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Welt

Gewalt in Nahost eskaliert

In Israel sind bei Terrorangriffen acht Menschen getötet worden. Israels Antwort: Vergeltung im Gazastreifen. Dabei starben noch mehr Menschen. Bei einer weiteren Eskalation droht Israel mit einer Bodenoffensive.

Trümmerhaufen in Gaza nach einem Vergeltungsangriff Israels (Foto:dpa)

Trümmerhaufen nach einem Vergeltungsangriff Israels im Gazastreifen

Einen Tag nach dem schweren Terroranschlag im Süden Israels haben sich die israelischen Streitkräfte und militante Palästinenser einen Schlagabtausch geliefert. Nach Angriffen der israelischen Luftwaffe auf den Gazastreifen drohte der israelische Armeesprecher Joaw Mordechai am Freitag (19.09.2011) sogar mit einer Bodenoffensive. Es stünden "alle Optionen" offen, sagte er, nachdem aus Gaza weitere Raketen auf Israel gefeuert wurden. Bei den Angriffen im Gazastreifen wurden laut palästinensischen Angaben seit Donnerstag mindestens 14 Menschen getötet.

Tote bei Rafah im Gazastreifen (Foto: picture alliance/Photoshot)

Nach dem israelischem Angriff: Tote bei Rafah im Gazastreifen

Medienberichten zufolge war es eine ganze Welle israelischer Angriffe, die sich gegen zahlreiche Ziele im Gazastreifen richtete.

Bei Rafah seien mehrere Menschen getötet worden, hieß es auf palästinensischer Seite. Unter den Getöteten soll auch der Chef der extremen Organisation "Volkswiderstands-Komitees", Awab Airab, sein. Ein Sprecher der Gruppe kündigte Vergeltung an. Die israelischen Streitkräfte betonten, einer der Angriffe habe einem Führer dieser Organisation gegolten.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas wies jegliche Beteiligung an der Terrorserie zurück. "Aber wir preisen die Attentäter, denn sie haben israelische Soldaten angegriffen", sagte das führende Hamas-Mitglied Ahmed Jussef der Deutschen Presse-Agentur. Schließlich greife Israel den Gazastreifen "täglich" an, fügte Jussef hinzu.

Weitere Raketen auf Israel gefeuert

Während Israel den Gazastreifen bombardierte, feuerten palästinensische Extremisten aus dem Gebiet wieder Raketen auf israelisches Kernland ab. Dabei wurden mindestens zehn Israelis verletzt. Eines der selbst gebauten Geschosse sei in eine Synagoge in der Hafenstadt Aschdod eingeschlagen, teilte die Armee mit.

Menschenmenge am Damaskus Gate in Jerusalem (Foto: dpa)

Israel schränkte den Zugang zur Al-Aksa-Moschee aus Sicherheitsgründen ein

Die Sicherheitskräfte in Israel wurden vor dem dritten Freitagsgebet im islamischen Fastenmonat Ramadan in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Der Zugang zum Tempelberg wurde für Palästinenser eingeschränkt. Später kam es zu einem Handgemenge zwischen Polizisten und einigen Palästinensern, die zur Al-Aksa-Moschee wollten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Menge zu zerstreuen, und nahm mehrere Personen fest.

Netanjahu: "Terroristen zahlen hohen Preis"

Ausgangspunkt der neuen Gewalt war eine Serie von Terroranschlägen entlang Israels Grenzen zu Ägypten und Jordanien. Bewaffnete Angreifer hatten dort auf Reisebusse, Autos und ein Armeefahrzeug geschossen. Die Zahl der dabei getöteten Israelis erhöhte sich inzwischen auf acht. Unter anderem sei ein Polizist bei der Verfolgung der Attentäter erschossen worden. Vier der Angreifer sollen getötet worden sein. Nach Armeeangaben waren sie unter anderem mit Sprenggürteln und Handgranaten ausgestattet. Nach weiteren Tätern wird noch gesucht.

Israel macht Extremisten aus dem Gaza-Streifen für die Taten verantwortlich, die über Ägypten ins Land gelangt seien. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte den Terroristen mit harten Konsequenzen. Sie würden einen sehr hohen Preis für die Anschläge zahlen, sagte er im israelischen Fernsehen. Für das Wochenende geplante Sozialproteste wurden von den Organisatoren abgesagt. Stattdessen sollen Mahnwachen mit Kerzen stattfinden.

Ägyptische Beamte bei Angriffen getötet

An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten waren am Donnerstag bei den israelischen Vergeltungsangriffen auch ägyptische Sicherheitskräfte zwischen die Fronten geraten. Mindestens drei von ihnen sollen bei den Angriffen ums Leben gekommen sein. Noch sei nicht klar, wer die Männer erschossen habe, höchstwahrscheinlich seien sie jedoch ins Kreuzfeuer geraten, als israelische Soldaten im Gazastreifen auf Extremisten geschossen hätten. Die Regierung in Kairo protestierte gegen den Tod der Beamten und rief Israel zu Ermittlungen auf, wie die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA meldete.

Ein Bus als Ziel palästinensischen Terrors (Foto: dapd)

Mit den palästinensischen Angriffen auf Fahrzeuge wie diesen Bus hatte die neue Gewalt begonnen

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak gab Ägypten eine Mitschuld an der Gewalt. "Die Angriffe sind ein Beweis für die mangelnde Kontrolle der Ägypter auf der Sinai-Halbinsel und das Erstarken terroristischer Gruppen dort", hieß es in einer Erklärung des Verteidigungsministeriums. Die eigentlichen Drahtzieher seien aber im Gazastreifen zu suchen, wiederholte Barack.

Rückschlag für den Friedensprozess

International nahm unterdessen die Besorgnis über eine neue Eskalation der Gewalt im Nahen Osten zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Attentate und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Zudem rief er alle Beteiligten zu beherrschtem Handeln auf.

Eine Verurteilung der Anschläge in Israel durch den Weltsicherheitsrat scheiterte am Widerstand des Libanon. Die USA hatten einen Entwurf für eine entsprechende Erklärung eingebracht. Der Vertreter des Libanon habe das Dokument nicht unterzeichnen wollen, erklärten Diplomaten. Notwendig wäre die Zustimmung aller 15 Ratsmitglieder gewesen.

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, äußerte ihr Bedauern. Auch die USA, Frankreich und Deutschland verurteilten die Anschläge scharf. Außenminister Guido Westerwelle warnte davor, sich von der Suche nach einer Friedenslösung für den Nahen Osten abbringen zu lassen. "Das schwierige Ringen um Frieden und Ausgleich im Nahen Osten darf nicht durch Terror und Gewalt torpediert werden", erklärte der FDP-Politiker.

Autoren: Naima El Moussaoui/Marko Langer (rtr, dpa, dapd)
Redaktion: Hajo Felten

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