1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Gewalt gegen Frauen gefährdet den Frieden

Die Gewalt an Frauen und Kindern in Kriegs- und Konfliktregionen will der UN-Sicherheitsrat per Resolution stoppen. Nach wie vor ist jedoch der politische Wille der Staaten gering, endlich mehr gegen das Problem zu tun.

Vergewaltigungsopfer in der Kongo-Provinz Südkivu (Foto: dpa)

Vergewaltigungsopfer im Kongo

"Sexuelle Gewalt ist eine Waffe. Sie ist billig, macht keinen Lärm und ist effektiv – das haben wir im Kongo und in anderen Kriegs- und Konfliktregionen gesehen", sagt Margot Wallström. Seit März 2011 ist sie UN-Sonderbeauftragte im Kampf gegen die Gewalt an Frauen. An diesem Freitag - wie jedes Jahr am 25. November - wird an diese Form der Gewalt mit einem internationalen Gedenk- und Aktionstag erinnert.

"Es ist eine Demonstration der Macht um Kontrolle auszuüben", betont Wallström. Dörfer und ganze Regionen würden dadurch regelrecht terrorisiert. Das wirke meist sehr lange nach und habe schwerwiegende Folgen für die innere Verfasstheit der gesamten Gesellschaft eines Landes.

Mehrere Berichte von Vergewaltigungen in der Grenzregion zwischen Angola und der Demokratischen Republik Kongo veranlassten sie in diesem Jahr, nach Kamako an die kongolesische Grenze zu reisen. Dort traf sie Zeuginnen und Betroffene zahlreicher Vergewaltigungen, verübt von Angehörigen der angolanischen Polizei an illegalen Einwanderinnen aus dem Kongo. Ihre Ergebnisse machte Wallström bei der Regierung in Luanda zum Thema.

Überzeugungsarbeit vor Ort

Margot Wallström (Foto: picture alliance)

Margot Wallström

Zunächst hätten die Politiker von einem Einzelfall gesprochen. Im Laufe der Gespräche aber sei schließlich die Bereitschaft gewachsen, etwas zu tun: "Dann haben wir uns die Kommandostrukturen angeschaut, ob sie klar organisiert sind, damit die Befehle auch alle Sicherheitskräfte auf der angolanischen Seite erreichen", berichtet die Sonderbeauftragte. "Außerdem haben wir darauf gedrängt, in der Befehlskette deutlich zu machen, dass dies nach angolanischem Gesetz absolut verboten ist, dass es nicht akzeptabel ist und nicht passieren darf."

Entsprechende Trainings durch die Vereinten Nationen sollen das Konzept jetzt ergänzen, sowie regelmäßige Berichte von beiden Nachbarländern - von Angola und der Demokratischen Republik Kongo. Denn auch dort versucht das Team der Sonderbeauftragten Verbesserungen zu erreichen. Die Resolutionen 1820 (in 2008) und 1888 (in 2009) des UN-Sicherheitsrates sind dabei die Arbeitsgrundlage. Für Wallström ein Fortschritt . Der Sicherheitsrat habe schließlich darin erklärt, dass er bereit sei, "alle Tools zu nutzen, einschließlich Einfrieren von Zuwendungen, Täter öffentlich zu machen und auf eine Liste zu setzen, dafür zu sorgen dass sie bestraft werden und sicherzustellen, dass die Türen für Vergewaltiger geschlossen werden."

Mobile Gerichte

Dr. Monika Hauser von medica mondiale (Foto: DW)

Monika Hauser

Erste Ansätze, um der Straflosigkeit und damit auch der Gewaltspirale in den konfliktbelasteten Regionen der Demokratischen Republik Kongo entgegenzuwirken, sind die mobilen Militärgerichte. 250 Verurteilungen soll es inzwischen gegeben haben, und in rund drei Viertel aller Fälle ging es um Vergewaltigungen.

Monika Hauser, Gründerin der international tätigen Menschenrechtsorganisation für Frauen - "medica mondiale" - sieht darin "einen richtigen Schritt, um die Lebenssituation von Frauen endlich in den Blick zu nehmen". Es sei eben wirkungslos, Gerichtsverfahren in Städten zu machen, weil die Zeuginnen fast keine Möglichkeit hätten, überhaupt dorthin zu kommen. "Daher ist es natürlich genau der richtige Weg, dass Gerichte mobil dahin gehen, wo die Frauen sind, nämlich raus in die Dörfer in weit entlegenen Gebieten."

Dennoch werden laut Monika Hauser nach wie vor zu wenige Täter verurteilt, und der bewaffnete Konflikt im Osten des Kongo sei so brutal, dass man inzwischen von einer "Entmenschlichung der Männer" sprechen müsse. Über die Hälfte aller Vergewaltigungen würden Armee-Soldaten zugeschrieben. Wenn die Frauen überlebten, so die Ärztin und Menschenrechtsexpertin, bleibe ihr Lage oft verzweifelt.