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Wirtschaft

Geschäft mit russischem Geschmack

Russische Lebensmittel, hergestellt in Deutschland. Das ist das Konzept der Supermarkt-Kette Mix Markt. Ihre Zielgruppe: Migranten.

Sekt Sowjetskoje im Mix Markt in Koblenz

Sowjet-Sekt im Mix Markt

Olga Erling schiebt ihren Einkaufswagen zur Kasse und lächelt breit. "Ich habe Lobbe gekauft und werde heute den Fischkuchen backen", sagt die Hausfrau. Erling kommt ursprünglich aus Kasachstan, genauso wie das Rezept ihres Lieblingskuchens. Egal wie gut Zuwanderer sich in ihrer neuen Heimat fühlen, sie vermissen immer heimische Nahrung.

Menschen an der Kasse im Mix Markt

Die meisten Kunden sind Zuwanderer aus Osteuropa

Seit 1988 kamen mehr als zwei Millionen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Seitdem gibt es immer mehr russische Geschäfte in den deutschen Städten. Der Markt wird von der Supermarktkette Mix Markt dominiert, die es 2010 sogar unter die 50 größten Lebensmitteleinzelhändlern im Land geschafft hat. Mehr als hundert Geschäfte gibt es bereits in Deutschland. Jedes Jahr werden etwa 15 neue Filialen eröffnet.

Sowjetischer Glanz in Deutschland

Im frisch eröffneten Mix Markt in Koblenz sind die Regale vollgestopft mit Lebensmitteln, auf deren Etiketten kyrillische Buchstaben stehen. Hier gibt es gezuckerte Kondensmilch, eingelegte Gurken, Schaumzuckergebäck oder Kaviar vom Stör. Die Bierabteilung hat es in sich: Im Regal stehen ukrainisches "Obolon", polnisches "Tyskie", rumänisches "Bürger", baltisches "Büffel" und russisches "Schiguljowskoe" nebeneinander. Auch den aus Sowjetzeiten bekannten Sekt "Sowjetskoje" gibt es hier – aus lettischer Produktion.

Bierauswahl im Supermarkt Mix Markt in Koblenz

Im Regal stehen Biere aus verschiedenen osteuropäischen Ländern. Deutsche Marken - Fehlanzeige

"Brot und Torten werden auch in Deutschland hergestellt, aber nach russischen Rezepten natürlich", sagt die Geschäftsführerin Inga Brinkmann. Für die 29-jährige alleinerziehende Mutter ist der Traum von einem eigenen Geschäft in Erfüllung gegangen. Mix Märkte funktionieren nach dem Franchisesystem. Für die Nutzung der Marke zahlt Brinkmann eine Gebühr.

Osteuropäisches Erfolgsrezept

Inga Brinkmann in ihrem Laden

Inga Brinkmann - jung, weiblich, erfolgreich

Die Geschichte vom Mix Markt begann 1997. Damals schlossen sich drei Männer zusammen, die bereits im Großhandel mit osteuropäischen Lebensmitteln Erfahrung hatten: Arthur Steinhauer, Peter Schuju und Waldemar Völker. Gemeinsam gründeten sie die Gruppe Monolith, die in Deutschland Lebensmittel nach russischer Rezeptur produziert - insgesamt zweitausend Artikel. Etwa achtzig Prozent der Waren in den Mix Märkten wurde in Deutschland hergestellt, der Rest aus osteuropäischen Ländern importiert.

Der Umsatz des Unternehmens ist kontinuierlich gestiegen, 2010 lag er bei 200 Mio. Euro. Auch außerhalb Deutschlands läuft das Geschäft, mittlerweile gibt es rund 60 Mini Mix Märkte in Portugal, Italien, Griechenland und England. "Wir haben eine bestimmte Marktnische ausgefüllt - für die Menschen, die aus anderen Regionen zugewandert sind", sagt Mitgründer Peter Schuju.

An der Fleischtheke im Supermarkt Mix Markt in Koblenz

Russen essen viel Fleisch

Fleisch geht im Mix Markt in großen Stücken über die Theke. Auch in der Gemüseabteilung sucht man vergeblich nach kleinen Packungen. "Unsere Kunden sind Familien mit Kindern. Die Hausfrauen kochen und kaufen gleich große Mengen", sagt Arthur Steinhauer. Er ist selbst vor 20 Jahren mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. In der Sowjetunion hat er als Bautechniker gearbeitet, unter anderem beim Eisenbahnbau. Weil seine Qualifikation in Deutschland nicht anerkannt wurde, begann er hier, mit Lebensmitteln zu handeln.

Deutsche als Kunden der Zukunft

"Manche prophezeien unserem Geschäft einen baldigen Untergang", sagt Peter Schuju. Nur noch wenige Spätaussiedler aus der früheren Sowjetunion ziehen nach Deutschland, die bereits hier Lebenden werden älter, und ihre Kinder hätten keine Sehnsucht nach Geschmäckern der alten Heimat. Trotzdem ist Schuju optimistisch: "Die Erweiterung der Europäischen Union bringt uns neue Käufer. Die Integration der Menschen bedeutet die Integration der Geschmäcker." Auch Deutsche kämen in den Mix Markt, sie seien "die Kunden der Zukunft".

Soljanka im Glas

Soljanka ist inzwischen nicht nur in Russland bekannt

Deutsche trifft man im Supermarkt vor allem in der Gemüseabteilung. Rentnerin Monika Eckert hat ein Werbeprospekt per Post bekommen und ist aus Neugier vorbeigekommen. Sie sagt, sie koche gerne international. In ihrem Einkaufswagen liegt nur Obst und Gemüse. Nach einem kurzen Zögern legt sie dann eine lettische Pralinenschachtel dazu.

Peter Schuju nennt Pizza als Beispiel für Erfolg eines ausländischen Gerichtes in Deutschland. "Ich will nicht sagen, dass wir einen ähnlichen Erfolg erleben werden. Aber viele Lebensmittel, die wir führen, haben durchaus Zukunft", sagt er. Pelmeni etwa, sibirische Teigtaschen, oder Kefir, ein nordkaukasisches Milchgetränk, sind beide bereits in herkömmlichen deutschen Supermärkten erhältlich. "Und in in Ostdeutschland steht in fast jedem Restaurant die russische Soljanka auf der Speisekarte", fügt Steinhauer hinzu. Im Mix Markt wird die die Suppe aus Kraut und Gurken in Gläsern verkauft. Steinhauer hat es sich nicht nehmen lassen, seinen Namen auf das Etikett zu drucken.

Autorin: Olga Kapustina
Redaktion: Andreas Becker

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