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Asien

Geteiltes Echo auf Merkels Afghanistan-Besuch

Nur ein strategisches Manöver oder mehr? Was hat der Überraschungsbesuch von Angela Merkel in Afghanistan gebracht? Was wollte die Kanzlerin damit erreichen? Die Meinungen in der deutschen Presse gehen auseinander.

Angla Merkel bei der Bundeswehr in Kundus (AP)

Bis zur letzten Minute wurde die Reise geheim gehalten. Überraschend landete Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Afghanistan. Ein Besuch, der auch die Kommentatoren der deutschsprachigen Presse beschäftigt. Die Süddeutsche Zeitung meint dazu:


Wenn die Kanzlerin zwei Tage nach dem NATO-Gipfel nach Afghanistan fliegt, dann um klarzumachen, dass sie sich ganz persönlich in diesem Konflikt engagiert - wie auch Barack Obama diesen Krieg schnell zu seinem Thema gemacht hat. Angela Merkel aber fährt zudem als Rechthaberin in das Land. Ihre Botschaft: Die neue NATO-Strategie der vernetzten Sicherheit - also die Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Helfern - funktionioniert im Norden längst, deshalb wird sich Deutschlands Aufgabengebiet nicht ändern.


Damit macht Merkel es sich allerdings zu einfach - und trägt außerdem zu einem verzerrten Gesamtbild bei, kritisiert die SZ weiter:


Sie verweigert die Diskussion über die Situation im ganzen Land, als ob der afghanische Norden so weitermachen könnte, wenn der Süden unter dem Druck der Taliban zusammenbräche. Das zeugt von Angst - weniger vor den afghanischen Gefahren als vor der Unkalkulierbarkeit des Bundestages und des Wählers. Niemand zwingt die Bundesregierung in den Süden des Landes. Aber das entlastet nicht von der Verantwortung für ganz Afghanistan.


Die Frankfurter Rundschau spricht von der "doppelten Kanzlerin" und kommentiert:


Die Reise in die umkämpfte Region am Hindukusch ist nicht nur ein politisches Signal an US-Präsident Barack Obama, der zuvor ein stärkeres Engagement der Alliierten gefordert hatte. Mit ihrem Auftritt in kugelsicherer Weste setzt Angela Merkel auch einen Kontrapunkt zu den Glamourbildern aus Baden-Baden, die angesichts der realen Krisen in der Welt etwas entrückt wirkten.


Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung interpretiert Merkels Überraschungsbesuch in Afghanistan als symbolische Geste - und meint, damit allein sei es nicht getan:


Die 600 Soldaten, die Berlin in diesem Sommer zusätzlich entsenden will, um die Wahlen abzusichern, sind ein positiver Schritt. Doch ausreichend ist dieser Schritt ebenso wenig wie die Hoffnung, die Bundesregierung könne ihrer Mitverantwortung gerecht werden, wenn sie nun das Scheckbuch zückt und zusätzliche Aufbauarbeit mitfinanziert. Wer mit seinem Engagement dazu beitragen will, ein halbwegs stabiles Afghanistan aufzubauen, ein Land, das selbst mit seinen Problemen fertig werden kann, der muss auch den politischen Willen zeigen, der dazu nötig ist.


Und kritisch sieht es auch die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post, die von "Merkels Manöver" schreibt:


Die deutschen Soldaten, aber auch die von Anschlägen der Aufständischen ermüdete afghanische Bevölkerung, haben ein Anrecht darauf, dass die stärkste europäische Wirtschaft nicht nur symbolische Bilder einer Regierungschefin im Tarnanzug liefert, sondern auch Strategien für die Zukunft. US-Präsident Barack Obama hat deutlich gemacht, dass er sich an einem Erfolg oder Misserfolg der Befriedung Afghanistans messen lassen will. Die Kanzlerin verweigert dagegen bislang sogar eine noch so vage Bereitschaft zur Aufstockung der deutschen Kräfte. Lange hält sie das nicht durch.

Autorin: Esther Broders / Redaktion: Mathias Bölinger