Gescheiterte Wahl bei den Berliner Philharmonikern amüsiert die Twitter-Gemeinde | Musik | DW | 12.05.2015
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Musik

Gescheiterte Wahl bei den Berliner Philharmonikern amüsiert die Twitter-Gemeinde

Die Berliner Philarmoniker sind bekannt für gute Unterhaltung. Nach 11 Stunden Sitzung hat man zwar keinen neuen Nachfolger für Simon Rattle gefunden, aber immerhin die Kulturwelt gleichermaßen geärgert und amüsiert.

Es scheint mehr Geduld zu erfordern, zu warten, bis sich die 124 Musiker der Berliner Philharmoniker auf einen Chefdirigenten einigen, als eine Wagner Oper über sich ergehen zu lassen. Die Philharmoniker sind weltweit das einzige Spitzenorchester, das seinen Chefdirigenten eigenständig und unabhängig wählen kann.

Einmalig in der Geschichte des Orchesters: dieses Mal hat es nicht geklappt. Viele Spekulationen hatte es in den Medien gegeben, wer 2018 der Neue nach Sir Simon Rattle wird. Dass der Wahltag, der 11. Mai, ein langer werden würde, war abzusehen, aber dass er ohne Ergebnis enden würde, war denn doch eine Überraschung. Die Twittergemeinde reagierte prompt und brachte mit einem Augenzwinkern eigene Kandidaten ins Rennen. Die Vorschläge reichten von Fußballtrainer Jürgen Klopp bis hin zu James Last. Ein besonderer Favorit: Nigel vom Muppets Orchester.

Andere entwickelten ernsthaftere Theorien, warum die Berliner Philarmoniker endlos ohne Ergebnis getagt haben, und was das für potentielle Kandidaten in der Zukunft bedeutet. Das Orchester hat zwar nicht bestätigt, dass man bestimmten Dirigenten ein Angebot unterbreitet hätte, doch unter den Favoriten waren die Namen von Christian Thielemann, Andris Nelsons und Gustav Dudamel. "Wer auch immer der Nachfolger wird weiß jetzt, dass er den Posten nicht durch ein eindeutiges Votum bekommen wird", twittert Anne Midgette.

Die ganze Geheimhaltung der Wahl und die Tatsache, dass sich die Musiker in einer Kirche getroffen haben, dann noch das Prestige des Orchesters, das durch diese Position auf dem Spiel steht, all das verleitete nicht nur die Medien, die Dirigentenwahl mit einer Papstwahl zu vergleichen.

Obwohl es nicht ganz klar ist, woran die Wahl des neuen Chefdirigenten vorläufig gescheitert ist und warum man sich jetzt noch ein Jahr Zeit lassen will, eins haben die Philharmoniker geschafft: Sie haben ordentlich Staub aufgewirbelt und für Aufsehen gesorgt. Es bleibt also spannend in der Wartezeit.

Und die Berliner sind ja daran gewöhnt, auf Dinge zu warten. Insbesondere auf den noch unfertigen internationalen Flughafen. #BER ist auch ein beliebter Hashtag.

Wie dem auch sei: Sir Simon Rattles Vertrag geht noch bis 2018, warum also diese Eile? Ein guter Musiker weiß, wie man den musikalischen Bogen spannt, damit das Publikum das gesamte Konzert aufmerksam verfolgt. Es gab allerdings sogar Spekulationen, dass das Orchester lieber ohne Chef bleiben würde. In kleineren Barock-Ensembles kommt das durchaus vor, wäre jedoch ein Präzedenzfall für ein Orchester dieser Größe. So twittert Henning Bey: "Die Berliner Philharmoniker haben sich wohl entschieden in Zukunft nur Barockmusik zu spielen. Da braucht man keine Dirigenten!!!"

Wenn sich der Twitter Sturm gelegt hat, dann können die Klassikfans eigentlich nur eins tun: die nächsten Jahre mit Sir Simon Rattle in Berlin genießen.

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