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Nahost

Gewalt hält Iraker nicht von der Wahl ab

Fast 40 Tote, aber ungeachtet der Gewalt eine rege Wahlbeteiligung: Das ist die Bilanz der Parlamentswahl im Irak. Mehr als 50 Prozent der Bürger haben ihre Stimme abgegeben. Ergebnisse werden in einer Woche erwartet.

Iraker nach der Stimmabgabe (Foto: ap)

Jubel nach der Stimmabgabe: Wähler im Irak

Aufständische feuerten Raketen und Mörsergranaten unter anderem auf mehrere Wahllokale ab. In Agenturberichten ist von fast 40 Toten die Rede. Landesweit wurden rund 80 Iraker verletzt. In einem Viertel im Norden der irakischen Hauptstadt wurden allein 13 Menschen unter Trümmern begraben, als eine Katjuscha-Rakete in ihr Haus einschlug.

Landesgrenzen und Flughafen geschlossen

Die Attacken konzentrierten sich auf den Großraum Bagdad und die Provinz Ninive. Im kurdischen Norden und im schiitischen Süden des Landes verlief die Abstimmung dagegen friedlich. Die gesamten Sicherheitskräfte des Landes waren am Sonntag (07.03.2010) im Einsatz, um die Wahl zu sichern. Alle Landesgrenzen und der internationale Flughafen von Bagdad wurden vorsorglich geschlossen.

Bergungsarbeiten in Bagdad (Foto: ap)

Bergungsarbeiten nach einem der Anschläge im Nordosten Bagdads

Es war die zweite Parlamentswahl seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein durch eine US-geführte Invasion im Frühjahr 2003. Unter Saddam hielten die Sunniten Schlüsselpositionen in Staat und Armee besetzt. Heute werden zahlreiche Ministerien von schiitischen Parteien kontrolliert.

Wahlkabine in Ramadi (Foto: AP)

Fast 20 Millionen Bürger durften abstimmen

Fast 20 Millionen Bürger waren aufgerufen, die 325 Sitze im Parlament neu zu bestimmen. Rund 6200 Kandidaten standen zur Wahl. Beobachter erwarten, dass keine der Gruppierungen und Parteien alleine eine Regierungsmehrheit bekommen wird.

Tauziehen um Koalition erwartet

Da gibt es unter anderem die säkular auftretende Allianz um Ministerpräsident Nuri al-Maliki, außerdem die von Schiiten dominierte Nationalallianz, zu der auch die Partei des anti-amerikanisch auftretenden Mullahs Muktada al Sadr gehört. Eine Rolle spielen wird ferner das Bündnis Irakija mit der Partei des früheren Ministerpräsidenten Ijad Allawi. Ein wochen- oder monatelanges Tauziehen um die Bildung einer stabilen Koalition dürfte bevorstehen.

Al-Maliki bei der Wahl (Foto: AP)

Ministerpräsident al-Maliki bei der Stimmabgabe

Warten auf das Wahlergebnis

Regierungschef al-Maliki forderte alle Parteien auf, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Wer heute gewinne, könne schon morgen verlieren und umgekehrt. Sein politischer Gegenspieler Ijad Allawi beklagte schon in den ersten Stunden Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung. Mit einem vorläufigen Wahlergebnis wird nach Angaben der Vereinten Nationen erst am 18. März gerechnet. Das offizielle Ergebnis dürfte Ende des Monats verkündet werden.

US-Präsident Barack Obama würdigte das demokratische Verhalten der Iraker. "Ich habe großen Respekt vor den Millionen von Irakern, die es ablehnten, sich von Gewalt abschrecken zu lassen", erklärte Obama.

Autor: Marko Langer (mit dpa, rtr, afp)

Redaktion: Walter Lausch

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