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Wirtschaft

Geteilte Meinung über Facebook-Börsengang

Facebook wird zum Schwergewicht an der Technologiebörse Nasdaq. Seit Monaten haben Investoren dem historischen Börsengang entgegen gefiebert. Doch so euphorisch die einen, so skeptisch die anderen.

Flaggen der USA und mit Facebook-Logo (Foto: Reuters)

Symbolbild Facebook USA Börsengang

Erst vor wenigen Tagen hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Geburtstag. Mit nun also jungen 28 Jahren schreibt er an diesem Freitag Geschichte und führt das soziale Netzwerk an die Börse. Vor gerade mal acht Jahren gegründet, zählt Facebook heute zu den zehn bekanntesten Marken der Welt und steht in einer Reihe mit McDonalds oder Coca Cola - letzteres Unternehmen ist immerhin 100 Jahre alt.

Einer der größten Börsengänge überhaupt

Und die Erwartungen sind hoch: Der Börsengang könnte bis zu 16 Milliarden Dollar einspielen. "Facebook kann alles schaffen. Die Investmentgemeinde kennt die gigantischen Nutzerzahlen und Wachstumschancen", sagt Wall Street-Händler Louis Sulsenti. Das werde einer der größten Börsengänge aller Zeiten. Zum Vergleich: Der bisher größte Börsengang von Google hatte 2004 knapp 1,7 Millarden gebracht.

Aber der Facebook-Börsengang spaltet die Gemüter innerhalb der Finanzindustrie. 900 Millionen Menschen nutzen Facebook weltweit, das ist drei Mal die Bevölkerung der USA. 900 Millionen Mal personenspezifische Daten über Interessen, Vorlieben und Lebenswandel - allzeit aktuell und Geld wert: Über drei Millarden Dollar konnte das Netzwerk im vergangenen Jahr bereits über Werbung einnehmen.

Facebook auf einem iPad (Foto: picture alliance/dpa)

Facebook muss mobiler werden, sonst ist der Erfolg fraglich

Knackpunkt mobile Nutzung

Die Zukunft des Internetgeschäfts liegt Analysten zufolge jedoch im Bereich der mobilen Nutzung über das Handy oder andere Geräte - hier fehle Facebook das Geschäftsmodell. Allein im März haben die Nutzer das Netzwerk 100 Minuten länger über ihr Handy genutzt als über ihren Computer. "Die höhere Nutzung über mobile Geräte vermindert die Profitabilität der eigentlichen Webseite, da nur dort Werbung geschaltet ist", sagt IT-Analyst Scott Kessler von Standard & Poor's. Für die Zukunft brauche es ein Konzept bei dem auch die mobilen Nutzer Geld bringen.

Trotz der hohen Nutzerzahl sinkt seit geraumer Zeit die Aktivität dieser Nutzer. Analysten nennen den Trend Sharing Fatigue, die Müdigkeit immer alles mit dem gesamten Netzwerk teilen zu wollen. Im Vorfeld des Börsenganges hat nahezu jeder IT-Experte eine Idee für den langfristigen Erfolg: Facebook müsse flexibler werden, zum Beispiel als Mulitmedia-Company operieren, Spiele, Videos und Filme weiter integrieren oder auch auf Telekommunikation setzen. "Nutzer zahlen zu lassen für bestimmte Zugriffe und Dienstleistungen ist wahrscheinlich nicht das, was die Facebook-Führung will", meint Scott Kessler. Aber es wäre eine Möglichkeit. Er glaubt, Zuckerberg und Co werden sich erstmal auf den Ausbau von Werbung und die Bezahlspiele konzentrieren.

Chinas Markt verschlossen

Auch sorgt sich die Investoren-Gemeinde, dass Facebook langfristig nicht ohne Zugang zum chinesischen Markt wachsen könne. Mit 500 Millionen Online-Nutzern ist das Land der Mitte der größte Markt für Internet-Firmen. "Es gäbe wahrscheinlich eine Menge chinesische Firmen, die mit Facebook eine Partnerschaft eingehen würden", meint IT-Analyst Kessler. In der kurzen Frist gehe es sehr wohl ohne China, langfristig fehle jedoch ein großer Markt: "Das sollte man nicht unterschätzen."

Alle Macht dem Chef

Mark Zuckerberg widmet im 30-minütigen Werbefilm zur Roadshow seinen Zukunftsvisionen gerade mal vier Minuten: Facebook soll das Dreh- und Angelkreuz von mobilen Anwendungen und sozialer Software werden. Der dickköpfige CEO selbst gilt als kritischer Faktor: Er wird mit über 57 Prozent so viel Stimmrecht und damit Entscheidungsmacht innehaben wie kein anderer Chef einer börsennotierten Firma. "Er ist es, der Facebook kontrolliert und er scheint jemand zu sein, der Entscheidungen nicht gerne abstimmt", sagt Kessler. "Womöglich wird er Dinge umsetzen, die den Anteilseignern nicht gefallen". Nicht zuletzt sei bekannt, dass es der Facebook-Führung primär um die Nutzer und Nutzerbindung gehe und nicht um kurzfristigen finanziellen Erfolg. Jüngstes Beispiel: Zuckerbergs Entschluss, eine Milliarde Dollar für die Foto-App Instagram auszugeben, stieß in weiten Teilen der Finanzbranche auf Unverständnis.

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