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Kultur

Geschwister-Scholl-Preis für Garance Le Caisne

Die französische Journalistin erhält die Auszeichnung für ihr Buch über die Lebensgeschichte eines syrischen Whistleblowers. Die Jury lobt die sprachliche Qualität und die zum Teil lebensgefährliche Recherche.

Zwei Jahre lang hat Garance Le Caisne Material für ihr Buch "Codename Caesar" Material gesammelt. Das Werk mit dem Untertitel "Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie" basiert auf Enthüllungen eines syrischen Militärfotografen. Bei seiner Flucht schmuggelte er Tausende von ihm selbst geschossene Bilder von Ermordeten aus den Kerkern des Assad-Regimes außer Landes.

Der hinter dem Pseudonym "Caesar" steckende Mann lebt derzeit an einem unbekannten Ort in Nordeuropa. Garance Le Caisne konnte ihn ausfindig machen und nach monatelangem Kontaktaufbau sein Vertrauen gewinnen, um seine Geschichte aufzuschreiben.

Dafür bekam sie am Montag (21.11.2016) in München den renommierten "Geschwister-Scholl-Preis" verliehen. "Dies ist eine Anerkennung für all jene, die dort unten in Syrien und hier in Europa dafür kämpfen, den zu Tode gefolterten, verhungerten oder von Bomben zerfetzten Männern und Frauen eine Stimme zu geben", sagte die Autorin bei der Preisverleihung.

Hoher persönlicher Einsatz

"Menschen wie "Caesar" und wie die Journalistin Le Caisne, die ihm in ihrem Buch eine Stimme gibt, sind unverzichtbar, wenn man die inneren Mechanismen einer Diktatur verstehen will und wenn den Opfern eines Tages Genugtuung verschafft werden soll", urteilt die Jury über die Preisträgerin.

"Codename Caesar" erspare dem Leser die Bilder der verhungerten, verstümmelten oder verbrannten Leichen - und sei dennoch Zeugnis eines überragenden Mutes und zugleich Dokumentation der bürokratischen Obsession eines verbrecherischen Regimes. Das Buch sei unter höchstem persönlichem Risiko entstanden - mit möglicherweise völkerrechtlichen Konsequenzen für die Täter, so die Jury in ihrer Begründung.

Garance Le Caisne ist freie Journalistin und schreibt für "Le Journal du Dimanche" und "L'Obs". Seit 1990 berichtet sie über den Nahen Osten. Mehrmals reiste sie in das Bürgerkriegsland Syrien und suchte anschließend monatelang nach "Caesar".

Preis für bürgerliche Freiheit

Der Geschwister-Scholl-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr in München überreicht. Mit ihm wird jeweils ein Buch jüngeren Datums gewürdigt, das beispielsweise die bürgerliche Freiheit fördert und dem Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse gibt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen der chinesische Exil-Autor Liao Yiwu, der italienische Journalist und Buchautor Roberto Saviano und die vor zehn Jahren erschossene russische Reporterin Anna Politkovskaja, sowie Bundespräsident Joachim Gauck.

Vergeben wird der Geschwister-Scholl-Preis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stadt München. Die Auszeichnung erinnert an Hans und Sophie Scholl, die mit ihrer Gruppe "Die weiße Rose" Widerstand gegen die Nazi-Diktatur von Adolf Hitler leisteten und im Februar 1943 hingerichtet wurden.