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Wirtschaft

Geschenk für die Medienzare

Medienkonzentration behauptet sich als globaler Trend. Nach der Lockerung der Wettbewerbsregeln fürchten Kritiker eine Welle von Fusionen auf dem US-Medienmarkt. Auf der Strecke bleibt wieder einmal die Meinungsvielfalt.

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Er hat gut lachen:
Rupert Murdoch

Die ganzseitige Anzeige in der US-Zeitung "New York Times" wird Rupert Murdoch nicht gefallen. Vier Bildschirme sind abgebildet, auf jedem ist sein Gesicht zu sehen. Zerknautscht, mit gerunzelter Stirn schaut der Medienzar grimmig aus der Röhre und kommt dabei gar nicht gut weg. "Dieser Mann will die Nachrichten in Amerika kontrollieren", steht da in dicken Lettern. Murdoch auf allen Kanälen, das ist die Horrorvision, die nach Ansicht verschiedener linksgerichteter Gruppen wie MoveOn, bald Wirklichkeit werden könnte.

Mit der Anzeige will MoveOn auf die jüngste Entscheidung der US-Medienaufsichtsbehörde FCC aufmerksam machen, die Linke wie Rechte, Universitätsprofessoren wie Mitglieder der National Rifle Association (Vereinigung der Waffenbesitzer) in seltener Eintracht auf die Barrikaden steigen lässt. Sie fürchten, ihre Meinung könnte künftig von den Medien ignoriert werden. Schuld daran ist ihrer Ansicht nach die FCC. Die hat nämlich genau die Regelungen gestrichen, die die Konzentration in der Medienindustrie verhindern sollte. "Die FCC will Murdoch helfen", heißt deshalb der zweite Teil der Anzeige.

Keine Schranken für Expansion

Künftig dürfen die TV-Sender eines Konzerns 45 Prozent aller Haushalte erreichen, zuvor lag der maximale Marktanteil bei 35 Prozent. Aufgehoben wurde auch das fast 30-jährige Verbot für Unternehmen, gleichzeitig Zeitungen, TV-Sender und Radiostationen in einem lokalen Markt zu besitzen. Außerdem dürfen Medienkonzerne in großen Regionalmärkten statt zwei nun drei Fernsehsender besitzen.

Im fünfköpfigen Entscheidungsgremium der FCC setzten sich die drei Kommissare der Republikaner gegen die zwei der Demokraten durch. Der Präsident der Behörde, Michael Powell, - der Sohn des US-Außenministers Colin Powell – begründete die Entscheidung mit den radikalen Veränderungen auf dem Medienmarkt. Die Kartellvorschriften seien von den technischen Realitäten wie beispielsweise dem Internet oder modernen Kabelnetzen überholt.

Den Medienriesen zu Diensten?

Allerdings muss sich die FCC den Vorwurf gefallen lassen, sie habe sich den Interessen der fünf großen Medienriesen – das sind Viacom, Disney, AOL/Time Warner, General Electric und NewsCorporation - gebeugt, die nun noch größer werden können. Roland Schröder vom Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund glaubt allerdings nicht, dass es eine starke Fusionswelle wie nach der großen Deregulierung mit dem Gesetz "Telecommunications Act" von 1996 geben wird. Die hatte vor allem zu einer Konzentration auf dem Hörfunkmarkt geführt, der heute von der Clear-Channel-Kette aus Texas dominiert wird. Clear Channel kontrolliert über 1200 Radiostationen und erreicht bis zu 100 Millionen Hörer.

"De facto besitzen einige Networks wie CBS oder Murdochs News Corp bereits heute über 40 Prozent Marktanteil", so Schröder im Gespräch mit DW-WORLD. Megafusionen seien also nicht zu erwarten. Die Konzerne könnten aber die Gelegenheit nutzen, sich auf den lokalen Fernsehmärkten in den Ballungsgebieten einzukaufen. "Dabei geht es zum einen um Synergieeffekte, zum anderen um Medienkonvergenz", so Schröder. Radio, Fernsehen, Print und Internet: alles unter einem Dach und einer Marke, das ist der aktuelle Trend. Der habe auch schon längst Europa erfasst. "In Schweden hat sich beispielsweise mit Bonnier einer der größten Medienkonzerne etabliert. Der bietet das volle Sortiment: Bücher, Gratiszeitungen, Radio, Fernsehen", sagt Schröder.

Suche nach neuen Einnahmequellen

Nach Ansicht von Insa Sjurts, Professorin für Medienmanagement in Flensburg und Mitglied in der KEK (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich), können die Unternehmen durch die gleichzeitig Verwertung von Werbebotschaften oder Inhalten über unterschiedliche Medien Kosten einsparen. "In der aktuellen Medienkrise müssen neue Erlösmodelle gefunden werden", so Sjurts zu DW-WORLD. "Die Einnahmen aus dem Werbemarkt werden nicht zurückkommen".

Die Konzentration von Medien ist eine globale Entwicklung, bei der sich die Großen durch Zukäufe gegen die Konkurrenz durchsetzen wollen. Doch das klappt nicht immer, wie der geplatzte Deal zwischen dem amerikanischen US-Milliardär Haim Saban und dem angeschlagenen deutschen Kirch-Konzern zeigt. Am Montag (5.6.2003) zog sich Saban nach zunehmenden Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung der Kirch-Media Übernahme aus dem Kaufvertrag zurück.

So starke Konzentrationsbewegungen wie in den USA sind in Deutschland aber nicht zu erwarten. Hier gebe es zumindest bei den elektronischen Medien mit dem Rundfunkstaatsvertrag eine effiziente Kontrolle, so Sjurts. Allerdings führe Regulierung nicht grundsätzlich zu Meinungsvielfalt. "Die schafft zunächst einmal ökonomische Vielfalt, keine Vielfalt von Inhalten."

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