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Afrika

Gescheitert: Angola nach dem Afrika-Cup

Für drei Wochen stand Angola als Gastgeberland im Zeichen des Afrika-Cups. Angola wollte sich als modernes Boomland präsentieren. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen, meint Johannes Beck in seinem Kommentar.

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Gute Stimmung beim Fußball braucht volle Stadien. Leere Zuschauerränge verderben die Laune. Insofern war der Afrika-Cup in Angola ein Stimmungskiller. Selbst bei den Halbfinal-Spielen Ghana gegen Nigeria und Algerien gegen Ägypten prägten spärlich besetzte Tribünen die Fernsehbilder. Dabei gibt es eigentlich nur wenige Paarungen, die in Afrika für mehr Spannung sorgen. Nicht einmal das Finale am Sonntag (31.01.2010) in Luanda sorgte für ein volles Haus. Die Ränge des Nationalstadions erstrahlten vor allem in Rot und Gelb, nicht die Farben des Turniersiegers Ägypten oder des Unterlegenen Ghana, sondern die Farben der leer gebliebenen Sitze.

Gähnende Leere

Beck (Foto: dw)

DW-Experte Johannes Beck

Noch schlimmer sah es in der Vorrunde aus: So trat Malawi gegen Algerien vor einer Geisterkulisse von wenigen Hundert Zuschauern in Luanda an. Nur wenn die Mannschaft Angolas auflief, füllten sich die Ränge. Auch dann nur, nachdem die herrschende Partei, die MPLA, ihre Anhänger zum Stadionbesuch aufrief.

Dass die Angolaner dem Afrika-Cup fern blieben, ist leicht zu erklären. Die Elite des Landes, die sich die Tickets leisten könnte, scheut die für Chaos bekannten Fußballspiele. Sie geht lieber in den glitzernden Einkaufszentren Luandas shoppen oder fährt in ihren Toyota Prados, Porsche Cayennes oder Hummer an der Uferpromenade der Luxus-Halbinsel Ilha spazieren. Und für die normale, durchaus fußballbegeisterte Bevölkerung des Landes waren die Tickets schlicht zu teuer.

Auch ausländische Fans machten sich rar in Angola. Wer jemals versucht hat, ein Hotelzimmer im chronisch ausgebuchten Luanda zu ergattern, weiß warum. Luanda gilt für Ausländer zu Recht als eine der teuersten, wenn nicht gar die teuerste Stadt der Welt.

Millionen für Fußball statt für Kinder

Viel Geld floss auch in das Fußball-Turnier. Zu viel meine ich. Etwa eine Milliarde Dollar soll die angolanische Regierung in die vier Stadien des Afrika-Cups und die zugehörige Infrastruktur investiert haben. Und das in einem Land mit einer der weltweit höchsten Kindersterblichkeitsrate: Eines von vier angolanischen Kindern stirbt nach Statistiken der Vereinten Nationen vor seinem fünften Geburtstag.

Was hätte die Regierung mit dem Geld nicht alles erreichen können, wenn sie es in den Aufbau von Gesundheitszentren auf dem Land oder in die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung der Slums von Luanda investiert hätte…

Schlechter Start

Von Anfang an stand der Afrika-Cup unter einem schlechten Stern. Tiefpunkt war die Attacke in der Enklave Cabinda im Norden des Landes, als eine der zahlreichen Fraktionen der dortigen Unabhängigkeitsbewegung den Bus der Nationalmannschaft Togos angriff.

Mit der Wahl der Unruheprovinz Cabinda als Spielort hatte die Regierung eigentlich demonstrieren wollen, dass sie das ganze Land unter Kontrolle hat. Sie wollte das Bild eines modernen, boomenden und friedlichen Angolas verbreiten. Doch der Friedensvertrag, den die Regierung vor einigen Jahren mit einer der Fraktion der Unabhängigkeitsbewegung FLEC geschlossen hat, wird längst nicht von allen anerkannt.

Oppositionelle im Gefängnis

Trotz des Imageschadens durch den Anschlag haben die Spiele im Rückblick vor allem Präsident José Eduardo dos Santos genutzt. Er hat sich mit riesigen Plakaten in den Stadien einem römischen Imperator gleich inszeniert. Die Anschläge in Cabinda nahm er als Chance, um auch Vertreter der gewaltlosen Autonomiebewegung in den Knast werfen zu lassen: Priester, Universitätsprofessoren, Anwälte und andere ehemalige Mitglieder der längst verbotenen Bürgerrechtsguppe Mpalabanda.

Und Präsident José Eduardo dos Santos nutzte die Fußballbegeisterung, um im Parlament im Schnellgang eine neue Verfassung durchwinken zu lassen. Sie stärkt seine Stellung als Präsidenten noch weiter. Und sie schafft die Direktwahl des Präsidenten ab, so dass er sich erneut um die längst fälligen Wahlen drücken kann.

Mein Fazit nach dem Afrika-Cup in Angola ist düster: Was bleibt sind leere Stadien, eine Verfassung, die Angolas spärliche Demokratie noch weiter aushöhlt, und zahlreiche Oppositionelle, die im Gefängnis sitzen. Angola hätte definitiv ein anderes Fußballfest verdient gehabt.

Autor: Johannes Beck

Redaktion: Anna Kuhn-Osius