambia seien von ihren chinesischen Vorgesetzten beschossen worden.

Schikanen auch in Asien und Afrika

Im Nahen Osten beklagt die Internationale Gewerkschaftsorganisation die zum Teil restriktivsten arbeitsrechtlichen Bestimmungen der Welt. Wanderarbeitskräfte und Hauspersonal seien Schikanen und Missbrauch besonders schutzlos ausgesetzt. Die Arbeitsgesetze ermöglichten darüber hinaus der Regierung die Kontrolle über die Gewerkschaftsaktivitäten, so zum Beispiel in Bahrain, Irak, Jordanien, Kuwait, Oman, Katar, Syrien und Jemen.

Im Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sei die Gründung von Gewerkschaften praktisch nicht möglich, heißt es im Bericht. Ungeachtet der gesetzlichen Beschränkungen hätten 2010 im Nahen Osten Streiks stattgefunden, die die Polizei mit vielfältigen Repressionen beantwortet habe.

Errungene Gewerkschaftsrechte in Europa in Gefahr

Angesichts des von Lohnkürzungen, Rentenreformen und Haushaltskürzungen geprägten Wirtschaftsklimas zögerten in Europa die Beschäftigten Verletzungen ihrer gewerkschaftlichen Rechte anzuzeigen, aus Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Außerdem beklagt die Internationale Gewerkschaftsorganisation die "Erosion des sozialen Dialogs" in vielen Ländern. So hätten etwa in Kroatien, der Tschechischen Republik und Ungarn die Gewerkschaften keine Gelegenheit gehabt, zur Änderung von Arbeitsgesetzen auch nur Stellung zu nehmen. Insgesamt wirkten sich die europäischen Sparpakete negativ auf die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte aus und gefährdeten das europäische Sozialmodell, schreibt die Organisation in ihrem Jahresbericht.

Autorin: Ulrike Mast-Kirschning
Redaktion: Klaus Dahmann / Herbert Peckmann

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