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Nahost

Gespannte Lage in Nahost eskaliert weiter

Mit dem Einmarsch in den Südlibanon und weiterem Vorrücken in Gaza kämpft die israelische Armee jetzt an zwei Fronten. Anlass für das Eingreifen im Libanon ist die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah-Miliz.

Libanesen feiern in Beirut die Entführung israelischer Soldaten durch die Hisbollah

Die Lage im Nahen Osten hat sich am Mittwoch (12.7.2006) dramatisch zugespitzt: Auf die Entführung zweier ihrer Soldaten durch die Hisbollah-Miliz reagierten die israelischen Streitkräfte mit der massivsten Militäraktion im Süden des Libanons seit Jahren. Bodentruppen drangen auf der Suche nach den Verschleppten in das Nachbarland ein, unterstützt von Kampfjets, Panzern und Kanonenbooten. Es ist das erste Mal seit dem Abzug der Israelis aus dem Südlibanon im Jahr 2000, dass die Armee wieder in dieses Gebiet einmarschiert ist.

Israelische Kampfflugzeuge griffen nach der Verschleppung der Soldaten Straßen, Brücken und Stellungen der Hisbollah im Süden Libanons an - offenbar um zu verhindern, dass die Soldaten weiter von der Grenze weggebracht werden. Bei dem Angriff auf eine Brücke im Südlibanon wurden zwei Bewohner getötet. Israelische Kampfflugzeuge überquerten auch die Stadt Sidon auf halbem Weg nach Beirut und wurden von libanesischen Abwehrstellungen beschossen, wie weiter aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete.

Hisbollah will mit der Entführung Gefangene freipressen

Die Eskalation begann am Mittwoch Morgen mit heftigen Artilleriegefechten an der israelisch-libanesischen Grenze. Nach israelischen Angaben griff die Hisbollah mehrere Siedlungen im Norden an. Während der Gefechte gab die islamistische Miliz die Entführung der Soldaten bekannt. Die beiden seien gefangen genommen und "in eine sichere Region" gebracht worden. Ziel sei es, die Freilassung von Gefangenen in Israel zu erreichen.

Schon nach der Entführung Gilad Schalits durch palästinensische Extremisten vor zwei Wochen hatte Israel diese Forderung zurückgewiesen. Bei schweren Kämpfen mit Hisbollah-Freischärlern wurden sieben israelische Soldaten getötet. Vier davon kamen ums Leben als ihr Panzer im Grenzgebiet auf eine Mine fuhr. Unklar blieb, wie viele Hisbollah-Kämpfer starben.

Olmert kündigt weitere Vergeltung an

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die Entführung der Soldaten durch die Hisbollah als "kriegerischen Akt". Er machte die libanesische Regierung verantwortlich und sagte, die Antwort werde "beherrscht, aber sehr, sehr schmerzhaft" sein. Heereschef Dan Halutz drohte, mit Attacken auf die Infrastruktur "die Uhr im Libanon um zwanzig Jahre zurückzudrehen", sollten die Soldaten nicht freigelassen werden. Die israelische Armee bereitete die Mobilisierung von Reservetruppen für eine mögliche größere Offensive vor. Die Bewohner Nordisraels wurden angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen.

Zugleich eskalierte die Gewalt im Konflikt mit den Palästinensern: Die israelische Luftwaffe warf eine 250-Kilo-Bombe auf ein Haus in Gaza und tötete neun Familienmitglieder. Das Elternpaar und sieben Kinder wurden nach Klinikangaben tot aus den Trümmern des zerstörten Hauses geborgen, in dem sich auch zahlreiche Hamas-Aktivisten befanden. Sieben von ihnen wurden in kritischem Zustand im Krankenhaus behandelt, wie Ärzte mitteilten. Nach israelischen Angaben war darunter auch Mohammed Deif, der Führer des militärischen Flügels der Hamas. Bei weiteren Luftschlägen im Gazastreifen wurden sieben Palästinenser getötet, darunter ein Polizist.

Die ganze Welt ist höchst beunruhigt

David Welsh vom US-Außenministerium sprach von einer "sehr gefährlichen Eskalation". Damit seien alle Bemühungen gefährdet, den Nahostkonflikt einer friedlichen Lösung zuzuführen. Die deutsche Bundesregierung verurteilte die Verschleppung der israelischen Soldaten "auf das Schärfste". UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die sofortige Freilassung der Israelis. Zugleich verurteilte er die israelische Vergeltungsaktion.

Israel hat bereits vor zwei Jahren unter deutscher Vermittlung einen Austausch mit der Hisbollah vollzogen: Es entließ rund 400 palästinensische Häftlinge. Die Hisbollah ließ im Gegenzug einen entführten israelischen Geschäftsmann gehen und überstellte die Leichen dreier israelischer Soldaten. Im Unterschied zu damals waren die Opfer aber nicht von israelischem Gebiet aus verschleppt worden.

Israel hatte zwischen 1978 und dem Jahr 2000 Teile des Südlibanons besetzt. Im Jahr 2000 hatten sich die Truppen unter dem Druck der Hisbollah aus dem Grenzgebiet zurückgezogen. (je)

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