1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Gewalt überschattet Weihnachtsfeiern in Nahost

Überschattet von der seit Monaten andauernden Gewaltwelle haben arabische Christen und Pilger aus aller Welt in Bethlehem Weihnachten gefeiert.

Ein Junge entzündet in der Geburtskirche in Bethlehem eine Kerze (Foto: dpa)

Ein Junge entzündet in der Geburtskirche in Bethlehem eine Kerze

Wegen der Gewaltwelle in Israel und den Palästinensergebieten bleiben in Bethlehem, nach christlichem Glauben die Geburtsstadt Jesu, in diesem Jahr die Weihnachtstouristen aus. Nach Angaben der Bürgermeisterin Vera Babun sind die Hotels nicht einmal zu 40 Prozent ausgebucht.

Wegen der anhaltenden Gewalt wurden die Sicherheitsmaßnahmen erheblich verschärft. So wurde der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, bei seinem traditionellen Einzug in Bethlehem von israelischem Militär begleitet. Am Weg des Patriarchen und auf dem zentralen Krippenplatz hatten sich deutlich weniger Menschen als in den Vorjahren versammelt. Auf den Dächern rund um den Krippenplatz waren palästinensische Scharfschützen postiert.

Patriarch Twal zieht in Bethlehem ein (Foto: dpa)

Patriarch Twal zieht in Bethlehem ein

"ReIigion als Mordmotiv"

In seiner Predigt in der Mitternachtsmesse in der Katharinenkirche in Bethlehem beklagte Twal die jüngsten Gewalttaten in der Welt. "Wir können mit Trauer sagen, dass wir unsere Menschlichkeit und unsere spirituellen Werte verloren haben", sagte der Patriarch. Religion sei zu einem Motiv des Tötens im Namen Gottes geworden, anstatt zur Brüderlichkeit einzuladen.

Im Anschluss an die Messe legte Twal in der Geburtskirche in einem traditionellen Ritus eine Figur des Jesuskindes auf jene Stelle, an der die Geburt Christi verehrt wird. Auf dem Platz vor der Kirche erloschen die Christbaumlichter als Zeichen der Trauer um die Opfer des Terrorismus minutenlang.

Vier Tote nach Attacken

Auch am Heiligabend ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern mit Toten und Verletzten gekommen. Israelische Sicherheitskräfte erschossen im Westjordanland bei mehreren Zwischenfällen vier Palästinenser, von denen einige zuvor Israelis mit Messern angegriffen hatten. Mehrere Israelis waren dabei verletzt worden. Erst am Mittwoch waren in Jerusalem zwei Palästinenser von Sicherheitskräften getötet worden, die an einem Zugang zur Altstadt auf Passanten eingestochen hatten.

Seit Anfang Oktober kommt es vermehrt zu Übergriffen von Palästinensern auf Israelis. Häufig sind es Messer-Attacken, es kam aber auch zu Angriffen mit Schusswaffen und Israelis wurden mit Autos gerammt. Bislang wurden dabei 20 Israelis und ein US-Bürger getötet. Auf palästinensischer Seite starben mindestens 124 Menschen, 76 von ihnen sollen Attentäter gewesen sein.

Streit um Tempelberg

Als Auslöser der Gewalt gilt neben Enttäuschung über den stockenden Friedensprozess auch ein Streit über den Zugang zum Jerusalemer Tempelberg, auf dem sich wichtige Heiligtümer von Juden, Muslimen und Christen befinden. Die israelische Regierung hat mehrmals Vorwürfe der Palästinenser zurückgewiesen, sie wolle den Status quo auf dem Berg ändern.

wl/jm (dpa, kna, rtr)