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Politik

Gewalt überschattet Feiern zur Unabhängigkeit

Trotz zunehmender Kriminalität und schlechter Wirtschaftslage feiert Mexiko den Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien, der am 16. September vor 200 Jahren begann. Doch die Gegenwart lässt die Geschichte verblassen.

Studenten Militär (Foto: AP)

Studenten der Militärakademie zogen bereits am Dienstag in einer Parade durch die Vororte der Hauptstadt

"Es lebe die Jungfrau von Guadalupe! Es lebe Mexiko!" Das soll der Priester Miguel Hidalgo am 16. September 1810 in dem Ort Dolores gerufen haben. Er wurde damit zum Anführer des blutigen Kampfs gegen die Kolonialmacht Spanien. Der katholische Priester wurde 1811 grausam hingerichtet – was ihn zum Märtyrer für die Unabhängigkeit Mexikos werden ließ.

Als "Grito de Dolores" - Aufschrei von Dolores - erinnern die Mexikaner jedes Jahr mit großem Pomp an das historische Ereignis. Auch Präsident Felipe Calderón will den Ruf am frühen Donnerstagmorgen (16.09.2010) anlässlich der 200-Jahr-Feiern auf dem zentralen Zocalo Platz in der Hauptstadt wiederholen. Begleitet werden soll sein Ausruf von acht Tonnen Feuerwerk und 12.000 Polizisten, die für Sicherheit sorgen sollen.

Gigantische Feier

Militärstudenten in Bauernkostümen (Foto: AP)

Tausende Akteure in historischen Kostümen sollen den Aufstand gegen die Kolonialherren nachstellen

Umgerechnet mehr als 30 Millionen Euro lässt sich das Land die Riesenshow kosten. "Es ist die größte Feier dieser Art in Lateinamerika", sagt der australische Organisator Ric Birch, der bereits die Feiern zahlreicher Olympischer Spiele geplant hat.

Über zwei Millionen Zuschauer werden erwartet, darunter Staatschefs und Regierungsmitglieder aus 80 Staaten. Aus Deutschland nehmen sechs Bundeswehrsoldaten an einer Militärparade teil. In einem über zwei Kilometer langen Festumzug wollen 7000 Akteure die Geschichte und Kultur Mexikos darstellen.

Schon seit Anfang des Jahres wird offiziell gejubelt. Denn gefeiert werden auch 100 Jahre mexikanische Revolution, die 1910 begann und 1929 in eine 71 Jahre währende, autoritäre Einparteienregierung überging. Erst im Jahr 2000 wurde die "Partei der Institutionalisierten Revolution" (PRI) abgewählt. Teure Werbespots und Ausstellungen im ganzen Land würdigen die Historie, Taxis und Busse fahren beflaggt. Selbst Käse und Milch werden derzeit nur in Sonderpackungen in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot verkauft.

Trübe Stimmung

Calderon neben mexikansicher Fahne (Foto: dpa)

Sorgen der Gegenwart überlagern die Heldentaten der Vergangenheit: Präsident Felipe Calderon

Doch ausgerechnet am 200. Jahrestag, dem '"Bicentenario", will keine rechte Feierlaune aufkommen. Wegen der angespannten Sicherheitslage sind starke Polizei und Armee-Einheiten im ganzen Land im Einsatz. Die steigende Zahl der Morde und Massaker mit fast 30.000 Toten in dreieinhalb Jahren haben die Bürger verunsichert.

Kadinal Norberto Rivera nannte den Mord an 72 Migranten aus anderen Ländern Ende August im nordöstlichen Tamaulipas ein abscheuliches Verbrechen. Gleichwohl nahm der Gouverneur von Tamaulipas die Annullierung der Feiern in fünf Orten, die aufgrund der grausamen Tat vergangenen Monat zunächst abgesagt worden waren, wieder zurück.

Angst vor Terror

Mehrere Kleinstädte im Bundesstaat San Luis Potosi wollen dagegen auf Feierlichkeiten verzichten. Sie haben Angst vor Terror oder sind der Meinung, es gebe keinen Grund zu feiern. Auch Morelia, die Hauptstadt des westmexikanischen Bundesstaats Michoacán, hat nach einem blutigen Anschlag auf die Feiern vor zwei Jahren erneut die traditionellen Feiern zum Nationalfeiertag gestrichen. Und die Stadt Ciudad Juarez, die an der Grenze zu den USA liegt und die für die Mexikaner als gefährlichste Stadt der Welt gilt, will hinter verschlossenen Türen feiern.

Soldat neben Pick-up-Truck, im Vordergrund Gewehre (Foto: AP)

Seit Jahren versucht das Militär, den Drogen- und Waffenschmuggel im Norden des Landes zu unterbinden

Seit Jahren liefern sich mehrere Drogenkartelle blutige Auseinandersetzungen um lukrative Schmuggelrouten in die USA. Die mexikanische Regierung setzte dagegen mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten ein - mit mäßigem Erfolg.

Die Verherrlichung der mexikanischen Geschichte und ihrer Helden, die die Unabhängigkeit erkämpften, wird durchaus nicht mehr nur unkritisch gesehen. "Die Geschichte Mexikos wurde nicht von Heiligen, aber auch nicht von Dämonen gemacht, sondern von Männern und Frauen mit Tugenden und Schwächen", stellte selbst Staatspräsident Calderón fest, als er vor wenigen Tagen die zentrale Geschichtsausstellung des "Bicentenario" im Nationalpalast eröffnete.

Autorin: Mona Hefni (dpa, kna, afp, epd)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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