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Europa

Gestrandet an der Grenze zu Ungarn

Flüchtlinge, die über Serbien nach Ungarn kommen, können nur im Transitbereich Asyl beantragen. Wochenlang warten sie davor - ohne ausreichend Nahrung und in notdürftigen Zelten. Balint Bardi berichtet aus Röszke.

Seit zwei Monaten sind Ahmed und seine Freunde bereits in Serbien. Nur wenige Schritte und ein drei Meter hoher bewachter elektrischer Zaun trennen sie von ihrem vorläufigen Ziel: die Transitzone im ungarischen Röszke. Die jungen Männer schlafen in Zelten aus Decken, ernähren sich von Keksen, die das Flüchtlingshilfswerk UNHCR verteilt, als Toilette benutzen sie die Büsche.

Seit Mitte September haben die ankommenden Flüchtlinge in Serbien zwei Optionen, wenn sie nach Ungarn reisen wollen. Die eine: Sie überqueren die Grenze illegal und riskieren, dabei festgesetzt und abgeschoben zu werden. Fast 150 Menschen nimmt die Polizei bei solchen Aktionen täglich fest. Normalerweise werden sie dann zurückgeschickt und bekommen eine einjährige Einreisesperre nach Ungarn.

Die andere Möglichkeit: Sie warten darauf, in eine Transitzone aufgenommen zu werden, um einen Asylantrag zu stellen. Das versuchen Ahmed und seine Freunde nun schon seit 20 Tagen - doch nichts bewegt sich für sie.

Zwei solcher Transitzonen liegen an der serbisch-ungarischen Grenze, zwei weitere an der kroatisch-ungarischen Grenze. Die beiden in Serbien unterstehen formell dem ungarischen Amt für Einwanderung und Staatsbürgerschaft. Neben den Büros der Behörde befinden sich dort provisorische Unterkünfte für 50 Personen.

Innerhalb der Zone

Sobald allein reisende Männer einen Asylantrag gestellt haben, dürfen sie sich nur noch innerhalb der Transitzone aufhalten und müssen dort bis zu 28 Tage ausharren. Spätestens dann muss über ihren Antrag entschieden werden. Bei positivem Entscheid werden sie in ein Flüchtlingslager in Ungarn gebracht. Frauen und Kinder werden bereits nach einem Tag in ein solches Camp überführt.

Junge Männer vor abgenutzten Camping-Zelten (Foto: DW/B. Bardi)

Die Zustände vor den Transitzonen sind desolat, manche Wartende haben nicht einmal Zelte zum Übernachten

Zwei bis drei Mal am Tag öffnen die ungarischen Behörden die Grenze - doch sie geben Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung den Vorrang. Deshalb müssen junge Männer wochenlang warten. Der 18-jährige Adris aus Afghanistan hat es zuerst vor der Transitzone in Tompa versucht. Doch dort hat er keine Chance für sich gesehen, zu viele Familien warteten dort darauf, nach Ungarn zu gelangen. Deshalb sei er nach Röszke gekommen. Doch auch hier heißt es warten.

Schlechte Bedingungen vor den Transitzonen

Ernö Simon vom ungarischen Büro des UNHCR erzählt, dass die Behörden meist sehr spontan die Grenzen öffneten und sich sehr genau aussuchten, welche Menschen sie hineinließen. Das führe oft zu chaotischen Zuständen, sagt er.

Während das UNHCR Zugang zu den Transitzonen erhält und die Menschen dort mit dem Nötigsten versorgt, ist die Lage derer, die draußen warten, desolat. Simon berichtet von mindestens zehn Personen täglich, die unter freiem Himmel schliefen, um ihren Platz in der Warteschlange nicht zu verlieren.

Die Zelte sind aus dünnem, undichtem Material, manche aus Decken gebaut. Es gibt keinen Zugang zu fließendem Wasser, geschweige denn Läden, in denen man Nahrung kaufen könnte. "Die Lage vor den Transitzonen ist nicht hinnehmbar und widerspricht dem internationalen Recht, dem Ungarn verpflichtet ist", sagt Lydia Gall, die die Situation an den Grenzübergängen im April für die Organisation Human Rights Watch dokumentiert hat. Die zuständige Behörde habe durch unnötige Bürokratie dafür gesorgt, dass sich die Verfahren hinzögen, erklärt Gall weiter.

Auf Nachfrage der Deutschen Welle erklärt das Amt für Einwanderung und Staatsbürgerschaft in einer Stellungnahme: "Es gibt keine geltenden rechtlichen Verpflichtungen für die ungarischen Behörden, die besagen, dass man wartende ausländische Personen verpflegen muss. Dennoch verteilen unsere Mitarbeiter täglich Lunch-Pakete an die Menschen, die vor den Transitzonen warten." Die verlangsamte Aufnahme erklärt die Behörde damit, dass man die Flüchtlinge nicht nur registriere, sondern auch Gespräche mit ihnen führe.

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