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Aktuell Amerika

Gewalt überschattet Friedensgespräche in Kolumbien

Bei schweren Angriffen sind in Kolumbien 19 Soldaten durch FARC-Rebellen getötet worden. Präsident Santos kündigt eine verschärfte Militäroffensive an. Die Friedensgespräche will er aber fortsetzen.

Es waren die ersten Friedensverhandlungen nach über zehn Jahren – und die bislang aussichtsreichsten. Doch der Friedensprozess zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla erfuhr jetzt einen deutlichen Dämpfer: Am Tag der Unabhängigkeit in Kolumbien töteten Rebellen bei zwei Attentaten insgesamt 19 Soldaten. Es ist der schwerste Gewaltakt gegen die Armee seit Beginn der Verhandlungen im November letzten Jahres. Präsident Juan Manuel Santos will bis zum Abschluss der Verhandlungen hart gegen die Rebellen vorgehen.

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Kolumbien: Ende des Konflikts in Sicht? (27.05.2013)

Soldaten in die Falle gelockt

Nach Regierungsangaben lockte die FARC-Guerilla am Samstag Soldaten, die im Norden des Landes eine Pipeline bewachten, in eine Falle. Etwa 70 Rebellen hätten 15 Sicherheitskräfte getötet, sagte Santos bei einem Sicherheitstreffen im Departamento Arauca, wo der tödliche Angriff stattfand. Weitere vier Soldaten seien in der Stadt Doncello im Südstaat Caqueta, einer Hochburg der linksgerichteten FARC, bei schweren Kämpfen umgekommen. Rund 15 Rebellen seien festgenommen, fünf von ihnen verletzt und einige getötet worden, heißt es aus Regierungskreisen.

Santos reagiert auf die Zwischenfälle mit entschiedener Härte. Seine Militäroffensive gegen die FARC-Guerilla werde verschärft, die "gesamte Maschinerie" sei in Stellung, um die FARC zu bekämpfen, sagte er. Vorab hatte Santos vor dem Kongress in Bogota klargestellt, dass es trotz der Gewaltakte eine "reale Chance" auf Frieden gebe.

Erschwerte Verhandlungsbedingungen

Regierung und FARC sprechen seit November vergangenen Jahres in der kubanischen Hauptstadt Havanna über ein Ende des Jahrzehnte andauernden Krieges. Im Mai hatten beide Seiten in der zentralen Frage der Landreform eine Einigung erzielt. Weitere Themen der 6-Punkte umfassenden Agenda sind die politische Beteiligung der FARC, der Drogenhandel, der Verzicht auf den bewaffneten Kampf durch die Rebellen und die Entschädigung der Opfer.

Trotz der Ereignisse vom Wochenende halten beide Seiten an den Verhandlungen fest. Als Zeichen ihres "guten Willens" erklärte die FARC- Guerilla, einen seit Juni festgehaltenen US-Soldaten freilassen zu wollen. Damit sollten die Friedensverhandlungen mit der Regierung vorangetrieben werden, heißt es weiter. Die Friedensgespräche werden planmäßig am 28. Juli fortgesetzt.

Die "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) wurden 1964 im Kampf gegen die Großgrundbesitzer gegründet. Nach amtlichen Angaben wurden in Konflikten mit der Regierung und ultrarechten Paramilitärs bislang 600.000 Menschen getötet und vier Millionen vertrieben. Die FARC-Guerilla wird auf knapp 8000 Kämpfer geschätzt und stellt somit die größte Rebellengruppe des Landes.

da/rb (afp, ap, epd)

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