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Aktuell Amerika

Gewaltsame Proteste in Mexiko eskalieren

Die mexikanische Provinz Guerrero kommt nicht zur Ruhe. Nach der Blockade des Flughafens von Acapulco setzten Demonstranten am Dienstag den Sitz der Regionalregierung in Brand.

"Mit Blut werde ich mich verteidigen" sprüht ein vermummter Demonstrant in Chilpancingo auf das Dach eines zuvor von der Menge umgestürzten Lieferwagens (Artikelbild). Mehr als 1000 wütende Mexikaner zogen am Dienstag durch die Hauptstadt der Provinz Guerrero, viele von ihnen vermummt und mit Steinen bewaffnet. Sie protestierten gegen die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto und forderten Klarheit im Fall der entführten und mutmaßlich ermordeten 43 Studenten.

Die meisten Teilnehmer des Protestmarsches sind ebenfalls Studenten oder Lehrer. Die Stimmung in Guerrero ist seit langem extrem angespannt. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Am Montag hatten Demonstranten den Flughafen von Acapulco blockiert. Dabei waren gab es mindestens 18 Verletzte.

Bei den Auseinandersetzungen am Dienstag, bei denen die Polizei zum Teil mit Tränengas gegen die Menge vorging, wurden drei Polizisten und zwei Journalisten durch Steinwürfe verletzt.

Proteste in Mexiko

Gewaltbereite Demonstranten protestieren gegen die mexikanische Regierung

Regierungssitz in Flammen

Mehrere Hundert Demonstranten drangen nach Angaben des Regionalpräsidenten Cuauhtémoc Salgado Romero in den Sitz der auch in Guerrero regierenden Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) von Präsident Peña Nieto ein. Wenig später stiegen Rauchwolken über dem Gebäude auf.

In den vergangenen Tagen kam es in verschiedenen Teilen Mexikos zu gewalttätigen Protesten, nachdem drei Mitglieder einer Drogengang gestanden hatten, die seit Ende September vermissten Studenten ermordet und deren Leichen verbrannt zu haben. Damit werden Beteuerungen von Präsident Peña Nieto konterkariert, seine Sicherheitsstrategie zeige Erfolge und vermindere die Gewalt der Drogenkartelle, durch die in den vergangenen acht Jahren mehr als 80.000 Menschen ums Leben kamen.

Schicksal der Studenten ungewiss

Angehörige der vermissten Studenten wollen sich mit den bisher veröffentlichten Fahndungsergebnissen nicht zufriedengeben. Sie glauben, dass ihre Söhne und Töchter noch am Leben sind. "Wir hoffen, dass er uns diesmal etwas anderes sagt", erklärte der Sprecher der Familien, Felipe de la Cruz, vor einem geplanten Treffen mit Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam.

Zuletzt hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass es vermutlich unmöglich sein werde, die bislang gefundenen und völlig verkohlten Leichenreste zu identifizieren. Nur zwei Knochen könnten "möglicherweise" DNA-Proben der vermissten Studenten zugeordnet werden, so Generalstaatsanwalt Murillo Karam. Derzeit analysieren Spezialisten der Gerichtsmedizin Innsbruck die aufgefundenen sterblichen Überreste. Das österreichische Team unter Leitung von Professor Richard Scheithauer war in der Vergangenheit mehrfach bei schwierigen Identifizierungen federführend, unter anderem bei Opfern des verheerenden Tsunami 2004 in Thailand und des Pinochet-Regimes in Chile.

mak/wl (afp, dpa)