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Asien

"Gewaltige Auswirkungen für Mekong-Region"

Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam streiten über einen geplanten Megastaudamm im Mekong. Jetzt wurde die Entscheidung über den Bau vertagt. DW-WORLD.DE sprach darüber mit Martin Geiger vom WWF.

Fischerbott im Mekong in der Nähe der kambodschanischen Hautpstadt Phnom Penh (Foto: picture alliance / dpa)

Insgesamt 60 Millionen Menschen leben am und vom Mekong

DW-WORLD.DE: Herr Geiger, das Ringen um den Bau eines umstrittenen Megastaudamms im laotischen Xayaburi geht weiter. Bei einer Konferenz der sogenannten Mekong River Commission konnten sich die betroffenen Anrainer-Staaten – neben Laos auch Vietnam, Kambodscha und Thailand – in dieser Woche nicht auf eine gemeinsame Position einigen. Die Entscheidung, ob der Damm tatsächlich kommt oder nicht, soll jetzt voraussichtlich im Herbst auf Ministerebene fallen. Ist das aus Sicht des WWF ein Etappensieg oder nur eine Vertagung des Problems?

Martin Geiger: Es gab eine sehr interessante Stimme auf dieser Konferenz der Mekong River Commission. Die vietnamesische Regierung hat nämlich um eine zehnjährige Verschiebung des Xayaburi-Projekts und weiterer geplanter Projekte am Mekong-Hauptarm gebeten. Das war aus unserer Sicht fast noch wichtiger als die Tatsache, dass die Entscheidung über das Staudamm-Projekt auf Ministerebene gehoben wurde. Immerhin hat damit tatsächlich eines der Mekong-Länder gemahnt, man solle zehn Jahre warten, bis man sich über die Konsequenzen eines solchen Staudammbaus wirklich im Klaren sei - und den Damm dann nur bauen, wenn es Lösungen als Ausgleich für die entstandenen Umweltschäden und die sozialen Folgen für die Menschen in der Region gäbe.

Hat Sie diese Haltung Vietnams überrascht?

Wir sind zufrieden damit, denn genau diesen Wunsch – Staudammprojekte am Hauptarm des Mekong zurückzustellen – haben wir von WWF-Seite in der Vergangenheit auch immer wieder geäußert. Allerdings ist die endgültige Entscheidung über das Xayaburi-Projekt damit noch nicht gefallen. Die Entscheidung der Mekong River Commission, das Problem letztlich auf Ministerebene zu lösen, ist nicht bindend. Laos könnte also das Projekt auch ohne die Zustimmung der anderen und den vietnamesischen Einwänden zum Trotz vorantreiben und den Staudamm dennoch bauen.

Was würde das konkret für die Menschen, die am und vom Mekong leben, bedeuten?

Ein charakteristisches Merkmal des Mekong ist, dass dort sehr viele wandernde Fischarten vorkommen. Der Mekong ist die größte Binnenfischerei der Welt, ungefähr 60 Millionen Menschen sind abhängig vom Fischfang und vom Speisefisch als Proteinlieferant. Durch einen Staudamm am Hauptarm des Mekong würde die Fischwanderung im Mekong unweigerlich zusammenbrechen. Und das hätte natürlich gravierende Auswirkungen auf die Fischerei, die Menschen würden ihre Einkommensmöglichkeiten durch den Fischhandel verlieren und müssten neue landwirtschaftliche Erzeugnisse produzieren. Das alles bedeutet erhebliche Umstellungen und kostet auch Geld. Es hängt also ein ganzer Rattenschwanz an Veränderungen und notwendigen Maßnahmen daran, von dem nicht nur die Menschen in Laos, sondern auch in Kambodscha und Vietnam betroffen sind.

Das Megaprojekt in Laos ist nur ein Beispiel von vielen. Derzeit sollen am Mekong bis zu 20 neue Staudämme in Planung sein. Für die laotische Regierung geht es bei dem Projekt ja vor allem um eins: um sehr viel Geld. Denn den durch Wasserkraft gewonnenen Strom braucht das Land gar nicht selbst: 95 Prozent werden schon jetzt nach Thailand verkauft. Laos ist ein armes Land, und entsprechend groß ist natürlich das Interesse, mit solchen Großprojekten viel Geld zu verdienen.

Inwieweit spielt der Gedanke an Umweltschutz in der Region überhaupt eine Rolle?

Es gibt in allen Ländern am unteren Mekong – also in Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam – gute Ansätze im Umweltbereich, vor allem was den Schutz der Wälder betrifft. Auch, wenn das Problem des illegalen Holzhandels zwischen Laos und Vietnam weiter besteht und auch weiter illegal Holz geschlagen wird. Und auch in der Fischerei gibt es positive Beispiele. So haben sich im Süden von Laos Fischereigemeinschaften etabliert, die so ähnlich organisiert sind wie Genossenschaften. Dort erhalten die lokalen Gemeinden Zugang zu den Ressourcen und schützen sie auch aktiv. Es gibt im Umwelt- und Ressourcenschutz eine ganze Reihe von guten Ansätzen in den jeweiligen Ländern: beispielsweise ausgewiesene Schutzgebiete in Kambodscha oder die Zusammenarbeit mit Gemeinden und lokaler Bevölkerung. Man kann nicht grundsätzlich sagen, dass der Umwelt- und Ressourcenschutz - sowohl auf Regierungsebene als auch auf der lokalen Ebene – keine Bedeutung hätte. Wenn es allerdings um solche Mega-Projekte und Infrastruktur-Projekte geht, prallen wirtschaftliche Interessen auf Umwelt- und Naturschutzaspekte. Und da gibt es manchmal nur schwarz oder weiß.

Martin Geiger ist Leiter des Fachbereichs Süßwasser beim WWF Deutschland

Das Interview führte Esther Felden
Redaktion: Priya Esselborn