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Reise

Gewässer ohne Wasser

Deutschlands Flüsse und Seen leiden derzeit unter Wassermangel. Der Rhein hat in Düsseldorf bereits einen historischen Tiefststand erreicht. Und auch der Edersee in Hessen ist derzeit nicht das, was er sonst ist.

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Der Edersee: Idylle mit Tiefststand

Mit eleganten Schritten schreiten die beiden Bikini-Schönheiten über die Steinplatten zum Wasser. Was auf den ersten Blick wie eine kleine, etwas verwilderte Strandpromenade aussieht, ist der ehemalige Friedhof der Ederseegemeinde Bringhausen bei Waldeck. Mit weiter sinkendem Wasserstand werden mehr und mehr historische Relikte sichtbar, die bei der Flutung des nordhessischen Sees 1914 versanken. Hessens größter Stausee, der gefüllt 202 Millionen Kubikmeter Wasser fasst, führt derzeit nur noch 70 Millionen Kubikmeter - und verliert täglich 1,5 Millionen.

Pegel fällt weiter

"Dass der Wasserpegel in so kurzer Zeit so tief fällt, das ist schon wirklich extrem", sagt Uwe Borges vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden. An einen solchen Wasserabfluss kann er sich kaum erinnern. Und der Pegel fällt weiter. Denn trotz der Trockenheit muss aus dem Edersee nach wie vor Wasser in die Weser geleitet werden, um dort den für die Schifffahrt notwendigen Wasserstand zu garantieren.

"Erst bei 40 Millionen Kubikmeter drosseln wir die Wasserabgabe in die Eder", sagt der Mitarbeiter der Schifffahrtsbehörde. Bei 20 Millionen Kubikmeter sei aber Schluss. "Das ist unsere eiserne Reserve. Bei diesem Stand lassen wir nur noch die Menge abfließen, die in den See vorher hineingeflossen ist." Mit dem Tiefststand an der zweitgrößten Talsperre Deutschlands rechnet Borges im Oktober 2003.

Versunkene Dörfer

Bis dahin werden weitere Überreste der versunkenen Dörfer, Straßen und Brücken auftauchen: Zwei Inseln bei Bringhausen, von denen normalerweise nur die Spitzen zu sehen sind, können jetzt schon zu Fuß erobert werden. Eine Brücke des Dorfes Asel dient Kindern und Jugendlichen als Sprungstelle. Bei einem Wasserstand von 64 Millionen Kubikmeter werden Eisenbahnschienen bei Rehbach sichtbar, alte Stallgebäude unterhalb des Berges von Schloss Waldeck tauchen bei 38 Millionen Kubikmeter auf, weitere drei Millionen Kubikmeter weniger ist die alte Bootshebestelle Seidlitz zu sehen.

Festes Ausflugsziel

Dem Tourismus am 27 Kilometer langen Edersee schadet der niedrige Wasserstand bislang nicht - im Gegenteil. "Die Leute kommen, um zu sehen, was es sonst nicht zu sehen gibt", sagt Hans-Joachim Busch, Mitarbeiter der Edersee-Touristic. Auch die Bewohner von Neuberich bei Bad Arolsen haben in diesen Tagen den Edersee fest als Ausflugsziel eingeplant. Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurde das Dorf Alt-Berich 25 Kilometer Richtung Norden umgesiedelt, um dem See Platz zu machen.

Wenn jetzt langsam die Überreste des ehemaligem Ortes sichtbar werden, beginnen die Neubericher Vereine, Fahrten zum Edersee zu organisieren. Ortsvorsteher Hans Komm: "Damit wollen wir den Kindern und Jugendlichen von Neuberich zeigen, wo die Wurzeln des Dorfes liegen".

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