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Wahlkampf

Geteiltes Echo nach dem TV-Duell

Wer machte im TV-Duell die bessere Figur - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) oder ihr Herausforderer Martin Schulz von der SPD? Am Tag danach gehen die Meinungen darüber auseinander.

Am Morgen nach dem Duell zeigten sich CDU/CSU und SPD gleichermaßen zufrieden: Beide Parteien reklamierten den Sieg in dem gut 90-minütigen Schlagabtausch für sich. Die CDU lobte den souveränen, glaubwürdigen und kompetenten Auftritt ihrer Vorsitzenden Angela Merkel, der der Partei Zuversicht für den Wahlkampf-Endspurt gegeben habe. "Wir wissen aber auch: Die Wahl wird nicht in einem TV-Duell entschieden", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder.

Auch die Sozialdemokraten sind zufrieden: Der Auftritt ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz habe der SPD Mut gemacht, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas: "Martin Schulz und der gesamten SPD wird das Duell Rückenwind geben." Schulz sei überzeugend, souverän und leidenschaftlich gewesen, erklärte der SPD-Politiker. In einer Blitzumfrage, die das Institut Infratest dimap unmittelbar nach dem Duell für die ARD gemacht hatte, fanden 55 Prozent der Befragten Merkel überzeugender. Nur 35 Prozent sahen Schulz vorne.

"Viel zu oft im Konjunktiv"

Jenseits von Union und SPD fielen die Bewertungen deutlich kritischer aus. Wo blieb der Angriff? fragten sich viele Beobachter - und meinten damit vor allem den Auftritt des SPD-Herausforderers. Der sei zu vage geblieben und habe die Chance vertan, Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der Reserve zu locken. Schulz "konnte kaum Punkte sammeln, kaum Treffer landen", schreibt der Kommentator der Süddeutschen Zeitung. Er habe sich "viel zu oft im Konjunktiv präsentiert".

Bundesparteitag Die Linke Katja Kipping (Picture-Alliance/dpa/P. Steffen)

Vermisste sozialpolitische Themen: Linken-Chefin Kipping

Das einzige TV-Duell vor der Bundestagswahl sei "wirklich enttäuschend" gewesen, kommentierte Katja Kipping, Parteichefin der Linken, im ARD-Morgenmagazin. Sie habe Themen wie Kinderarmut, Bildung und Klimaschutz vermisst. Das seien aber genau die Themen, die die Wähler beschäftigten. Auch über Flüchtlinge sei "immer nur als Problem" gesprochen worden. Kipping zieht daraus den Schluss, dass "die wirklichen Gewinner" des Duells die Rechtspopulisten seien.

"Szenen einer alten Ehe"

Auch die Grünen empfanden das Gespräch als inhaltlich einseitig: Es sei "ewig um die absurde Ausländermaut" gegangen, monierte Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, aber nicht um so zentrale Zukunftsthemen wie den Klimaschutz. Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte darlegen müssen, wie sie "eines der größten Menschheitsprobleme" lösen wolle, kritisiert der Grüne die Kanzlerin. Insgesamt habe er das Duell als "unentschieden" wahrgenommen, sagte Hofreiter, dessen Partei sich nach der Wahl alle Koalitionsoptionen offen halten will.

Auch die FDP hatte mehr von dem Schlagabtausch erwartet, der von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF sowie von den Privatsendern RTL und Sat.1 übertragen worden war: "Das Duell erinnerte an Szenen einer alten Ehe, in der es mal knirscht, aber beide Seiten wissen, dass man auch künftig miteinander muss", spottete FDP-Chef Christian Lindner. 

Berlin FDP-Chef Christian Lindner (Getty Images/S. Loos)

FDP-Chef Christian Lindner

Kann die SPD noch aufholen?

Nach Ansicht des Politikberaters Michael Spreng konnte Merkel-Herausforderer Schulz bei einigen Themen punkten, etwa bei der PKW-Maut, der Türkei-Politik und der Rente. "Aber diese Punkte waren nicht so stark, dass jetzt die Umfragen in die Höhe schießen", sagte Spreng der Nachrichtenagentur dpa.

Ähnlich sieht es Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Das Duell habe "viele Gemeinsamkeiten, wenig Unterschiede" zwischen beiden Kandidaten zutage gefördert - und sei daher bestimmt nicht der Start für eine Aufholjagd von Martin Schulz gewesen. Während des TV-Duells hatte Merkel wiederholt darauf hingewiesen, dass der Koalitionspartner SPD ihre politischen Entscheidungen überwiegend mitgetragen habe. Der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler hält das Format des TV-Duells generell für überholt. "Die Sendung war leblos und frei von jeder Überraschung." Fast alle wichtigen Zukunftsfragen, vor denen Deutschland stehe, seien ausgeklammert worden.

 

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