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Europa

Gewalt und Chaos im Kosovo

Einen Monat nach der umstrittenen Unabhängigkeit des Kosovo sind bei Protesten aufständischer Serben in Mitrovica fast 150 Menschen verletzt worden. Die KFOR-Schutztruppe übernahm das Kommando in der Stadt.

Französische Soldaten unter Beschuss in Mitrovica: Demonstranten (l.) bewerfen französische Soldaten (r.), die hinter ihren Schutzschilden in Deckung gehen (Foto: AP)

Französische Soldaten unter Beschuss

Im Norden des Kosovos ist es am Montag (17.3.2008) zu den schwersten Ausschreitungen seit der Unabhängigkeit der früheren serbischen Provinz gekommen. In der Stadt Mitrovica kam es zu kriegsähnlichen Szenen: Handgranaten explodierten, Molotowcocktails flogen, Gewehrsalven peitschten durch die Luft. Die Polizeiverbände der UN-Kosovo-Verwaltung (UNMIK) standen tausenden aufgebrachten Serben gegenüber und mussten sich vollständig zurückziehen. Erst Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR konnten die Lage wieder unter Kontrolle bringen.

Molotowcocktails gegen internationale Soldaten

Die Bilanz am Abend: fast 150 Verletzte, rund 70 Serben und 63 internationale Polizisten, darunter alleine 22 Polen. Auch neun KFOR-Soldaten wurden nach Angaben des französischen Generalstabs verletzt. Einer sei von einem Molotowcocktail schwer am Kopf verwundet und in ein Krankenhaus in Plana gebracht worden, hieß es in Paris. Die Ausschreitungen waren nach der gewaltsamen Räumung des Kreisgerichts entbrannt, das seit Freitag von Serben besetzt war. UNMIK-Verbände führten 53 Serben ab, denen schnell Hunderte von Landsleuten zu Hilfe kamen. Die Menge befreite 21 Festgenommene und attackierte dann die UN-Polizisten, die das Gericht abgeriegelt hatten. Die übrigen 32 wurden nach Pristina gebracht und am Nachmittag freigelassen. Sie sollen sich auf freiem Fuß vor Gericht verantworten.

Serbien kritisiert Gewalt UN- und KFOR-Kräfte

UN-Polizisten versuchen das Gerichtsgebäude in Mitrovica zu schützen (Foto: AP)

UN-Polizisten versuchen das Gerichtsgebäude in Mitrovica zu schützen

Der serbische Kosovo-Minister Slobodan Samardzic, der sich in der serbischen Enklave Gracanica aufhielt, verlangte "ultimativ" die Freilassung aller Festgenommenen. Serbiens Regierungschef Vojislav Kostunica richtete "den allerschärfsten Protest" gegen eine "Einschüchterung der Serben" im Kosovo. "Wir haben mit Russland Beratungen über eine gemeinsame Reaktion begonnen", ließ Kostunica mitteilen.

Kosovo hält Eingreifen für richtig

Der stellvertretende kosovarische Ministerpräsident Hajredin Kuqi verteidigte das Vorgehen der UN-Einsatzkräfte. Seine Regierung habe von Anfang an gefordert, dass UN und KFOR im nördlichen Mitrovica Recht und Gesetz herstellten und die Institutionen dort schützten. "Es war eine gerechte Aktion und die richtige", sagte Kuqi. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bedauerte den Ausbruch der Gewalt ebenso wie die Europäische Union und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Dieser sagte, die Gewaltakte serbischer Demonstranten seien "inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen."


Die Bundesregierung warnte vor Versuchen von serbischer Seite, den Unabhängigkeitsstatus des Kosovos in Zweifel zu ziehen. Außenamtssprecher Martin Jäger sagte in Berlin, er gehe davon aus, dass die KFOR und die UNMIK-Polizei die Lage wieder unter Kontrolle brächten. Eine Teilung des Kosovos komme nicht in Frage, die Regierung in Pristina habe dazu verbindliche Zusagen gemacht.

Ein Monat unabhängiges Kosovo

Durch Mitrovica läuft entlang des Ibar-Flusses die Grenze zum Norden des Kosovos, in dem rund 50 000 Serben die Mehrheit stellen. Seit der Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Provinz am 17. Februar wollen sie, dass dieser Landesteil abgespalten und der "Mutterrepublik" Serbien angegliedert wird. Im übrigen Kosovo leben weitere rund 50 000 Serben, meist in Enklaven, die von Siedlungsgebieten der zwei Millionen Albaner umgeben sind. (tos)

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