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Sprachbar

Gesucht: mein Gegenteil!

Manche Wörter im Deutschen haben es gut: Sie haben ein logisches Gegenstück. Schlechter steht es da mit Wörtern, die entweder keins haben oder eins, das ganz anders lautet als erwartet. Oh, unlogische deutsche Sprache!

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Gesucht: mein Gegenteil! – die Folge als MP3

Wenn etwas eingeschaltet werden kann, muss man es normalerweise auch wieder ausschalten können. An Geräten aller Art, ob Kaffeemaschine, Staubsauger oder Mobiltelefon, ist er da: der „EIN/AUS“-Schalter. Die Form des Schalters variiert, die Funktion nicht. Es kann beispielsweise ein Knopf oder auch eine Taste sein – zum Drücken, genauer gesagt zum Eindrücken. Denn, um ganz spitzfindig zu sein: drücken allein genügt nicht. Es muss schon ein fester Kontakt geschaffen werden, der natürlich zeitlich befristet ist.

Ausschalten, aber nicht ausdrücken

Symbolbild Lichtschalter

Klare Sache: ein- und ausschalten

Denn wenn der eingedrückte Schalter noch mal gedrückt wird, ist das Gerät ausgeschaltet. Ja, ausgeschaltet, nicht ausgedrückt. Moment mal! Wieso sagen wir in diesem Zusammenhang nicht „ausgedrückt“?

„Eindrücken“ für „einschalten“ und „ausdrücken“ für „ausschalten“. Wäre doch einleuchtend! Aber gut, wir wissen, die deutsche Sprache ist nicht logisch, sie ist vielmehr kompliziert und voller zum Teil höchst merkwürdiger Besonderheiten, die keiner richtig erklären kann.

Gegenteile, aber keine Fürteile

Niemand wird bestreiten, dass das Wort „für“ in klarem Gegensatz zum Wort „gegen“ steht. Im Allgemeinen wenigstens. Weshalb gibt es nun ausgerechnet für das Wort Gegenteil keine Entsprechung, die Fürteil heißt? Der Computer unterstreicht das Wort „Fürteil“ auf der Stelle mit einer roten Linie, das heißt er kennt es gar nicht.

Apropos Computer: Während und vor allem nach der Arbeit am Rechner sollten wir tunlichst – umgangssprachlich gesprochen – abspeichern. Wieso nicht aufspeichern? Schließlich packen wir ja auf die Festplatte etwas drauf, wir füttern sie quasi mit Daten.

Einkaufen und auskaufen

Symbolbild: eine Frau am mit Einkaufskorb steht an einem Obst- und Gemüsestand

Einkaufen und …?

„Ein“ und „Aus“ funktionieren auf den ersten Blick und ohne Weiteres als Gegensatzpaar, wenn es – das Pärchen – adverbial gebraucht wird. Dazu gehören beispielsweise ein- und ausschalten, ein- und ausparken, ein- und auspacken, ein- und aussteigen, ein- und auslaufen. Nur, nicht bei allen Verben funktioniert das so leicht.

So gesehen wäre das Gegenteil von einkaufen auskaufen. Ist es aber nicht, zumindest in der Hochsprache nicht. Zwar gibt es das Wort „auskaufen“, es bedeutet aber, dass jemand Geld bekommt, um seinen Posten zu räumen. Nur, das lässt sich nicht als Gegenteil von „einkaufen“ verkaufen. In diesem Fall ist die Umgangssprache mal logisch. Hier kann jemand so viel einkaufen, dass er ein Geschäft „auskauft“ bis es komplett leergekauft ist.

Ausflippen, aber nicht einflippen

Es ist eine vertrackte Sache mit diesen Gegensatzpaaren. Wenn eine oder einer ausflippt, werden sie oder er sich auch irgendwann wieder einkriegen, sich beruhigen. Aber einflippen wird man das nicht nennen können. Nun könnte man einwenden, dass „ausflippen“ die Eindeutschung des englischen Begriffs „to flip out“ sei, und das sei ja nun ganz was anderes, schließlich gäbe es auch kein „to flip in“.

Das mag sein. Eine deutsche Entsprechung für „to flip out“ jedenfalls ist unter anderen „ausrasten“. Logischerweise müsste das Gegenteil hier einrasten sein. Nur rastet jemand, der sich vorher aufgeregt hat und ausgerastet ist, nicht wieder ein, wenn er sich beruhigt. Obwohl es interessanterweise im Deutschen „ein- und ausrasten“ als Gegensatzpaar gibt. Jeder Mechaniker wird gerne erklären, was es damit auf sich hat. Apropos Mechaniker: Den Feinmechaniker kennen wir, aber gibt es auch den Grobmechaniker?

Feinwäsche, aber keine Grobwäsche

Eine Frauenhand dreht einen Schalter an der Waschmaschine

Das Gegenteil von Feinwäsche wäre Kochwäsche

Ja, es gibt ihn! Als Grobmechaniker werden Schwerarbeiter bezeichnet, die im Industrieanlagenbau beschäftigt sind. Was gibt es denn außer im Bereich der Mechanik und Industrie alles an Feinem und Grobem? Zum Beispiel die feine und die grobe Leberwurst. In der Fischerei haben wir feinmaschige und grobmaschige Netze. In der Waschmaschine dreht sich die Feinwäsche und… Nein: Grobwäsche gibt es nicht!

Und was ist mit dem Feinschmecker? Hat der am anderen Ende des Tisches etwa den Grobschmecker sitzen, der keinen Sinn für besonders ausgewähltes, leckeres Essen hat, sondern sich viel auf den Teller häuft, ohne es wirklich genießen zu können? Mitnichten! Auch hier herrscht sprachlich wieder pure Unlogik.

Vielfraße, aber keine Wenigfraße

Das Vorurteil, Feinschmecker verspeisten eher kleine Portionen, die Nichtfeinschmecker grundsätzlich große, hat sich lange gehalten. Nur, viele Feinschmecker sind von so beeindruckender Leibesfülle, dass man sie durchaus auch der Gattung Vielfraß zurechnen könnte, also den „Grobschmeckern“, wenn es das Wort denn gäbe.

Hingegen sind schlanke Menschen, egal, ob sie Fein- oder Nichtfeinschmecker sind, keineswegs zwangsläufig Wenigfraße. Nicht weil es das Wort zumindest im Sprachgebrauch nicht gibt, sondern weil es beneidenswerterweise Menschen gibt, die ungeheuer viel und durchaus Köstliches in aller Vielfalt zu sich nehmen, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen.

Ausnahmsweise sprachlich logisch

Ja, ab- und zunehmen, das ist für die meisten Menschen aber ein Gegensatzpaar der Extraklasse, ausnahmsweise sprachlich und inhaltlich logisch und damit unerbittlich. Wer mit verdrossener Miene allmorgendlich die Anzeige der Waage anstarrt, weiß, was gemeint ist.






Arbeitsauftrag
Finde zehn Verben, die logisch zusammengehören, wie beispielsweise einlaufen und auslaufen und fünf Wörter, die ein logisches Pendant haben müssten, das es entweder nicht gibt – wie Fürteil und Gegenteil –, oder in der Bedeutung nicht gibt – wie einrasten und ausrasten. Bilde anschließend jeweils einen passenden Satz, der aus Haupt- und Nebensatz besteht und beide Wörter enthält.

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