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Aktuell Europa

Germanwings-Absturz: Die Bergung der Toten geht vor

Was genau hat Germanwings-Flug 4U9525 zum Absturz gebracht? Die Ermittler forschen in alle Richtungen. Vom Flugdatenschreiber erhoffen sie sich neue Erkenntnisse. Am Unglücksort hat die Bergung der 150 Toten Priorität.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen haben Ermittler inzwischen die DNA von 78 Menschen gesichert.

Diese Erbinformationen sollten zur Identifizierung der Toten mit DNA-Proben von Familienangehörigen abgeglichen werden, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin.

Ein eigener Fahrweg soll in Kürze stehen

Er teilte mit, außerdem solle bis Montagabend ein eigener Fahrweg für Geländefahrzeuge zur schwer zugänglichen Unglücksstelle angelegt werden. Bislang ist die abgelegene Gegend nur per Hubschrauber oder Fußmarsch erreichbar. Die Fahrstraße soll die Bergung größerer Trümmerteile erleichtern, die nur schwer per Helikopter transportiert werden können. Absoluten Vorrang hat aber die Bergung der Toten. Erst wenn die Leichen und Leichenteile wie erhofft binnen einer Woche geborgen sind, wollten die Ermittler in einer zweiten Phase dann Wrackteile sichern, die für die Recherchen nötig sind.

Zur Ursachen-Klärung des Airbus-Absturzes in den französischen Alpen fehlt den Ermittlern auch sechs Tage nach der Katastrophe ein zentraler Baustein: Der zweite Flugschreiber ist weiterhin im ausgedehnten Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes verschollen. "Er wurde immer noch nicht gefunden", bestätigte Staatsanwalt Robin. Die Ermittler erhoffen sich von den darauf gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor die Maschine am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Nach bisherigem Erkenntnisstand brachte der Co-Pilot die Maschine mutwillig zum Absturz. Warum - darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte zuletzt lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen" gefunden. Frühestens am Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse bekanntgeben.

Psychische Probleme und Sehstörungen

Der 27-Jährige aus Montabaur hat seinem Arbeitgeber Germanwings nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder fanden bislang weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach der Copilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntag keine Bestätigung der Behörden zu erhalten.

Der Copilot soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verließ. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Der Copilot, der auch als Segelflieger aktiv war, kannte die Unglücksregion offenbar seit seiner Jugendzeit gut. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, heißt es in französischen Medien. Die Ermittler untersuchen allerdings weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine.

Der Papst betet für die Opfer

Am 17. April soll im Kölner Dom mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Trauerakt der Opfer gedacht werden. Im westfälischen Haltern, wo um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen getrauert wird, soll es am Mittwoch einen öffentlichen Gottesdienst geben. Papst Franziskus erinnerte zum Auftakt der Karwoche an die Opfer der Katastrophe: Er bete für die Opfer des Flugzeugabsturzes, sagte das Oberhaupt der Katholiken beim sonntäglichen Angelusgebet in Rom.

Angehörige der Absturzopfer können mit finanzieller Soforthilfe rechnen, um unmittelbar anfallende Ausgaben zu decken. "Lufthansa zahlt bis zu 50.000 Euro pro Passagier", zitierte der "Tagesspiegel" einen Germanwings-Sprecher.

haz/kle (dpa, afp, rtr)