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Wirtschaft

Getrennter Neustart für Daimler und Chrysler

Der deutsch-amerikanische Automobilkonzern DaimlerChrysler trennt sich von seiner US-Marke Chrysler und gesteht damit das Scheitern der Zusammenarbeit ein. Dem Aktienkurs tut das gut.

Firmenschild Chrysler, Quelle: AP

Chrysler bescherte dem Konzern Milliardenverluste

Als Daimler-Benz und Chrysler vor neun Jahren zusammen gingen, sprach man von einer "Ehe im Himmel". Jetzt ist die Scheidung perfekt, das Unternehmen soll wieder Daimler AG heißen. Der (noch) deutsch-amerikanische Autokonzern verkauft die Mehrheit an der verlustreichen US-Tochter Chrysler an den US-Finanzinvestor Cerberus. Der Kaufpreis beträgt 5,5 Milliarden Euro oder 7,4 Milliarden US-Dollar und fließt größtenteils auf Chrysler-Konten. Daimler behält 19,9 Prozent der Anteile an der US-Sparte, Cerberus übernimmt 80,1 Prozent, hieß es am Montag (14.5.07). 1998 hatte Daimler-Benz für Chrysler rund 36 Milliarden US-Dollar gezahlt.

Neustart für beide

"Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen", sagte Konzernchef Dieter Zetsche. Er sieht nach dem Verkauf der US-Sparte die Gefahr einer Übernahme erst einmal gebannt. Jetzt habe man mehr Kontrolle über das eigene Schicksal als vor einem halben Jahr. Der Aktienkurs von DaimlerChrysler stieg zeitweise um bis zu acht Prozent, jedoch schmolz der Gewinn bis Handelsschluss auf 1,8 Prozent zusammen. Seit Zetsche Mitte Februar einen Verkauf der US-Tochter nicht mehr ausgeschlossen hatte, war die Aktie bereits um mehr als 20 Prozent geklettert. Chrysler hatte im vergangenen Jahr wegen der Absatzschwäche seiner zu durstigen Fahrzeugflotte rund eine Milliarde Euro Verlust gemacht.

Cerberus-Chef John Snow gab sich überzeugt, "dass Cerberus eine gute Heimat für Chrysler sein wird. Cerberus glaubt an die Kraft der verarbeitenden Industrie der USA und an die US-Autoindustrie. Aber am wichtigsten ist: Wir glauben an Chrysler." Cerberus verfolge einen langfristigen Ansatz, sagte Snow weiter. "Wir denken nicht an das nächste Quartal und die Analysten. Unser Kapital ist Geduld."

Gewerkschaft einverstanden

Der DaimlerChrysler-Gesamtbetriebsrat hat keine Einwände gegen den Verkauf. "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßen die Entscheidung des Unternehmens, die Zukunft von Chrysler zügig zu regeln", hieß es in einer Mitteilung. Die Interessenvertretungen in Deutschland und Nordamerika würden ihre Bewertungen eng miteinander abstimmen. Dabei stehe die nachhaltige Sicherung aller Arbeitsplätze im Unternehmen stets im Mittelpunkt.

Ron Gettelfinger, Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW erklärte, die Transaktion mit Cerberus werde den Interessen der UAW-Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am besten gerecht. "Wir sind froh, dass die Entscheidung gefallen ist. Denn nun können sich unsere Mitglieder und das Management wieder voll auf die Entwicklung und Fertigung von Qualitätsprodukten für die Zukunft der Chrysler Group konzentrieren."

"Begrenzter Nutzen"

Die Transaktion soll zum dritten Quartal 2007 abgeschlossen werden. Sie belastet den Gewinn des Mutterkonzerns in diesem Jahr voraussichtlich mit bis zu drei Milliarden Euro. DaimlerChrysler habe nur begrenzten Nutzen aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Chrysler gezogen, sagte Konzernchef Zetsche und kritisierte damit indirekt seinen Vorgänger Jürgen Schrempp. Dieser hatte 1998 angekündigt, DaimlerChrysler werde der profitabelste Autokonzern der Welt werden. (ask/kas)

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