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Aktuell Nahost

Gewaltsame Proteste nach Mubarak-Freispruch

Mehr als tausend Menschen haben auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen den Freispruch des ehemaligen Präsidenten Husni Mubarak protestiert. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Eine Person sei getötet, neun Menschen seien verletzt worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministerium dem Sender CNN. Die ägyptische Internetseite Al-Masry al-Youm berichtete von zahlreichen Festnahmen. Die Demonstranten hatten sich an einem Zugang zum Tahrir-Platz im Stadtzentrum von Kairo versammelt. In Sprechchören riefen sie: "Der Mörder freigesprochen, das Blut unserer Brüder nicht umsonst geflossen" und "Das Volk fordert den Sturz des Regimes".

Freispruch wegen Verfahrensfehlern

Der Tahrir-Platz selbst war zuvor abgeriegelt worden. Er war im Frühjahr 2011 das Zentrum der Proteste gegen die jahrzehntelange autokratische Herrschaft von Husni Mubarak. Im Februar desselben Jahres führten sie zu seinem Sturz.

Im Küstenort Alexandria lösten die Sicherheitskräfte eine Kundgebung von Mubarak-Gegnern auf. Vier von ihnen seien festgesetzt worden, berichtete die Zeitung "Al-Ahram".

Ein Strafgericht in Kairo hatte am Samstagmorgen die Anklage gegen Mubarak wegen des Todes von mehr als 800 Demonstranten während des Aufstands gegen ihn fallengelassen. Ex-Innenminister Habib al-Adli und Mubaraks Söhne wurden freigesprochen.

Kommt Mubarak bald frei?

Zur Begründung führte das Gericht Verfahrensfehler an. In einem ersten Prozess kurz nach seinem Sturz war Mubarak noch zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft kündigte bereits Revision an. Ob Mubarak wegen der beiden Urteile bald auf freien Fuß kommt, ist noch unklar. In einem weiteren Verfahren war der Ex-Präsident im Mai wegen Korruption zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Diese Strafe endet erst im August 2016, zitierte die Internetseite "Youm 7" eine Justizquelle. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang aber nicht.

Der 86-Jährige hatte auch im zweiten Prozess jede Schuld an dem Tod der Demonstranten zurückgewiesen. Vor dem Strafgericht sagte er aus, er habe sein Amt aufgegeben, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Der gesundheitlich angeschlagene Mubarak lebt seit Monaten in einem Kairoer Militärkrankenhaus. Dorthin wurde er nach dem Prozess zurückgebracht. Jubelnde Anhänger empfingen ihn.

cr/re (afp, dpa)