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Welt

Gesunde Ministerin für gesundes Klima

Deutschland gibt 50 Millionen Euro an Länder, die unter den Folgen des Klimawandels leiden. Dafür erntete die wieder genesene Umweltministerin sogar Lob von langjährigen Kritikern, berichtet Jens Thurau aus Lima.

Da ist sie also wieder. Offensichtlich gut erholt tritt Umweltministerin Barbara Hendricks vor die Klimakonferenz in Perus Hauptstadt Lima. Zwei Tage zuvor hatte die SPD-Politikerin auf der Konferenz einen Schwächeanfall erlitten. Kein Wunder eigentlich, wenn man die Bedingungen auf der COP ("Conference of the Parties") bedenkt, die im Militärhauptquartier Perus in improvisierten Riesenzelten stattfindet. Ein Sprecher der Ministerin sagt: "Der lange Flug, 16 Stunden aus Deutschland, direkt danach hektische Gespräche in stickigen Zelten bei 30 Grad Außentemperatur waren zu viel für die Ministerin. Sie musste sich in ärztliche Behandlung begeben und im Hotel bleiben."

Lob für Deutschland

Aber jetzt steht Hendricks am Rednerpult und verkündet: Deutschland legt noch einmal Geld auf den Tisch, 50 Millionen Euro für den Anpassungsfonds. Einen Topf, den es schon lange gibt und aus dem sich Entwicklungsländer bedienen können, um die Folgen des Klimawandels zu meistern.

Diesmal, sagt Hendricks, soll das Geld vor allem für Ernteausfälle durch Dürren oder Starkregen genutzt werden. Schon vor der Konferenz war die deutsche Regierung treibende Kraft beim neuen Grünen Klimafonds, der bereits über 10 Milliarden Dollar umfasst und ebenfalls für die ganz armen Länder gedacht ist. Das alles bringt Deutschland in Lima ein Sonderlob von den Umweltgruppen ein, die ansonsten auf den Klimatreffen zumeist hart mit den Politikern ins Gericht gehen. Deutschland bekommt von der Umweltgruppe Oxfam den "Ray-of-the-Day-Award", den "Lichtblick-des-Tages-Preis". Und WWF-Klimaexpertin Regine Günther ergänzt: "Die Ankündigung kommt zur rechten Zeit, denn die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels sind auch finanziell eine gigantische Herausforderung, wie Bilder des Philippinen-Taifuns am vergangenen Wochenende erneut gezeigt haben."

Welt ohne Emissionen bis 2100?

Hendricks nutzt die gute Stimmung den Deutschen gegenüber für ein paar klare Worte. "Wir brauchen ein rechtlich verbindliches Abkommen. Die Staaten werden sich nur auf Vereinbarungen einlassen, wenn sie sicher sein können, dass alle Länder zu ihren Verpflichtungen stehen", sagt sie. Das geht an die Adresse der USA und Chinas, die jetzt, nach jahrelangen Blockaden, auch für einen neuen Klimavertrag eintreten, der nächstes Jahr in Paris beschlossen werden soll. Aber noch ist unklar, wie verbindlich dieses Abkommen sein wird. So zögern Washington und Peking, ihre neuen Klimaversprechen auch international überprüfen zu lassen. Darauf besteht aber die EU - und ganz besonders Deutschland. "Das neue Abkommen muss Verpflichtungen von uns allen enthalten. Und uns in die Lage versetzen, in die gleiche Richtung zu gehen: Hin zu einer Form des Wirtschaftens und der Lebensweisen, die die ökologischen Grenzen des Planeten endlich respektieren", wünscht sich die Ministerin. Spätestens 2100 müsse die Welt ganz ohne Emissionen auskommen.

Und dann stürzt sich die genesene Ministerin wieder in die Verhandlungen, die offiziell noch bis Freitag, wahrscheinlich aber bis zum frühen Samstagmorgen andauern. Da gibt es noch viel zu tun: Im Frühjahr sollen die Staaten ihre Ziele benennen, die sie in den neuen Klimavertrag einbringen wollen. Aber was sind das für Ziele? Einige Länder, darunter die der EU, bestehen darauf, dass möglichst alle Länder Ziele zur Minderung von Treibhausgasen benennen. Andere (China, Indien) wollen, dass etwa der Ausbau von Wind- oder Sonnenenergie oder Finanzzusagen ebenfalls als Klimaziele gelten. Noch gehen die Meinungen da weit auseinander. Und die Zeit drängt. Wie eigentlich immer auf Klimakonferenzen.