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Aktuell Asien

Gespannte Ruhe in Hongkong

Am chinesischen Nationalfeiertag zogen die Demonstranten in ein Hongkonger Einkaufsviertel. Dort errichteten sie vor Luxusgeschäften provisorische Barrikaden – aus Angst vor einem massiven Polizeieinsatz.

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DW-Reporter Philipp Bilsky aus Hongkong

Tausende Demonstranten forderten auch am Mittwoch den Rücktritt des Hongkonger Verwaltungschefs Leung Chun-Ying und mehr demokratische Rechte. Leung gilt Statthalter der chinesischen Regierung in Peking. Er rief alle Hongkonger dazu auf, sich an die Gesetze zu halten. Aus Furcht vor Krawallen lagerten viele Banken ihr Personal vorsichtshalber aus den Büros im zentralen Finanzdistrikt in die Außenbezirke der Millionenstadt aus. Doch der für den chinesischen Nationalfeiertag befürchtete Polizeieinsatz gegen die Massenproteste blieb bislang aus.

Die überwiegende Zahl der Demonstranten hielt sich an die Appelle der Anführer der Protestbewegung, das feierliche Hissen der Landesflagge am Nationalfeiertag nicht durch laute Aktionen zu stören. Selbst als Studenten auf das Absingen der Nationalhymne mit Buh-Rufen reagierten, blieb die Lage in der chinesischen Sonderverwaltungszone ruhig. Die Polizei hielt sich zurück und war nur an wenigen Stellen der Stadt präsent.

Ließen die Behörden Handys hacken?

Allerdings veröffentlichte die Zeitung "People Daily", die als Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas gilt, eine deutliche Warnung: "Eine Handvoll Leute haben es sich in den Kopf gesetzt, gegen Gesetze zu verstoßen und Ärger heraufzubeschwören. Sie werden möglicherweise die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen haben."

Möglicherweise aber versucht China auf andere Weise, die prodemokratischen Demonstranten zu stoppen. So verbreiteten mutmaßlich chinesische Hacker einen seltenen Trojaner für Mobiltelefone. Nach Angaben des amerikanischen Sicherheitsunternehmen Lacoon Mobile ermöglicht die Spionagesoftware Zugang zu Email, Kurznachrichten, Adressbücher, Anrufdaten, Benutzernamen oder Passwörtern der Handynutzer. Der Link zu dem "Xsser mRAT" genannten Trojaner sei als vermeintliches Programm zur besseren Koordination der Proteste über Whatsapp verbreitet worden.

Aktivisten in China festgenommen

Auf dem chinesischen Festland allerdings gehen die Behörden Regime offenbar rigoros gegen Unterstützer der Hongkonger Proteste vor. So wurden in den vergangenen Tagen nach Angaben der Menschenrechts-Organisation China Human Rights Defenders (CHRD), mehrere Sympathisanten festgenommen. Unter ihnen ist den Angaben zufolge der Aktivist Wang Long, der Informationen über die Demonstrationen ins Internet gestellt hatte.

Außerdem soll die aus Shanghai stammende Aktivistin Shen Yanqiu in Polizeigewahrsam genommen worden sein, nachdem sie Tage zuvor ein Bild von sich selbst mit rasiertem Kopf als Unterstützung für die Hongkong-Proteste veröffentlicht hatte. Außerdem berichtet CHRD von bis zu "20 Bürger", die in der Nähe von Hongkong festgenommen wurden, weil sie sich in einem Park zur Unterstützung der Protestbewegung getroffen haben sollen.

Revolution mit Regenschirm

Die seit Freitag andauernden Proteste in Hongkong sind die größten seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie an China im Jahr 1997. Sie richten sich gegen eine von Peking verwehrte Wahlreform in Hongkong. Zwar soll die Bevölkerung dort 2017 erstmals direkt einen Verwaltungschef wählen dürfen, doch will die Zentralregierung in Peking nur ihr genehme Kandidaten zulassen, um so ihren Einfluss zu sichern. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern faktisch unmöglich.

Eine Straßenkreuzung voller Menschen in Hongkong (Foto: rtr)

Großer Zulauf: Protestierende blockieren eine Straßenkreuzung in einem Hongkonger Einkaufsviertel

Zu Beginn der Demonstrationen am Wochenende waren Sicherheitskräfte massiv gegen die Protestierenden vorgegangen. Diese schützten sich mit Regenschirmen, daher werden die Proteste bereits "Regenschirm"-Revolution genannt.

cw/wl (dpa, rtr, afp)

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