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Asien

Geschäft mit geheimen Daten

Chinesische Spionage betrifft nicht nur den US-Internetkonzern Google. Auch deutsche Unternehmen werden immer wieder Opfer von Spionageaktivitäten aus China.

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Immer wieder greifen deutsche Medien das Thema Wirtschaftsspionage aus China auf. Das "Handelsblatt", eine führende deutsche Wirtschaftszeitung berichtete am vergangenen Freitag, die Gefahr für deutsche Unternehmen, Opfer chinesischer Spione zu werden, sei weiterhin sehr groß. Die Zeitung berief sich dabei auf deutsche Sicherheitsbehörden. Es war nicht das erste Mal, dass das Handelsblatt warnte, doch diesmal hatte die Meldung eine besondere Resonanz.

China USA Zeitung zu Barack Obama Reaktionen

Titelblatt der chinesischen Zeitung "Global Times"

Der Artikel veranlasste die chinesische Zeitung "Global Times", noch eins draufzulegen. Die "Global Times" zitierte das deutsche Wirtschaftsblatt und peppte ihren Artikel mit weiteren Details auf. Zitiert wurde nämlich auch das Bundesamt für den Verfassungsschutz mit der Aussage, 30.000 chinesische Studenten, Wissenschaftler und Professoren seien in Deutschland "im Schattenreich der Spionage tätig". Tatsächlich haben immer wieder deutsche und chinesische Medien berichtet, dass Nachrichtendienste der Volksrepublik chinesische Studenten, Wissenschaftler und Facharbeiter als Laienspione, so genannte "Non-Professionals" zur Informationsbeschaffung anwerben.

Bundesamt für Verfassungsschutz

Das Gebäude des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln

Kein Generalverdacht gegen Chinesen

"Chinesen stellen die größte Gruppe unter den in Deutschland tätigen Gaststudenten. Außerdem arbeiten chinesische Wissenschaftler und Praktikanten in zahlreichen Firmen und Forschungseinrichtungen", so ein Sprecher des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Viele dieser so genannten "Non-Professionals" fühlten sich ihrem Heimatland und den dortigen Behörden besonders verpflichtet, so der Sprecher weiter. Und das würden die Nachrichtendienste teilweise gezielt ausnutzen. "Aber daraus lässt sich, und das möchte ich besonders betonen, kein Generalverdacht gegen diese Personengruppe, die rund 30.000 Menschen umfasst, ableiten."

Woher stammt dann aber das Zitat von den 30.000 Besuchern aus dem "Schattenreich der Spionage"? Offenbar hatten die Journalisten der Global Times einen Artikel des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in die Hand bekommen. Dort hatte Ende Dezember unter Berufung auf den Verfassungsschutz gestanden, chinesische Nachrichtendienste könnten auf 30.000 chinesische Studenten, Wissenschaftler oder Facharbeiter als "potentielle Laienspione" in Deutschland zurückgreifen.

Das Problem mit der Statistik

Demonstration gegen den Spiegel Bericht Die Gelben Spione in Hamburg China Deutschland

Immer wieder protestierten Chinesen gegen Berichterstattung in Deutschland...

Die Zahl 30.000 ergibt sich aus der Statistik. Insgesamt leben derzeit etwa 80.000 chinesische Bürger in Deutschland. Darunter sind etwa 30.000 Studenten, Wissenschaftler und Facharbeiter. Doch wie viele von ihnen spionieren tatsächlich für die chinesischen Geheimdienste? Je nach Qualifikation und Fachrichtung kontaktierten chinesische Nachrichtendienste sehr vereinzelt solche hochqualifizierten Fachkräfte, so vermutet das Bundesamt für Verfassungsschutz. Seriöse Zahlen nennt das Amt nicht. Anders gesagt: Die Zahlen kommen aus dem Schattenreich der Spekulation.

Die unsichtbare Bedrohung

Mehr Angst als vor chinesischen Praktikanten und Gastwissenschaftlern sollten Unternehmen möglicherweise ohnehin vor unsichtbaren Spionen haben, erklärt Matthias Gärtner, Pressesprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. So gebe es allgemein eine Tendenz hin zur elektronischen Spionage – über das Internet oder auch durch Einschleusen von Schadprogrammen. "Hier hat sich die Lage verschärft in den letzten Jahren. Das hängt natürlich auch mit der technischen Entwicklung und mit der Durchdringung der Informationstechnologie in eigentlich alle Unternehmensbereiche zusammen."

Demonstration gegen den Spiegel Bericht Die Gelben Spione in Hamburg China Deutschland

... so wie hier im Jahr 2007 gegen eine Titelgeschichte des Magazins "Der Spiegel"

Oft merken die Unternehmen gar nicht mehr, dass ihre Computer ausgespäht werden. Denn die elektronische Spionage über das Internet wird immer ausgefeilter. Laut Verfassungsschutzbericht von 2008 sind chinesische und russische Nachrichtendienste besonders aktiv im Bereich der Wirtschaftsspionage. Eine Erklärung dafür ist die Wirtschaftsstruktur beider Länder: Mit einem hohen Anteil staatlicher Unternehmen, mischt der Staat bei der Informationsbeschaffung mit. Der Einsatz von Nachrichtendiensten bietet dabei eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit zur Beschaffung von Know-how.

Autor: Christoph Ricking
Redaktion: Mathias Bölinger / Esther Broders