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Asien

Gespräche mit dem Erzfeind

Erstmals seit dem Machtwechsel in Pjöngjang haben sich Vertreter der USA und Nordkoreas wieder zu direkten Gesprächen getroffen. Beobachter bezweifeln allerdings, dass das Treffen greifbare Ergebnisse bringt.

Nach außen hin reagierten die USA gelassen auf den Tod des langjährigen nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Il im Dezember. Geradezu lakonisch teilte ein Sprecher des Weißen Hauses mit, "dieses Ereignis" bereite Washington kein Kopfzerbrechen.  Es gebe "jenseits der Sorgen, die wir ohnehin schon haben," keinen Grund zur Beunruhigung. Gemeint war damit natürlich Pjöngjangs unbeirrbares Festhalten an der Atombombe. 

Nordkoreanische Propaganda: Von Feinden umzingelt

Im Juli 2010 nahm der US-Flugzeugträger George Washington gemeinsam mit Südkorea am Seemanöver teil (Archivfoto: AP)

Im Juli 2010 nahm der US-Flugzeugträger George Washington gemeinsam mit Südkorea an einem Seemanöver teil

In Wirklichkeit dürften den USA die Machtverschiebungen im Inneren Nordkoreas aber nicht ganz so unwichtig sein. Denn in den letzten Monaten war es den US-Diplomaten gelungen, den Gesprächsfaden zu Nordkorea wieder aufzunehmen. Zweimal hatten sich im vergangenen Jahr Delegationen beider Länder getroffen, um über das umstrittene Atomprogramm zu verhandeln.

Für Nordkorea war es immer ein erklärtes Ziel, direkt mit den USA zu verhandeln. Man wolle den Erzfeind an den Verhandlungstisch zwingen. Und Gespräche mit den USA sind ein Propagandaerfolg für das Regime, glaubt Pjöngjang, vor allem daheim. "Die Führung hat der Bevölkerung mit Erfolg vermittelt, von Feinden umzingelt zu sein, und rechtfertigt damit Repression und die schlechte Versorgung", sagt Rüdiger Frank, Nordkorea-Experte an der Universität Wien. "In dem Moment, in dem die Führung nicht mehr glaubhaft machen kann, dass sich das Land im Belagerungszustand befindet, wird auch der innenpolitische Druck in Richtung Verbesserung der Lebensbedingungen größer."

Seit den neunziger Jahren ist Nordkorea häufig entweder nur knapp oder auch gar nicht in der Lage, seine Bevölkerung zu ernähren.

Satellitenfoto der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon (Archivfoto: AP)

Satellitenfoto der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon

Das Regime steht trotz aller Abschottung und Repression unter Druck. Kim Hyun-uk, Berater des südkoreanischen Präsidenten, glaubt sogar, dass mit dem Sturz des Regimes jederzeit zur rechnen ist. "Wir sehen eine Bewegung", sagt er und weist auf eine Studie des russischen Forschungsinstituts IMEMO hin, das kürzlich den Zusammenbruch des Regimes innerhalb der nächsten 20 Jahre vorausgesagt hat. "Inzwischen haben sowohl Russland als auch China eingesehen, dass eine koreanische Wiedervereinigung in ihrem Interesse ist", glaubt Kim.

Pekings Doppelrolle

Mit dieser Einschätzung steht der Präsidentenberater Kim Hyun-uk allerdings relativ allein. Gerade China kann an einer schnellen Wiedervereinigung kein Interesse haben – vor allem, weil dadurch amerikanische Truppen an seine Grenze vordringen könnten. Für China ist ein schwaches aber widerspenstiges Nordkorea durchaus von Nutzen. In einem Punkt allerdings dürften Peking und der Westen nicht weit auseinanderliegen. Dass der Nachbar ständig mit seinen Atomwaffen Unruhe schürt, stört wohl auch die Führung in Peking. Pjöngjang von seinen Waffenplänen abbringen konnte bislang auch Peking nicht. "Militär zuerst", hieß bisher die Devise des nordkoreanischen Regimes und vermutlich wird das auch so bleiben.

Ex-US-Präsident Jimmy Carter besuchte im Juli 2011 Pjöngjang (Archivfoto: AP)

Ex-US-Präsident Jimmy Carter besuchte Nordkorea im April 2011

"Die Führungsschicht besteht aus Generälen, aus einer kleinen Elite", sagt Kim Tae Woo vom Nationalen Institut für Wiedervereinigung in Seoul. "Und die wollen ihren Status behalten."

Letztlich gelingt es dem Regime in Nordkorea immer wieder, sein Atomarsenal als Drohmasse einzusetzen. Mal gibt es Hilfslieferungen gegen Zusagen, mal erreicht Pjöngjang wie jetzt eine diplomatische Aufwertung. Und vor allem lassen sich so auch immer wieder die beiden wichtigsten Militärmächte in der Region gegeneinander ausspielen. In Peking hat nun eine weitere Runde begonnen.

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Hao Gui/Frank Wörner