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Amerika

Gesundheitsnotstand in Argentinien

Während die WHO in Cancún zum Gipfel über die Schweinegrippe zusammenkam, haben sich in Südamerika die Nachrichten über eine neue Verbreitungswelle des A/H1N1-Virus überschlagen. Besonders Argentinien ist betroffen.

Mexikanischer Polizist mit Gesichtsmaske (Foto: AP)

"Barbijas" und auffällig leere U-Bahnen in Buenos Aires

Diskos, Restaurants und Hochschulen werden teilweise geschlossen, einige Sportturniere abgesagt und man sieht immer mehr Menschen mit "barbija", Mundschutz, auf den Straßen: "Hier ist die Panik ausgebrochen, die Schweinegrippe hat das öffentliche Leben lahm gelegt", sagt ein 26-jähriger argentinischer Student. Auch seine Universität bleibt in der nächsten Woche geschlossen, die Regierung hat wegen der Krankheit die nationalen Winterferien vorverlegt - nur eine Maßnahme, seit die argentinischen Behörden letzte Woche den Gesundheitsnotstand für weite Teile des Landes ausgerufen haben.

Denn im feucht-kalten Winter auf der Südhalbkugel greift das Virus derzeit besonders schnell um sich. Zudem trete es in einer anderen Form auf als etwa in Mexiko, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Knapp 3000 Schweinegrippe-Infektionen wurden offiziell durch Labortests bestätigt, 62 Menschen sind inzwischen an der Krankheit gestorben. Damit ist Argentinien nach Mexiko das lateinamerikanische Land mit den meisten Todesfällen. In Mexiko nahm die Schweinegrippe-Pandemie im April ihren Anfang. Dort sind etwa 120 Menschen gestorben und mehr als 10.000 erkrankt. Weltweit sind 80.000 Menschen infiziert, so die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation.

Widersprüche und Vorwürfe

Reisender in einer fast leeren U-Bahn in Mexiko (Foto: AP)

In der Kritik - Kirchner und ihr neuer Gesundheits-minister Juan Luis Manzur

Für Verwirrung sorgen deshalb auch die neusten Äußerungen des argentinischen Gesundheitsministers Juan Luis Manzur. Nachdem Kritik an den Regierungszahlen laut geworden waren und Gerüchte um eine weitaus höhere Dunkelziffer die Runde machten, hieß es aus dem Gesundheitsminiterium plötzlich, es könne bis zu 100.000 mögliche Infizierte geben - das allerdings wären deutlich mehr, als die global geschätzte Krankheitszahl.

"Das Problem ist, dass die Zuständigen keinen Pandemie-Plan haben", sagte Jorge Yabkowski, Präsident der Gewerkschaft der Beschäftigten im Gesundheitswesen gegenüber der Nachrichtenagentur Efe. Information über Krankheitsfälle würden zurückgehalten oder falsch kommuniziert.

Erst nach Parlamentswahlen ein Thema

Die Regierung habe die Krankheit vor den Parlamentswahlen vom vergangenen Wochenende klein geredet und viel zu spät gehandelt. Gesundheitsministerin Graciela Ocaña hatte der Regierung Cristina Fernandez de Kirchner schon zwei Wochen vor der Abstimmung dazu geraten, den Gesundheitsnotstand auszurufen. Einen Tag nach der Wahlschlappe der Kirchner-Fraktion trat sie dann zurück: ein "politisches Scharmützel auf Kosten von Menschenleben", nannte dies Federico Paulino, Vorsitzender des argentinischen Ärzteverbandes. „Graciela Ocaña hat auf Basis der Krankheitsfälle agiert, die von den Laboren bestätigt wurden“, verteidigte der neue Gesundheitsminister Juan Manzur die Entscheidung seiner Vorgängerin. Höhepunkt der Anschuldigungen war die Klage eines Rechtsanwaltes gegen Cristina Fernandez de Kirchner und ihren Ehemann, durch die Vorverlegung der Parlamentswahlen Mitschuld an der raschen Ausbreitung der Krankheit zu tragen.

Tamiflu-Tabletten (AP)

Reichen die Vorräte an Medikamenten?

Die Verantwortlichen stritten nur unter sich, statt zu handeln, kritisieren Infektologen im Land. Es gebe zu wenig Medikamente für die Infizierten, so Jorge Yabkowski. Zudem wären die Krankenhäuser bereits überbelegt und es fehle an Personal, so Tomás Orduna vom Tropeninstitut der Klinik Muñiz. Nun hat die Regierung angekündigt, 300.000 Dosen Tamiflu bereitzustellen und im Laufe der Woche 500.000 weitere folgen zu lassen.

Argentiniens Nachbarländer sind alarmbereit

Schwer betroffen von der Schweinegrippe ist auch Chile. Dort gibt es laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation mit 8000 Krankheitsfällen momentan die höchste Zahl an Infizierten - dabei allerdings weit weniger Todesfälle als im Nachbarland. 16 Menschen habe die Grippe in Chile bisher das Leben gekostet. Auch Peru meldet zwei Todesopfer der Schweinegrippe.

Die Behörden der Nachbarländer sind in Alarmbereitschaft: Brasilien rät seinen Bürgern inzwischen von Reisen nach Argentinien und Chile ab und ordnet schärfere Kontrollen an den Flughäfen an, um Erkrankte möglichst schon bei der Einreise abzufangen. Die Zahl der Neuinfektionen in Brasilien ist in den vergangenen Tagen dennoch rapide auf 800 angestiegen. Bolivien erwägt, die Grenzen zum Nachbarland Argentinien vorübergehend zu schließen. In Ecuador beobachtet das Gesundheitsministerium mit Sorge, dass die Krankheit nun in einem ärmeren und bevölkerungsreichen Vorort des Wirtschaftszentrums Guayaquil angekommen ist. Dort, wo sich häufig viele Familienmitglieder wenige Zimmer teilen, seinen Quarantänemaßnahmen schwierig, befürchten die Behörden.

Autorin: Regina Menning

Redaktion: Anne Herrberg

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