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Europa

Geschäfte mit Ackerland

Die Bevölkerungszahl und die Nachfrage nach Lebensmitteln steigen, doch Ackerland ist begrenzt. Dadurch wird es immer wertvoller. Diese Überlegung ist die Basis für immer mehr Investmentgeschäfte mit Agrarland in Europa.

Ein Acker mit Weizen, im Hintergrund fährt ein Mähdrescher (AP/05.07.2006)

Deutsches Ackerland kostet das Fünf- bis Zehnfache

2000 bis 3000 Euro kostet ein Hektar gutes Ackerland in Rumänien. Das ist ein guter Preis - in Westdeutschland zahlt man das Fünf- bis Zehnfache für einen Hektar. Doch rumänisches Agrarland werde nicht mehr lange so günstig bleiben, glauben die Manager der Bad Homburger Aktiengesellschaft "Agrarius".

Ein Land mit Potential

Eine blau, rot, gelb bemalte künstliche Kuh steht vor einem vorbeifahrendem Bus(AP/2.06.2005)

Durch den Beitritt Rumäniens zur EU 2007 fließen Fördergelder in die Landwirtschaft

Darum erwirbt das Unternehmen, das vor anderthalb Jahren gegründet wurde, Agrarland als Renditeobjekt. "Wenn ein Land Potential hat - und Rumänien war ja in den 1950er- und 1960er-Jahren Nettoagrarexporteur -, dann ist es auf jeden Fall richtig, in diesen Ländern präsent zu sein und als Landeigentümer von diesem steigenden Agrarpreisniveau zu profitieren", erklärt Agrarwissenschaftler Gerald Krämer, der als Country-Manager bei "Agrarius" für Rumänien zuständig ist.

Agrarland in Rumänien werde sich auch deshalb verteuern, weil das Land der EU beigetreten sei, sagt er weiter. Die Landwirtschaft werde modernisiert, aus Brüssel flössen Fördergelder und Investoren aus alten EU-Ländern kämen verstärkt ins Land. "Dieses Ost-West-Konvergenz-Kriterium ist die maßgebliche Größe, warum wir in Rumänien Ackerland kaufen: Wir gehen davon aus, dass wir eine Wertentwicklung nach oben bekommen", so Krämer.

Kein "land banking"

Diese Pläne erinnern an das "land banking" in Südamerika: Dort kaufen Geschäftsleute günstig Wald oder Weide- und Ackerland und warten darauf, die Flächen später an Agrarbetriebe teuer verkaufen zu können. So wolle "Agrarius" jedoch keine Geschäfte machen, sagt Gerald Krämer. Sie wollten die Fläche nicht brach liegen lassen und kauften nur dort Land, wo es auch gepachtet werde. Das Unternehmen verspricht Investoren mindestens zehn Prozent jährlichen Gewinn, aufgeteilt in eine fünfprozentige Pachtrendite und eine fünf- bis sechsprozentige Wertsteigerung des Agrarlandes.

Man habe "Agrarius" bisher insgesamt 8000 Hektar Land angeboten, vor allem im westrumänischen Banat, sagt Agrarwissenschaftler Krämer. "Wir haben dort etwa 135 Hektar Land gekauft, und zum anderen haben wir betriebliche Flächen übernommen, innerhalb deren Pachtverträge wir weiter kaufen werden"“, erklärt er. Es gebe schon einige Interessenten, die gerne anfangen möchten, zu pachten.

Starthilfe in Landwirtschaft

Ackerfurchen bis zum Horizont (DPA)

Ackerland brach liegen zu lassen komme nicht in Frage

Viele westeuropäische Unternehmen haben in Rumänien bereits Ackerland gekauft und bewirtschaften es selbst. "Agrarius" ist jedoch bislang die einzige Firma, die Agrarland über Aktien gewissermaßen als börsenfähige Ware anbietet.

Das rumänische Landwirtschaftsministerium stört das nicht: Ackerland brachliegen zu lassen, ist in Rumänien verboten und wird mit Geldstrafen belegt. So beuge man Spekulationen vor, sagt Valentin Apostol vom Landwirtschaftsministerium. Seriöse Investoren dagegen seien willkommen. Sie schafften Arbeitsplätze, neue Arbeitsbedingungen und brächten moderne Technologie ins Land. "Die Präsenz ausländischer Agrarinvestoren kann nur dazu beitragen, dass unser konzeptionelles und technologisches Niveau in der Landwirtschaft steigt, und das hilft Rumänien insgesamt."

Autor: Keno Verseck
Redaktion: Sandra Voglreiter


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