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Bücher

"Geschichten haben es in sich": Verleihung des Friedenspreises an Margaret Atwood

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekommen. In ihrer Dankesrede wies sie darauf hin, dass wir in "seltsamen historischen Zeiten" leben.

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Friedenspreis des Buchhandels für Margaret Atwood

"Wir wissen nicht genau, wo wir sind. Wir wissen auch nicht mehr genau, wer wir sind", sagte Margaret Atwood am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche und verwies dabei insbesondere auf die politische Situation in den USA. Jahrzehntelang hätten die USA im Kalten Krieg trotz aller Mängel als Symbol für Freiheit und Demokratie gegolten. Das sei vorbei. Jetzt sei plötzlich nach mehr als 30 Jahren auch wieder ihr Roman "Der Report der Magd" aktuell geworden. Von Männern kontrollierte Parlamente setzten sich zum Ziel, die Uhren zurückzudrehen - "am liebsten ins 19. Jahrhundert".

Atwood hat in dem 1985 erschienenen Roman eine totalitäre Gesellschaft beschrieben: In den USA kommt eine christlich-fundamentalistische Gruppe mit Gewalt an die Macht. Frauen werden wie Gebärmaschinen behandelt, benutzt und unterdrückt. Eine auf dem Roman basierende TV-Serie hat in den USA dieses Jahr mehrere Emmys bekommen.

Schriftsteller haben eine Aufgabe

In ihrer Dankesrede betonte die kanadische Schriftstellerin die Kraft des Geschichtenerzählens. "Geschichten haben es in sich. Sie können das Denken und Fühlen der Menschen verändern - zum Besseren oder zum Schlechteren." Dementsprechend käme den Autoren und Autorinnen in der heutigen Zeit eine wichtige Aufgabe zu. Sie sollten "vor den Mächtigen die Wahrheit aussprechen, die Geschichten erzählen, die verdrängt worden sind, den Stimmlosen eine Stimme geben." Viele Schriftsteller hätten das getan und sich dabei oft Ärger eingehandelt, manche hätte es das Leben gekostet, so Atwood. 

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (l.), Margaret Atwood und Heinrich Riethmüller mit der Urkunde (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (l.) und Heinrich Riethmüller (r.) gratulieren Margaret Atwood

"Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz"

Mit diesen Begriffen begründete der Börsenverein seine Entscheidung, Margaret Atwood mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels auszuzeichnen. In ihren Romanen und Sachbüchern habe Atwood immer wieder politisches Gespür und Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen gezeigt. Sie blicke "mit wachem Bewusstsein und tiefer Menschenkenntnis" auf die Welt.

Die Laudatio hielt die aus Österreich stammende Berliner Autorin Eva Menasse. Es sei eine Freude und Ehre, eine Lobrede auf Margaret Atwood zu halten, sagte sie zu Beginn ihrer Rede und betonte: "Ihr ist etwas gelungen, was nach wie vor die Ausnahme ist: Auf dem Gebiet der Literatur als Frau ein Weltstar zu werden." Atwoods Werk sei von "tropischer Vielfalt", ihre Erzählungen "realistisch, wahrhaftig, und immer ein wenig beispielhaft". Daran könne man sehen, "wie Literatur sein muss, um auch eine politische Wirkung zu entfalten".

Außenaufnahme der Paulskirche in Frankfurt am Main (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Die Paulskirche in Frankfurt am Main

Der Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller würdigte Atwood als "Mahnerin für Frieden und Freiheit". Mit ihren Romanen öffne die Autorin uns die Augen dafür, "wie düster eine Welt aussehen kann, wenn wir unseren Verpflichtungen für ein friedliches Zusammenleben nicht nachkommen".

Preisträgerinnen bilden eine Minderheit

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben und gilt als eine der bedeutendsten kulturellen Auszeichnungen Deutschlands. Margaret Atwood ist erst die zehnte Frau, die diesen Preis erhält. Im letzten Jahr ging der Preis an Carolin Emcke, drei Jahre zuvor an Swetlana Alexijewitsch, in den Jahren davor waren Susan Sontag, Astrid Lindgren und Nelly Sachs unter den Preisträgerinnen.  Der Friedenspreis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird traditionell zum Ende der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen. 

Die 69. Frankfurter Buchmesse ist am Sonntag mit einem leichten Plus bei den Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr zu Ende gegangen. Insgesamt kamen zu der Bücherschau mit etwa 4000 Veranstaltungen rund 280 000 Besucher. Im Vorjahr waren etwa 2000 weniger gezählt worden.

pl/so (dpa/epd/boersenverein.de)

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