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Aktuell Amerika

Gewalt bei Protesten in Kolumbien

Kartoffel- und Milchbauern, Lehrer und Studenten demonstrieren in Kolumbien gegen die Agrar- und Wirtschaftspolitik der Regierung. Bei Unruhen soll es mehrere Tote gegeben haben. Das Militär soll nun für Ruhe sorgen.

In mehreren Großstädten des Landes gingen etwa 30.000 Menschen auf die Straßen. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá lieferten sich Demonstranten und Polizei heftige Auseinandersetzungen. Nachrichtenagenturen berichten von bis zu vier Todesopfern. Nach offiziellen Angaben wurden landesweit mehr als 150 Menschen verletzt, darunter 37 Polizisten. 40 Demonstranten wurden festgenommen.

Knapp zwei Wochen dauert die Protestwelle in dem südamerikanischen Land bereits an. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos will die Lage nun mithilfe der Armee in den Griff bekommen. Er ordnete eine erhöhte Militärpräsenz in der Hauptstadt an. Es sei inakzeptabel, dass eine Minderheit mit ihren Aktionen die Mehrheit belaste, begründete Santos die Maßnahme.

Bauern, Studenten, Lehrer und Arbeiter protestieren Seite an Seite

Zunächst waren es nur Bauern, die für mehr Zuschüsse demonstrierten, aber kaum Gehör fanden.

Video ansehen 01:09

Kolumbiens Präsident ohne fortune

Die Demonstranten kritisieren, dass ihre Produkte zu niedrig verkauft würden. Schuld daran seien unter anderem Billigimporte als Folge mehrerer Freihandelsabkommen Kolumbiens unter anderem mit den USA und Europa. Später schlossen sich den Bauern auch Lastwagenfahrer, Bergarbeiter, Lehrer und Studenten an, um den Agrarstreik zu unterstützen.

Durch die tagelangen Demonstrationen und Straßenblockaden wurden in mehreren Städten Lebensmittel und Konsumgüter knapp. Folglich stiegen die Preise für die Verbraucher. Zudem plünderten einige Demonstranten Geschäfte.

Steigende Preise und Unwetter

Die Lebenssituation der Bauern hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Die Erträge vieler Kartoffel-, Getreide und Milchbauern reichen kaum aus, um die Produktions- und Transportkosten zu decken. Neben den Freihandelsabkommen sind auch Unwetter schuld an den geringen Erträgen.

Ein älterer Mann, der wie ein Bauer gekleidet ist, protestiert indem er ein Schild hochhält auf dem steht: Das größte Problem hätte gelöst werden können, als es noch klein war. Dahinter sind andere Demonstranten zu sehen (Foto: REUTERS)

"Das größte Problem hätte gelöst werden können, als es noch klein war", steht auf dem Plakat des Mannes

"Ich verdiene nichts, es reicht gerade mal zum Leben", klagt ein 50-jähriger Bauer, der sechs Kinder versorgen muss. "Die Regierung will uns von unseren Ackerflächen vertreiben, damit sie Geschäfte mit großen Unternehmen machen kann. Im Gegensatz zu uns Kleinbauern bekommen die großen landwirtschaftlichen Betriebe staatliche Subenventionen", beschwert sich der Mann.

Präsident: Landwirtschaft in der Krise

Präsident JSantos räumte indes ein, die Landwirtschaft stecke "in einer Krise". In einer Fernsehansprache versprach er Preiskontrollen für Düngemittel und Insektizide. Er glaube daran, dass durch gemeinsame Gespräche eine Lösung für die Krise gefunden werden könne.

Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón hingegen bezeichnete die Demonstranten als "Vandalen und Verbrecher mit finsteren Absichten im Dienst der FARC-Rebellen". Die größte Rebellengruppe Kolumbiens unterstützt die Proteste. Dies könnte auch Auswirkungen haben auf die derzeit laufenden Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC).

nem/wl/kis (afp, rtr, dpa, epd)

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