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Welt

Gesucht: James Foleys Mörder

Der Täter ist komplett vermummt, auf dem Internet-Video sind nur seine Augen zu erkennen. Trotzdem haben Ermittler viele Möglichkeiten, dem Mörder des Journalisten James Foley auf die Spur zu kommen.

Für einige britische Zeitungen steht der Mörder von James Foley schon fest: Ein ehemaliger britischer Rapper ägyptischer Herkunft soll den US-Journalisten in Syrien getötet haben. Der Hip-Hop-Sänger hat sich offenbar radikalisiert, ist nach Syrien gegangen und hat vor mehreren Monaten bereits ein Bild auf Twitter gepostet, das ihn mit dem abgetrennten Kopf eines Menschen zeigt. Offizielle Stellen haben den Verdacht noch nicht bestätigt, aber auch der britische Botschafter in den USA, Peter Westmacott, sagte dem Sender CNN, er gehe davon aus, dass die Ermittler schon bald den Namen des Täters nennen können.

Verräterischer Akzent

Obwohl der Täter auf dem Enthauptungsvideo, das ins Internet gestellt wurde, komplett vermummt ist, gibt es zahlreiche Ansatzpunkte für die Fahnder. Zentraler Ansatzpunkt ist hier, dass in dem Video die Stimme des Mörders zu hören ist. Mit unverkennbar britischem Akzent trägt er islamistische Propaganda vor.

John O'Regan, Linguist am Institute of Education der Universität London, kann die mutmaßliche Herkunft des Mannes sogar noch genauer eingrenzen. Zu hören sei ein multikulturelles Londoner Englisch. Der Mann auf dem Video bemühe sich, formal und vornehm zu sprechen, zitiert die Agentur AP den Linguisten. Der Täter achte zum Beispiel sehr darauf, die Buchstaben P und Q exakt auszusprechen.

James Foley - Foto: dpa

Journalist Foley: Ermordet von einem Ex-Rapper aus London?

Die Stimme verrät aber noch mehr: "Jeder hat bei der Lautbildung bestimmte Merkmale aufgrund seines Kiefers", sagt der ARD-Terrorismus-Experte Paul Elmar Jöris. "Diese Merkmale lassen sich nicht verändern, entsprechende Geräte können sie grafisch darstellen." Wenn man diese Muster hat, könne man mit dem Abgleich von bereits gesammelten Stimmproben beginnen.

Akustische Gegenüberstellung

Geheimdienste wie das FBI oder der britische Secret Service - die den Foley-Fall untersuchen - könnten auf andere Online-Videos oder mitgeschnittene Telefongespräche zurückgreifen, um den Kreis der Verdächtigen einzuengen. Auch das Bundeskriminalamt und Interpol haben Experten, die sich auf Sprecher-Erkennung spezialisiert haben.

Schließlich würden noch Zeugen aus dem Umfeld des Verdächtigen befragt, erläutert Jöris die Fahndungsmethode. "Man macht eine 'akustische Gegenüberstellung', damit man forensisch sicher sagen kann: 'Ja, das ist unser Mann'." Britische Medien berichten, frühere Geiseln der radikalen Islamisten hätten die Stimme erkannt. Sie passe zu einem ihrer Bewacher, auch sie vermuten einen britischen Ursprung.

Detaillierte Bildauswertung

Aber nicht nur die Stimme gibt Aufschluss über die mögliche Identität des Täters. Seine Augen blicken durch einen schmalen Sehschlitz in die Kamera. "Man kann genau vermessen, wie groß der Augenabstand ist", meint Experte Jöris. Wenn eine bestimmte Anzahl von unveränderbaren Merkmalen erfüllt sei, dann könne man einen Menschen auch so identifizieren.

Paul Elmar Jöris - Foto: WDR

Terrorismus-Experte Jöris: "Diese Merkmale lassen sich nicht verändern"

Die Ermittler nutzen dabei alles, was sie trotz Vermummung haben: Körpergröße, Statur, selbst den Verlauf der Adern auf dem sichtbaren Handrücken des Mannes. Wichtig ist hier, dass die Fahnder Vergleichsfotos haben, die sie heranziehen können.

Aber das ist in Zeiten Sozialer Netzwerke offenbar das geringste Problem. Die meist noch jungen Kämpfer des "Islamischen Staates" haben häufig Facebook- oder Twitter-Accounts. Viele posten selbst aus dem Kriegsgebiet noch weiter und prahlen mit ihren Verbrechen. Peter Neumann vom King's College in London glaubt, dass die jungen Täter nicht anders könnten. "Sie sind zu sehr verwurzelt mit der Online-Kultur", sagt der Radikalisierungs-Experte. Die Angewohnheit, Bilder zu posten, könnten viele nicht ablegen.

Spuren im Netz

Selbst wer bei Sozialen Netzwerken nicht seinen echten Namen angegeben hat, verrät dort viel über seine Herkunft und seinen Freundeskreis. Auch islamistische Extremisten, die Menschen köpfen, würden online über ihren Lieblings-Fußballklub sprechen, meint Neumann. So ließe sich schnell viel Material über die Verdächtigen sammeln.

Das Internet spielt noch eine andere wichtige Rolle bei der Verfolgung von Tätern: IT-Experten versuchen, den Ursprung der hochgeladenen Videos zurückzuverfolgen: Von welchem Computer wurden sie ins Internet gestellt? In welches Land, in welche Region führt die Spur? Die digitalen Daten verraten dabei einiges, aber auch die Bilder selbst.

Eine scheinbar neutrale Wüstenlandschaft im Hintergrund lässt sich mit geologischen Daten vergleichen. Selbst Umgebungs-Geräusche könnten den Ermittlern helfen, die Region zuzuordnen. In Deutschland gibt es für solche Aufgaben schon seit über sechs Jahren eine eigene Einrichtung unter Führung des Bundesamtes für Verfassungsschutz, das sogenannte

Gemeinsame Internetzentrum (GIZ)

in Berlin.

Die Masse macht's

"Wenn sie solche Sequenzen haben, werden sie nicht nur von einem Wissenschaftler betrachtet", sagt Terrorismus-Experte Jöris. Viele Menschen hätten Anteil daran, dass die Untersuchungen der leitenden Ermittler schließlich gelingen.

Die Technik kann dabei eine wichtige Rolle spielen, mindestens ebenso wichtig ist aber die Zeugenbefragung der Polizei. In Großbritannien haben viele muslimische Geistliche den Mord an James Foley verurteilt und jeden, der den Täter kennt, dazu aufgerufen, sich mit den zuständigen Behörden in Verbindung zu setzen. Letztendlich könnte also klassische althergebrachte Polizeiarbeit den Mörder überführen.

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