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Südamerika

Gewaltsame Proteste in Brasilien

Eine Demonstration in der Hauptstadt Brasilia ist aus dem Ruder gelaufen: Es kam zu Gewalt, in mehreren Gebäuden wurde Feuer gelegt. Die Proteste richten sich gegen Präsident Michel Temer.

Momentan brenne es im Landwirtschaftsministerium, so die Polizei. Auf Fotos waren dicke, schwarze Rauchschwaden über dem Gebäude zu sehen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers sind die Demonstranten über einen Nebeneingang in das Gebäude eingedrungen. Sie legten dort Feuer, zerstörten Fotos früherer Minister und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zudem hätten Demonstranten versucht, in mehreren anderen Ministerien ebenfalls Feuer zu legen. Rund 35.000 Menschen hatten sich im Regierungsviertel von Brasilia zu den Protesten versammelt; ihr Zorn richtet sich vor allem gegen Präsident Michel Temer, dessen sofortigen Rücktritt sie fordern.

Regierung will Militär einsetzen, um Lage in den Griff zu bekommen

Die Polizei setzte Tränengas ein, um einen Sturm auf den Kongress zu verhindern, mehrere Ministerien wurden evakuiert. Ein Demonstrant soll angeschossen worden sein.

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Regierungskrise in Brasilien

Verteidigungsminister Raul Jungmann trat vor die Presse und sagte, die Regierung werde nun das Militär schicken, um die Lage in den Griff zu bekommen. Bei den gewalttätigen Übergriffen handele es sich um "inakzeptablen Vandalismus", so Jungmann.  In der von dem Architekten Oscar Niemeyer geplanten Hauptstadt sind alle Ministerien und der Kongress rund um eine große Fläche angeordnet. Dort versammelten sich die Menschen und skandierten "Temer raus".

Präsident Temer soll mehrere Millionen Euro Schmiergeld angenommen haben

Der Präsident steht seit geraumer Zeit unter Korruptionsverdacht. Ausgelöst wird dieser Verdacht durch den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Temer und dem Besitzer des weltgrößten Fleischkonzerns JBS, Joesley Batista. Batista hatte den Mitschnitt heimlich gemacht. Sein Konzern soll über Jahre Politiker bestochen haben. Nachdem der Fall bekannt geworden war, zahlte Batista in einem Vergleich rund 65 Millionen Euro und sagte danach aus. Die Aufnahmen nähren den Verdacht von Schweigegeldabsprachen, damit Ex-Parlamentspräsident Eduardo Cunha, der bereits im Gefängnis sitzt, nicht sein Wissen über das ganze Korruptionsnetzwerk preisgibt. Temer soll zudem für seine letzte Wahlkampagne von JBS mehr als vier Millionen Euro erhalten haben und knapp 300.000 Euro selbst eingesteckt haben. Temer hat die Amtsgeschäfte vor fast genau einem Jahr von der abgesetzten Präsidentin Dilma Rousseff übernommen.

bru/se (dpa afpd,rtr)

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