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Wirtschaft

Geschrumpfte Wachstumsbranche

In München hat die Computermesse "Systems“ ihre Tore geöffnet. Nach Jahren des Wachstums leiden die Hersteller von Hard- und Software erstmals unter der konjunkturellen Schwäche des Marktes.

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Branchenindikator im Herbst: Die "Systems" in München

Inmitten der schwersten Krise der Informationstechnikbranche (IT) hat am Montag in München die Computermesse "Systems" ihre Türen geöffnet. Nach Jahren des Wachstums leiden die Hersteller von Hard- und Software erstmals unter der konjunkturellen Schwäche des Marktes. Bis zum kommenden Freitag zeigen rund 1600 Firmen ihre Neuigkeiten rund um Computer und Telekommunikation. Als man sich vor zwei Jahren in München traf, war die Internet-Euphorie auf ihrem Höhepunkt. Alle zwölf Messehallen waren gefüllt. Heute genügt die Hälfte der Ausstellungsfläche, um alles unterzubringen. Viele der Firmen von damals gibt es nicht mehr, sie haben die High-Tech-Krise nicht überlebt. Und von den übrig gebliebenen können sich nicht alle einen Messeauftritt leisten. Nach Jahren des Booms mit teils zweistelligen Zuwachsraten ist man beim Branchenverband BITKOM vorsichtig geworden mit Prognosen. Beinahe trotzig sagt Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder: "Wir durchschreiten gerade die Talsohle, aber erwarten im nächsten Jahr eine leichte konjunkturelle Erholung." Mehr als eine "schwarze Null" in den Bilanzen wird es wohl nicht werden. Ob und wann sich der Markt tatsächlich wieder positiv entwickelt, will Rohleder lieber nicht prognostizieren.

Noch düsterer sieht es für die Arbeitsplätze aus. Nachdem in diesem Jahr rund 28.000 Stellen wegfallen, rechnet Rohleder frühestens in zwei Jahren mit einer Erholung, zumal Deutschland im internationalen Vergleich das Schlusslicht ist: Während der weltweite IT-Markt in diesem Jahr um rund 3 Prozent zulegt, schrumpft er hierzulande um mehr als 1 Prozent. Dennoch meint Rohleder: "Die Unternehmen, die sich hier zeigen, haben erkannt, dass sie Potential haben, das ins nächste Jahr hinein reicht – und deshalb investieren sie in diesen Messeauftritt."

Das sieht Klaus Dittrich von der Messe München und künftig Chef der "Systems" ähnlich. Nach der Euphorie vor zwei Jahren habe sich Katerstimmung breitgemacht. Aber eine Messe wie diese müsse eben auch in schlechten Zeiten ein Forum bieten. Zumal die Produkte, die in diesem Jahr auf der Systems gezeigt werden und die Firmen, die sich hier präsentieren, die Krise überstanden hätten. "Deswegen ist das Angebot, dass man heute sieht, gesünder als das vor zwei Jahren", sagt der Messe-Manager.

So haben die Systems-Macher nichts unversucht gelassen, die Messe auch in der Krise attraktiv zu gestalten: 500.000 sogenannte Entscheider aus Wirtschaft und Gesellschaft haben eine persönliche Einladunge erhalten. Und wer den Weg nach München nicht scheut, den erwartet eine Messe der kurzen Wege.

Highlight ist ein europäisches UMTS-Gipfeltreffen, auf dem es um den Stand der Dinge beim Aufbau des Mobilfunknetzes der Zukunft geht. Passend dazu zeigt Weltmarktführer Nokia sein neues UMTS-Handy. Ob die Systems 2002 allerdings die erhoffte Startbahn für den Aufschwung werden kann, wird von vielen Experten bezweifelt. Eher wohl gilt: Der nächste Aufschwung kommt bestimmt. Nur wann, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. Auf der Cebit 2003 in Hannover werden die Dinge vielleicht schon klarer sein.

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