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Aktuell Afrika

Gewalt in Ägypten vor Massenprotesten

Ägypten wartet gespannt auf die Großdemonstrationen, mit denen eine Protestbewegung den islamistischen Präsidenten Mursi am Jahrestag seines Amtsantritts zu Fall bringen will. Zahlreiche Ausländer verlassen das Land.

Vor den für Sonntag angekündigten Massenprotesten in Ägypten ist es landesweit zu schweren Ausschreitungen gekommen. Seit Freitag seien bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern von Präsident Mohammed Mursi mindestens vier Menschen getötet und rund 140 weitere verletzt worden, teilten die Behörden mit.

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Sorge vor Eskalation in Ägypten wächst

Zu den Todesopfern vom Freitag zählte auch ein 21-jähriger US-Bürger, wie das US-Außenministerium bestätigte. Demnach handelte es sich um einen Praktikanten der gemeinnützigen US-Organisation AMIDEAST. Nach ägyptischen Behördenangaben wurde er erstochen, als er während der Proteste in Alexandria Fotos machte. In der Stadt wurde zudem ein Ägypter getötet und ein bei früheren Protesten verwundeter Mann erlag am Samstag seinen Verletzungen. In Port Said am Suez-Kanal starb ein ägyptischer Journalist, als Unbekannte einen Sprengsatz warfen.

In Alexandria und in der Provinz al-Dakahlija wurden außerdem Büros der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, dem politischen Arm der Muslimbrüder, in Brand gesteckt, ein weiteres in Beheira wurde gestürmt. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich am späten Samstagabend bereits Tausende Menschen. Viele der Demonstranten kündigten an, sie würden solange ausharren, bis Präsident Mursi zurücktrete. Seine Anhänger hielten sich zu Tausenden weiterhin vor der Moschee Rabaa al-Adawija im Kairoer Vorort Nasr City auf.

Angesichts der Unruhen ließen die USA einen Teil ihres Botschaftspersonals ausreisen. Zudem empfahl das US-Außenministerium, nach Möglichkeit von Reisen in das nordafrikanische Land abzusehen. US-Präsident Barack Obama äußerte sich am Samstag besorgt über die neue Gewalt und rief die ägyptischen Behörden auf, für die Sicherheit der amerikanischen Botschaft und der Konsulate zu sorgen. Zahlreiche Ausländer verließen in voll besetzten Flugzeugen das Land.

Am Sonntag jährt sich Mursis Amtsantritt zum ersten Mal. Seine Gegner planen für den Tag Massenkundgebungen. Sie fordern Mursis Rücktritt und eine vorgezogene Präsidentschaftswahl. Mursis Kritiker werfen ihm insbesondere vor, die Gesetzgebung nach den Prinzipien des Islam verändern zu wollen und damit die Revolution von 2011 zu verraten.

Die Kampagne Tamarod (arabisch für Rebellion) sammelte nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 22 Millionen Unterschriften für einen Rücktritt Mursis sowie eine vorgezogene Präsidentschaftswahl. Mursis Unterstützer halten die Petition für ungültig. Seine Amtszeit endet offiziell erst 2016.

pg/det (dpa, afp, rtr)

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