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Politik

Geschäfte im Krisengebiet

In der sudanesischen Krisenregion Darfur herrscht Ausnahmezustand. Die Weltgemeinschaft übt nicht genug Druck auf die Regierung aus, meinen Experten. Wirtschaftliche Interessen seien der Grund dafür.

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Eröffnung einer Ölquelle: Nicht nur Sudanesen sind erfreut

Öl - heißt das Zauberwort. "Einige Länder fassen die sudanesische Regierung mit Samthandschuhen an, denn sie sind wirtschaftlich von ihr abhängig", erklärt Matthias Basedau vom Institut für Afrikakunde in Hamburg. So sorgten Russland und China dafür, dass das Wort "Sanktionen" wieder aus dem UN-Resolutionsentwurf gestrichen wurde. China und Pakistan enthielten sich bei der Abstimmung, ob es sich im Sudan um Völkermord handelt, der ein militärisches Eingreifen erfordert.

Basedau bezeichnet die am Freitag vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossene Resolution zu Darfur als "wachsweich" - verwundert sei er darüber aber nicht: "Wer will schon seinen Geschäftspartner verärgern. Außerdem ist ein Land wie China der Meinung, man solle sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Das soll umgekehrt ja auch so sein."

China ist der zweitgrößte Erdölkonsument der Welt - nach den USA. Mit Öl aus dem Sudan deckt das Land einen großen Teil seines Bedarfs. Es investiert seit 1984 in sudanesische Ölfelder. Für Ölfelder, die auch den Süden Darfurs durchziehen, hat die "China National Petroleum Corporation" die Lizenz erhalten. Noch in diesem Jahr will sie eine über 700 km lange Pipeline von Abu Gabra in Süd-Darfur zur Raffinerie in Khartum in Betrieb nehmen. Die Ölreserven des Sudans werden auf zwei Milliarden Fass geschätzt.

Öl heißt das Zauberwort

Ende Juli wurde ein 1, 4 - Milliarden-Euro-Deal mit dem europäisch-asiatischen Konsortium "Petrodar" unterzeichnet. Auch der französische Konzern "Total Fina Elf" beutet Ölvorkommen im Sudan aus. Konzerne aus Frankreich, Großbritannien, China und Malaysia haben erst vor wenigen Tagen neue Verträge zum Ausbau des Öl-Geschäfts abgeschlossen.

Auch Russland hat wenig Skrupel seine guten Beziehungen zum Sudan zu pflegen, obwohl dort Menschen zu Tausenden hingemetzelt werden. Russland hat soeben zwölf MiG-29-Kampfflugzeuge nach Khartum verkauft. "Die Einnahmen aus diesen Verkäufen investiert der Sudan zum Teil direkt in die Rüstung", folgert Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Doch einige Firmen schreckt die instabile Lage im Sudan ab. Stabilität im Sudan wünscht sich zum Beispiel Klaus Thormählen, Gründer der Oldesloer Firma Thormählen Schweißtechnik AG. Das im Gleisbau tätige Unternehmen soll eine 2500 Kilometer lange Eisenbahnstrecke vom Süden des Sudan über Uganda bis nach Kenia bauen. Darüber soll das Öl unabhängig von den vorhandenen Pipelines auf den Weltmarkt gelangen. Das Volumen des Auftrags: etwa eine Milliarde Euro. Die Verträge wurden Anfang Mai unterzeichnet, aber der Baubeginn im Sudan verzögert sich: "Wir können erst anfangen, wenn sich die politische Lage dort bessert ", sagte ein Mitarbeiter auf Anfrage von DW-WORLD.

Ein fauler Kompromiss

Flüchtlinge im Sudan

Flüchtlinge im Sudan

Die USA konnten sich mit ihrer eher harten Haltung gegen den Sudan im UN-Sicherheitsrat nicht durchsetzen. Matthias Basedau vom Institut für Afrikakunde glaubt, dass die USA sowohl humanitäre als auch wirtschaftliche Gründe dafür haben. "Sie hoffen auf ein Einlenken der sudanesischen Regierung, damit sie die Sanktionen aufheben und wirtschaftliche Beziehungen aufnehmen können", sagt Basedau. Bisher sind die USA weitgehend von der Ausbeutung der Ölvorkommen ausgeschlossen. Grund dafür ist ein 1997 verhängtes Wirtschaftsembargo gegen den Sudan wegen der Unterstützung von Terroristen. Grundsätzlich glaubt Basedau nicht, dass die jetzige Resolution zu Frieden im Sudan führen könne: "Der Ölreichtum des Sudan hat zur Folge, dass das Regime nur schwach unter Druck gesetzt wird. Ein fauler Kompromiss."

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