Gewalt gegen Lehrer an deutschen Schulen | Deutschlehrer-Info | DW | 03.05.2018
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Deutschlehrer-Info

Gewalt gegen Lehrer an deutschen Schulen

Sie werden beschimpft, im Netz an den Pranger gestellt, bedroht oder körperlich angegriffen. Gewalt gegen Lehrer ist in Deutschland weit verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage.

1200 Schulleitungen  wurden im Auftrag der Lehrergewerkschaft VBE befragt und das Ergebnis  ist erschreckend: An fast der Hälfte der Schulen (48 Prozent) kam es in den vergangenen fünf Jahren zu Fällen von direkter psychischer Gewalt gegen Lehrer. Dies beinhaltet Beschimpfungen, Bedrohungen, Beleidigung, Mobbing oder Belästigung. Schulformübergreifend sprachen 26 Prozent der Einrichtungen sogar von Vorfällen, in denen Lehrer körperlich angegriffen wurden. Jede fünfte Schulleitung gab an, dass Lehrer in den vergangenen fünf Jahren über das Internet diffamiert, belästigt, bedroht oder genötigt wurden. 

Selbst Grundschüler werden laut der Studie immer auffälliger: An jeder dritten Grundschule kam es in den letzten fünf Jahren zu gewalttätigen Vorfällen gegen Lehrer. Aufschluss über die Gründe, warum die Gewalt gegen Lehrer so zugenommen hat, gibt die Studie nicht.

Keine Einzelfälle

"Die Ergebnisse sind so eindeutig wie erschütternd", erklärte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Die Zahlen bewiesen entgegen der Einschätzung der Kultusministerien der Länder erneut, dass es sich nicht um Einzelfälle handle. Die zunehmende Gewalt gegen den öffentlichen Dienst sei ein "gesamtgesellschaftliches Phänomen", so Beckmann. Während 2016 bei einer ähnlichen Befragung noch 57 Prozent angaben, die Thematik werde verschwiegen, waren bei der aktuellen Umfrage "nur" noch 39 Prozent dieser Überzeugung.

Angst vor Imageverlust

Dennoch vermisst der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes die Unterstützung der Schulleitungen. Heinz-Peter Meidinger erklärte:  "Wer einen Vorfall meldet, muss mit einer negativen Rückmeldung rechnen und sich zum Teil sogar vorwerfen lassen, er habe seine Klasse nicht im Griff."  Die Schulleitung ihrerseits fürchte einen Imageschaden und in Ministerien sei das Interesse an Erfolgsmeldungen groß. "Das muss sich ändern", forderte Meidinger. Lehrer dürften nicht das Gefühl haben, dass es besser sei, Gewalt im Klassenzimmer zu verschweigen.

Mehr Unterstützung gefordert

Der VBE verlangt von den Kultusministerien, die Lehrer stärker zu unterstützen und Statistiken zur Gewalt an Schulen zu führen. Beckmann erhebt schwere Vorwürfe gegen die Landesministerien und hält vor allem eine unbürokratische Meldung und schnelle Hilfe nach einem Vorfall für entscheidend. "Außerdem sehen wir einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ressourcenmangel an den Schulen, dem Bild von der Schule als Reparaturbetrieb der Gesellschaft und damit verbunden enttäuschten Erwartungen von allen Seiten", erklärte der Verbandsvorsitzende.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht dagegen davon aus, dass Schulen soziale Probleme künftig stärker ausgleichen müssen: "Es nützt nichts, zu sagen: Die Eltern sind schuld. Viele Familien sind überfordert. Und die Schülerinnen und Schüler kommen so, wie sie sind. Die Schulen werden zunehmend eine ausgleichende Leistung erbringen müssen", sagte Ilka Hoffmann, Mitglied des geschäftsführenden GEW-Vorstandes.

Hoffmann forderte mehr Ressourcen für die Schulen – mehr Zeit für Einzelgespräche, mehr Beratungs- und Fortbildungsangebote für Lehrer. "Gleichzeitig müssen Schule und soziale Dienste viel besser vernetzt werden."

rös/kle/mk/rh (dpa, kna, afpd)

 

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