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Wirtschaft

Geschäfte mit dem WM-Gastgeber 2010

Südafrika ist für Deutschland der wichtigste Handelspartner in Afrika. Wer hier geschäftlich tätig werden möchte, kommt kaum um die Deutsche Industrie- und Handelskammer herum.

Skyline von Johannesburg Südafrika (Foto: Iluskope)

Johannesburg - Sitz der Deutschen Industrie- und Handelskammer

1987 hat Matthias Boddenberg zum ersten Mal Afrika besucht, bei seinen Reisen durch Angola und Mosambik muss es dann gefunkt haben: Die Leidenschaft für den Kontinent war geweckt. Nur wenige Jahre später kehrte der gelernte Steuerjurist als Stellvertreter an die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika nach Johannesburg zurück, seit nunmehr 2001 leitet der Wuppertaler die Kammer. „Südafrika ist Deutschlands siebtwichtigster Handelspartner außerhalb Europas. Das zeigt eigentlich schon, welche Rolle Südafrika spielt“, betont Boddenberg, wenn er nach der Bedeutung der Kammer gefragt wird.

Gemüsefabrik in Südafrika - ein Mann im weißen Kittel trägt Körbe mit Kürbissen und Zucchini

Auch in Südafrika ist die Weltwirtschaftskrise angekommen

Über 500 Firmen sind Mitglieder in der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika und sie haben längst realisieren müssen, dass die Weltwirtschaftskrise nicht an Südafrika vorbeigeht. Während sich die Erträge im Export und Import in den letzten acht Jahren annähernd verdoppelt haben, schaut der Chef der Kammer lieber nicht hin, wenn er die Zahlen aus den ersten beiden Monaten dieses Jahres vorgelegt bekommt: Die Importe sind um 60 Prozent zurückgegangen, die Exporte gar um 70 Prozent. Diese Zahlen flößen auch den großen Kammermitgliedern Furcht ein: Automobilbauer wie Mercedes, VW und BMW, die in großen Werken in Pretoria und bei Port Elizabeth Fahrzeuge für den weltweiten Rechtslenker-Markt herstellen, klagen über große Absatzprobleme. Allein im April 2009 sind in Südafrika 50 Prozent weniger Autos verkauft worden als im April des Vorjahres.

Weltmeisterschaft bringt Aufträge

Stabil und verlässlich sind hingegen die Aufträge, die für die Weltmeisterschaft 2010 vergeben wurden. Die österreichische Firma Rieder lässt für ein Auftragsvolumen von 10 Millionen Euro im bayerischen Kolbermoor Glasfaserbetonplatten fertigen, die die Außenfassade des größten WM-Stadions in Johannesburg bilden, die Firma Eschenbach aus dem unterfränkischen Bad Königshofen baut wie schon 2006 Zelte für Catering, Fanfeste und Public Viewing. Das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg hat die WM-Stadien in Kapstadt und Durban entworfen.

Ein Blick auf das im Bau befindliche Fußballstadtion in Johannesburg für die WM 2010

Eigens für die Fußball-WM 2010 hat die Handelskammer ein Büro eröffnet

Das sind nur drei Beispiele von vielen. Inzwischen hat die Handelskammer ein WM-Büro eröffnet, in dem Tim Fuhrmann alle Anfragen koordiniert. Der 27jährige Hamburger hat Afrikawissenschaften in Berlin studiert. Vor zwei Jahren hat er in Soweto seine südafrikanische Frau geheiratet, seitdem lebt er im größten Township Südafrikas. Trotz des vor der Tür stehenden Konföderationspokals gilt sein Augenmerk aber jetzt schon der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Er kümmert sich beispielsweise, um das Deutsche Haus 2010, indem sich Medien, Sponsoren und Sportler während der Weltmeisterschaft treffen können. Außerdem werden Tourpakete angeboten, damit Mitglieder der IHK sich geschäftlich und touristisch in Südafrika orientieren können.

Oase schon während der Apartheid

Weltweit in 80 Ländern an 120 Standorten bieten die Auslandshandelskammern ihre Erfahrungen, Verbindungen und Dienstleistungen den Mitgliedern an. Im vornehmen Johannesburger Stadtteil Forest Town vertreten 24 festangestellte Mitarbeiter die deutschen Wirtschaftinteressen in Südafrika und unterstützen Unternehmen aus Deutschland und Südafrika bei ihrer außenwirtschaftlichen Geschäftstätigkeit. Wenn man die Geschäftsräume der Kammer betritt, fällt das freundliche Lachen von Jerry Mutloatse am Empfang auf. Seit 35 Jahren ist der Schwarzafrikaner mittlerweile in der Kammer in Johannesburg dabei, er leitet das Servicecenter, ist für die Hausverwaltung und das Grundstück zuständig und vertreibt Karten für die großen Messen in Hannover, München, Nürnberg und Berlin an die Kammermitglieder. Jerry Mutloatse hat die Handelskammer zu Zeiten der Apartheid und der Demokratie erlebt und Matthias Boddenberg ist bereits sein fünfter Chef.

Wenn man ihn nach den Jahren der Apartheid und zu seinem Verhältnis mit den deutschen Kollegen in der damaligen Zeit fragt, antwortet er spontan. „Die Diskriminierung, die wir in unserem Land erfahren haben, wo Schwarze von Weißen getrennt wurden am Arbeitsplatz, am Wohnort, in der Erziehung und Bildung, habe ich hier nicht erlebt. Als ich zur Deutschen Handelskammer gekommen bin, wurde ich gleichberechtigt behandelt. Ich habe deutlich gespürt, dass die deutschen Geschäftsleute hier mich nicht als Schwarzen angesehen haben.“

Deutsche produzieren für Deutsche in Südafrika

Panorama-Blick auf Kapstadt (Foto: J. Sorges)

Ob Kapstadt oder Johannesburg, deutsche Firmen sind überall vertreten

Kammerchef Matthias Boddenberg ist gerade von einem Deutschland-Aufenthalt zurückgekehrt, er hat mit vielen Firmeninhabern geredet um herauszufinden, wie man einen Markteinstieg oder Ausbau in Südafrika vorbereiten und unterstützen kann. Positive Beispiele gibt es genug, sagt Boddenberg. Ein Bauzulieferer aus Deutschland, der Schiebetüren für Flughäfen und Krankenhäuser herstellt hat nach einer Analyse der Handelskammer sowohl preislich wie auch qualitativ für seine Produkte auf dem südafrikanischen Markt eine Chance gesehen. Auch diese Firma ist in Südafrika angekommen und hat sich entschlossen, die Produktion als Teilfertigung aufzunehmen. „Was man selbst nicht herstellt, weil es zu teuer wäre, wird von örtlichen Zulieferern produziert und das sind zufällig wieder deutsche Firmen,“ freut sich Boddenberg, auf diese Art und Weise Kammermitglieder „vernetzt“ zu haben.

Autor: Ulrich Reimann

Redaktion: Monika Lohmüller

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