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Fokus Südosteuropa

Geteilte Meinungen in Belgrad und Sarajevo

Der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher Europas ist gefasst. Serbiens Präsident lobt die Leistung der Geheimdienste, Bosnien indes wirft der Belgrader Regierung vor, Mladics Aufenthaltsort längst gekannt zu haben.

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Ratko Mladic vor einem Mikro 1995 (Foto: AP)

Unterschiedliche Reaktionen auf Mladics Festnahme

Serbien habe mit der Festnahme von Ex-General Ratko Mladic seine moralische Glaubwürdigkeit im Ausland auf ein höheres Niveau gehoben, sagte der serbische Präsident Tadic am Donnerstag (26.5.). Serbien schließe damit ein Kapitel seiner Geschichte und befreie sich von einer schweren Last. Als Gegenleistung für die Verhaftung von Mladic erwartet Serbien jetzt einen zügigen EU-Beitritt. "Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen", sagte Präsident Tadic. Die Verhaftung von Mladic mache auch den Weg frei für die Versöhnung auf der ganzen Balkanhalbinsel, sagte Tadic.

Die Operation hätten der serbische Geheimdienst BIA und der Dienst zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durchgeführt, so Tadic weiter. Der serbische Sender B92 hatte berichtet, dass im Dorf Lazarevo bei Zrenjanin eine Person namens Milorad Komadic festgenommen worden sei, die auffällig viele biographische Details mit dem gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher aufweise. Die Festnahme habe gegen 5 Uhr 30 Ortszeit stattgefunden. Dabei habe sich Mladic nicht gewehrt, er sei sogar kooperativ gewesen, berichtet B92.

"Serbien wusste über Mladics Aufenthalt Bescheid"

Zeljko Komsic, Mitglied des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina (Foto: DW)

Komsic übt harsche Kritik an Belgrad

Zeljko Komsic, Mitglied des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina, erklärte in einer Pressemitteilung: "Ich bin sehr glücklich, dass Ratko Mladic endlich gefasst wurde und er bald auf der Anklagebank sitzen wird." Er müsse sich jetzt für alle Grausamkeiten, die auf dem Territorium von Bosnien und Herzegowina geschehen seien und vor allem für den Völkermord in Srebrenica verantworten. Die Festnahme bestätige, dass die serbische Regierung immer schon gewusst habe, wo sich Ratko Mladic befand. "So wie sie auch wusste, wo Radovan Karadzic war. Es ist offensichtlich, dass diese beiden Personen für Serbien nur als ein Ass im Ärmel in den Verhandlungen mit der Europäischen Union fungierten. Erst als die EU auf Serbien mehr Druck ausgeübt und die Festnahme entschlossen als Bedingung für eine weitere Annäherung festgelegt hat, ist es auch dazu gekommen", so Komsic.


Serbische Öffentlichkeit gespalten

Sympatisanten von den mutmaßlichen Kriegsverbrechern Radovan Karadzic und Ratko Mladic in Belgrad (Foto: AP)

Heldenstatus für mutmaßliche Kriegsverbrecher Karadzic (li.) und Mladic

"Die Regierung in Serbien versucht, die ganze Sache jetzt pragmatisch und nicht moralisch zu betrachten. Es wäre falsch, jetzt nur darüber zu sprechen, dass die Festnahme eine Erleichterung für unsere EU-Integration ist. Man sollte darüber sprechen, dass dieser Mann, der wegen der grausamsten Kriegsverbrechen am Ausgang des 20. Jahrhunderts angeklagt ist, jetzt verurteilt werden muss. Serbien soll zeigen, dass es verstanden hat, dass man Verbrechen nicht mehr geschehen dürfen", sagt Miljenko Dereta, Direktor des serbischen Forschungsinstituts Gradjanska Iniciatijativa.


Mladic wird unter anderem vorgeworfen, 1995 während des Bosnienkrieges für das Massaker an schätzungsweise 8.000 Muslimen in der bosnischen Stadt Srebrenica verantwortlich zu sein. In Serbien wird er jedoch von vielen als Kriegsheld gesehen. 51 Prozent meinen, dass Ratko Mladic nicht an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert werden soll. Dies steht in einer Studie des serbischen Nationalrates für die Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal von Mitte Mai. Für 40 Prozent der Serben ist Mladic der Studie zufolge noch immer ein Held.

Und wer bekommt das Kopfgeld?

Auf Druck aus Brüssel hat die serbische Regierung im vergangenen Jahr das Kopfgeld für Mladic auf zehn Millionen Euro erhöht. Seitdem habe es mehr Hinweise gegeben als zuvor, berichtet B92 unter Berufung auf ein Interview, das Jovan Stojic, Mitarbeiter des serbischen Geheimdienstes, dem Sender Radio Free Europe gegeben hat. Noch ist es unklar, wer den Hinweis gegeben hat: Es könnte jemand aus dem Kreis von Mladic sein oder eine Person aus dem Dorf, die Mladic erkannt hat. Es könnte aber auch das Resultat einer "professionellen Fahndung" sein, so B92.

Autorin: Rayna Breuer
Redaktion: Mirjana Dikic