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Politik

Gespenstische Ruhe in Bangkok

Nach den gewaltsamen Zusammenstößen der vergangenen Tage ist in Bangkok gespannte Ruhe eingekehrt. Die Armee hat die Lage nach eigenen Angaben weitgehend unter Kontrolle.

Ein Mönch vor dem ausgebrannten Einkaufszentrum in Bangkok (Foto: AP)

Ein Mönch vor dem ausgebrannten Einkaufszentrum in Bangkok

Soldaten gingen gegen nur noch vereinzelte Widerstandsnester der sogenannten Rothemden vor, teilte Militärsprecher Sansern Kawekamnerd am Donnerstag (20.05.2010) mit. Nach Korrespondentenberichten waren in der thailändischen Hauptstadt mitunter noch Schüsse zu hören. Am Morgen hatten Soldaten einen buddhistischen Tempel gestürmt, in dem sich mehr als tausend Oppositionsanhänger verschanzt hatten, meist Frauen und Kinder. In dem Gebäude wurden sechs Leichen gefunden.

Oppositionsanhänger verlassen den vorübergehend besetzten Tempel (Foto: AP)

Oppositionsanhänger verlassen den vorübergehend besetzten Tempel

Der deutsche Botschafter in Bangkok, Hanns-Heinrich Schumacher, beschrieb die Lage in der Stadt als "gespenstisch ruhig". Im Deutschlandfunk attestierte der Diplomat Thailands Armee und Regierung, beim Vorgehen gegen die Demonstranten "auf Menschenleben wirklich Rücksicht genommen zu haben". Die Gewalt richte sich nicht gegen Ausländer. Es gebe keine Meldungen, dass Deutsche zu Schaden gekommen seien, sagte Schumacher.

Ausgangssperre verlängert

Die Regierung verlängerte das Ausgehverbot für Bangkok und 23 andere Provinzen bis Sonntag. Es gilt von 21 Uhr bis 5 Uhr. Beobachter befürchten, dass die Gewalt von der Hauptstadt aus auf die umliegenden Provinzen übergreifen könnte. Besonders der Norden Thailands gilt als Hochburg der Rothemden.

Blick ins Geschäftsviertel nach den Kämpfen (Foto: AP)

Blick ins Geschäftsviertel nach den Kämpfen

Einer der festgenommenen Anführer der Oppositionsbewegung rief zu Gewaltverzicht auf. "Ich möchte alle Seiten bitten, sich zu beruhigen und miteinander friedlich zu reden. Demokratie kann nicht auf Rache und Zorn basieren", sagte Veera Musikapong im thailändischen Fernsehen.

Blutige Auseinandersetzungen

Am Mittwoch hatte die Armee mit einer militärischen Großaktion das Geschäftsviertel in Bangkok gestürmt, in dem sich die Regierungsgegner seit Wochen verschanzt hatten. Die politischen Führer der Rothemden riefen ihre Anhänger danach auf, den Widerstand aufzugeben um Blutvergießen zu vermeiden.

Militante Oppositionelle wollten jedoch nicht aufgeben und verwandelten die Innenstadt von Bangkok in ein blutiges Schlachtfeld. Mindestens 15 Menschen wurden getötet, fast hundert erlitten Verletzungen. Rothemden setzten 35 Gebäude in Brand, darunter ein mehrstöckiges Einkaufszentrum, die Bangkoker Börse und mehrere Banken.

Seit Beginn der Protestaktionen der oppositionellen "Union für Demokratie gegen Diktatur" UDD in Bangkok Mitte März sind damit mehr als 80 Menschen getötet und fast 2000 verletzt worden. Die Rothemden wollten mit ihren Protesten den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva und Neuwahlen erzwingen. Die Rothemden sind mehrheitlich Anhänger des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Seit dessen Sturz durch das Militär 2006 kommt Thailand politisch nicht zur Ruhe.

Autor: Michael Wehling (dpa/rtr/afp/apn)
Redaktion: Walter Lausch

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