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Deutschland

Gewalt gegen Flüchtlinge: 10 Anschläge aus 25 Jahren

Wenn aktuell Flüchtlingsheime brennen, fühlen sich manche an die 1990er Jahre erinnert. Menschen starben, weil damals rechte Gewalt gegen Asylbewerber und alles Fremde eskalierte. Zehn berüchtigte Orte.

1. Hoyerswerda in Mecklenburg-Vorpommern: Vom 17.09. bis zum 23.09.1991 halten knapp eine Woche fremdenfeindliche Übergriffe an. Hoyerswerda bildet den Auftakt zu einer Reihe von Angriffen gegen Asylbewerberheime und Ausländer zu Beginn der 1990er Jahre. Angegriffen wurden in der 30.000 Einwohner-Stadt ein Vertragsarbeiterwohnheim und eine Flüchtlingsunterkunft. Zeitweise nahmen 500 Menschen an den Ausschreitungen teil. Die Polizei zeigte sich außerstande, die Angriffe zu stoppen. 32 Menschen wurden verletzt. Es gab 82 vorläufige Festnahmen. Verurteilt wurden nur vier Personen.

2. Lampertheim in Hessen: Hier kamen am 31.01.1992 drei Menschen aus Sri Lanka bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim ums Leben. Es waren die ersten Todesopfer - aber noch lange nicht die letzten.

Anschlag auf Asylbewerberheim in Lampertheim 1992 (Foto: dpa)

Die ersten Toten gab es Anfang 1992 im hessischen Lampertheim

3. Saal in Mecklenburg Vorpommern: Am 14.03.1992 wird ein Rumäne bei einem Überfall von rund 40 Jugendlichen auf ein Asylbewerberheim erschlagen.

4. Hörstel in Nordrhein-Westfalen: Am 04.04.1992 stirbt bei einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft ein dort untergebrachter Deutscher.

5. Rostock-Lichtenhagen in Mecklenburg-Vorpommern: Tagelang greifen vom 22. bis zum 26.08.1992 rechtsradikale Gewalttäter zunächst ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter an. Später randalierten sie vor dem zentralen Asylbewerberheim von Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Beifall von bis zu 3000 Schaulustigen und vielen Fernsehkameras bewarfen die Rowdies das überwiegend mit Rumänen belegte Hochhaus sowie die Polizisten mit Steinen und Brandsätzen.

Anschlag auf Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen 1992 (Foto: dpa)

In Rostock randalierte der Mob tagelang

6. Mölln in Schleswig-Holstein: Am 23.11.1992 setzen zwei Neonazis zwei Häuser von türkischen Familien in Brand. Zwei Mädchen und ihre Großmutter sterben.

Anschlag auf Haus in Mölln 1992 (Foto: dpa)

Neonazis zündeln Ende 1992 im norddeutschen Mölln

7. Solingen in Nordrhein-Westfalen: Am 29.05.1993 setzen vier Jugendliche das Haus der türkischen Familie Genc in Brand. Fünf Bewohner des Hauses kommen in den Flammen um. Vor Gericht sagen die Jugendlichen: "In Deutschland gibt es zu viele Ausländer."

Anschlag auf Haus in Solingen 1993 (Foto: imago)

Erschüttert reagiert Deutschland auf den Brandanschlag von Solingen

8. Lübeck in Schleswig-Holstein: In der Nacht zum 18.01.1996 wird das von 48 Menschen bewohnte Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 angezündet. Zehn Menschen sterben. Die Täter werden nie ermittelt. Es ist der schwerste Anschlag gegen Flüchtlinge in der Geschichte der Bundesrepublik.

Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft 1996 in Lübeck (Foto: dpa)

Die Brandstifter von Lübeck werden nie ermittelt

9. Ludwigshafen-Oppau in Rheinland-Pfalz: Nach einer Phase relativer Ruhe schleuderten in der Nacht zum 16.07.2000 vier Skinheads einen Brandsatz gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Ein elfjähriges Mädchen erlitt Brandverletzungen an den Beinen, zwei weitere Kinder wurden von Glassplittern leicht verletzt. Die 14 bis 18 Jahre alten rechtsradikalen Täter konnten zunächst unerkannt entkommen, wurden aber wenige Tage später festgenommen und im November 2000 zu hohen Jugendstrafen verurteilt.

10. Sangershausen in Sachsen-Anhalt: Am frühen Morgen des 06.01.2007 griffen Rechtsextreme ein Asylbewerberheim mit Molotowcocktails an. Drei Bewohner konnten dem Feuer, das sich im Erdgeschoss ausbreitete, nur mit knapper Not entkommen. Vier Täter wurden im Mai 2010 wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und vier Monaten verurteilt.

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