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Sport

Gestatten? Familie Scolari!

Brasiliens WM-Kader ist jung und unumstritten. Coach Luiz Felipe Scolari setzt auf Hoffnungsträger Neymar, ein offensives Mittelfeld und eine starke Verteidigung, um den sechsten Titel in seiner Heimat zu holen.

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Ein Team mit starkem Mannschaftsgeist: so stellt sich Felipão seine "Familie Scolari" vor

3. Mai 2002: Beim Besuch des brasilianischen Fußballverbandes in Rio de Janeiro wird Luiz Felipe Scolari von erregten Fans umlagert. Sie verlangen die Nominierung Romários. Zwischen Pamphleten und lautstarken Protest bahnt sich der brasilianische Coach einen Weg zu seinem Auto und verlässt hastig den Ort des Tumults. Einige Tage später verkündet er den WM-Kader, doch Romário befindet sich nicht unter den auserwählten Spielern.

Genau zwölf Jahre später besteigt Scolari erneut die WM-Bühne. Die Mission des Trainers ist kaum zu erfüllen: Kann es Felipão einer Nation rechtmachen, die aus 200 Millionen selbst ernannten Trainern besteht? Diesmal scheint in der Tat eine kleine Chance zu bestehen. Denn noch nie war eine Mannschaft kurz vor einer WM so unumstritten wie der am 7. Mai vorgestellte Kader von Felipão.

Brasilien von seiner besten Seite

Im Gegensatz zu den heftigen Protesten gegen die brasilianische Regierung und die FIFA gibt es keinen öffentlichen Aufschrei wegen eines aus der "Familie Scolari" verstoßenen Spielers. Es gibt lediglich kleinere Scharmützel wegen eines der Torwarte oder der Berufung eines Außen- oder Innenverteidigers für die Reserve. Die großen Debatten wie in den Jahren 2002 und 2010, als Mittelfeldspieler Ganso und Stürmer Neymar links liegen gelassen wurden, blieben bisher aus.

FC Barcelona Jubel Neymar

Neymar ist der große Hoffnungsträger der Brasilianer

Über die meisten Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft, der Seleção, herrscht Einigkeit. Die vier Verteidiger sind unumstritten und gelten als die besten weltweit. Mannschaftskapitän Thiago Silva wurde von der FIFA im vergangenen Jahr zum besten Innenverteidiger gekürt. Sein Teamkollege David Luiz punktet beim FC Chelsea. Der linke Außenverteidiger Marcelo profiliert sich seit sieben Jahren bei Real Madrid und hat auf seiner Position praktisch keine Rivalen. Und Dani Alves vom FC Barcelona genießt das Vertrauen Scolaris.

Die Alten treten ab

Bei einem Blick ins Mittelfeld und den Angriff drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die aktuelle Seleção hinter den bedeutenden Mannschaften der Vergangenheit hinterherhinkt. Spieler wie die einstigen Stars Ronaldo und Rivaldo sind diesmal nicht dabei. Und Ronaldinho (34 Jahre) und Kaká (32 Jahre), die für einen reibungslosen Übergang der Generation der WM-Sieger von 2002 hätten sorgen können, zeigen schon lange nicht mehr die Leistung, die sie einst zu den besten Spielern der Welt machte.

Confederations Cup / Brasilien - Spanien / 1:0 Fred

Fred gehört zu den wenigen Spielern mit WM-Erfahrung

Scolaris Mittelstürmer heißt für die WM 2014 Fred. Der 30jährige Athlet schoss beim Confed Cup im Juli 2013 fünf entscheidende Tore und besiegelte damit seine Berufung in den Kader. Aufgrund der Schwäche seines direkten Konkurrenten, Mittelstürmer Jô vom Atlético Mineiro, dürfte er seinen Stammplatz auf dem Spielfeld sicher haben.

Unterstützt werden die Stürmer Fred und Neymar von dem spielstarken und schnellen Schützen Hulk, der zurzeit beim russischen Erstligisten Zenit in Sankt Petersburg unter Vertrag ist. Die zweite Schützenhilfe liefert der junge Angreifer Oscar, die Nummer 10 beim FC Chelsea.

Offensive im Mittelfeld

Ins Mittelfeld berief Felipão eine Reihe von Spielern mit der Fähigkeit zum Angriff. Mit Ausnahme von Luiz Gustavo, Stammspieler beim Confed Cup, geben sich alle Nominierten offensiv: Die Flügelspieler Ramires (Chelsea), Paulinho (Tottenham) und Hernanes (Inter Mailand),sowie die Mittelfeldspieler Willian (Chelsea), Fernandinho (Manchester City) und Bernhard (Shakhtar Donetsk).

Torhüter Brasilien Julio Cesar

Im Tor setzt Felipão auf den erfahrenen Júlio César

Im Tor setzt Felipão auf die Erfahrung des 34-jährigen Júlio César, der schon bei der WM 2010 auf dem Platz stand. César gehört damit zu den sechs von insgesamt 23 nominierten Spielern der Seleção, die bereits eine WM mitgemacht haben. Der geringe Erfahrungsschatz der jungen Spieler könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass der brasilianische Fußballverband sich für das altersweise Trainerteam von Felipão und Carlos Alberto Parreira entschieden hat. Co-Trainer Parreira holte 1994 den Titel und führte die Seleção 2006 erneut an.

Felipão versucht nun eine Neuauflage des erfolgreichen Modells der "Familie Scolari", das ihm 2002 zum Sieg verhalf. Im vergangenen Jahr reiste er mehrmals nach Europa, um die Spieler vor Ort zu begleiten. Doch auch er weiß, dass seine schwierige Mission nur eine Chance auf Erfüllung hat, wenn die Fans mitziehen. "Wenn sie ihre Mannschaft unterstützen", erklärte er kürzlich, "dann beginnt das Spiel schon mit eins zu null".

Liste der nominierten Spieler:

Torwarte: Júlio César (Toronto), Jéfferson (Botafogo), Victor (Atlético Mineiro)
Außenverteidiger: Daniel Alves (FC Barcelona), Maicon (AS Rom), Marcelo (Real Madrid), Maxwell (PSG)
Innenverteidiger: Thiago Silva (PSG), David Luiz (Chelsea), Dante (Bayern München), Henrique (SSC Neapel)
Mittelfeld: Luiz Gustavo (VfL Wolfsburg), Paulinho (Tottenham Hotspur), Hernanes (Inter Mailand), Oscar (FC Chelsea), Fernandinho (Manchester City), Ramires (FC Chelsea), Willian (FC Chelsea)
Angriff: Neymar (FC Barcelona), Fred (Fluminense), Jô (Atlético Mineiro), Hulk (Zenit St. Petersburg), Bernard (Shakhtar Donezk)

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