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Kultur

Germanistik auf absteigendem Ast

"Wohin steuert die Germanistik?" Unter diesem Motto suchen internationale Germanisten vom 18. bis 21. Februar in Berlin nach neuem Schwung für ihre Wissenschaft. Denn sie bewegt sich auf der Beliebtheitsskala nach unten.

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Goethe und Schiller verlieren an ausländischen Universitäten an Bedeutung

Besonders im Ausland läuft die fast 200 Jahre alte Philologie Gefahr, auf Grund zu laufen. Eine Generalüberholung scheint überfällig. Wer interessiert sich noch für Schiller, Goethe, Heine? Immer weniger Studenten an ausländischen Universitäten schreiben sich für die klassische Germanistik ein. So hat sich die Zahl der Deutsch-Studenten in Frankreich innerhalb der letzten zehn Jahre halbiert.

Martine Dalmas, Germanistik-Professorin an der Pariser Sorbonne, spricht von "dramatischen Rückgängen" bei den Neueinschreibungen. Zwischen 80 und 90 Studenten pro Jahr beginnen hier, an der größten Germanistik-Fakultät des Landes, zurzeit ein Deutsch-Studium.

Keine Jobs für Germanisten

Englisch macht im Vergleich zu Deutsch nicht nur als Wissenschaftssprache das Rennen. Auch an den Schulen wird Deutsch als Fremdsprache zunehmend von Englisch verdrängt. In Frankreich beginnt der Englischunterricht häufig schon in der Grundschule. Als zweite Fremdsprache wählen die Schüler dann meistens Spanisch statt Deutsch. Die Folge: Stellen für Deutsch-Lehrer werden gestrichen und das Germanistik-Studium wird zur brotlosen Kunst.

Auch die Aussichten auf eine Anstellung an der Universität nehmen mit den rückläufigen Studentenzahlen ab. Das Deutsch-Studium müsse deshalb dringend modernisiert werden, meint Martine Dalmas: "Die Germanistik müsste sich für andere Aspekte wie zum Beispiel den Kulturaustausch oder Medienwissenschaften öffnen." Wichtig sei, dass nicht einfach nur Fächer zusammengelegt würden, sondern dass eine interdisziplinäre Neuausrichtung der Germanistik stattfände. "Generell ist das Studium viel zu konservativ, aber der Widerstand der alten Kräfte gegen Neuerungen ist leider sehr stark."

Sorge um Zukunft der deutschen Sprache

Werner Roggausch vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) relativiert die Sorge um die Zukunft der deutschen Sprache im Ausland. Zwar würde die Zahl der Germanistik-Studenten tatsächlich konstant zurückgehen, dafür nähmen aber immer mehr Studenten an studienbegleitenden Deutsch-Kursen teil.

Das Interesse an Deutsch als Fremdsprache verschiebt sich weg von der klassischen Germanistik, die ihren Schwerpunkt auf den Sprach- und Literaturunterricht legt, hin zu einer anwenderorientierten Lehre. So nimmt besonders in Südamerika die Zahl der Studenten zu, die neben ihrem Hauptfachstudium noch zusätzlich Deutsch lernen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Deutsch als Qualifikation für den Beruf

Die Germanistik müsse sich den jeweiligen Anforderungen des Arbeitsmarktes im Land anpassen, sagt Roggausch. In der Türkei zum Beispiel werden ständig gut ausgebildete Reiseleiter gesucht. Die Germanistik könnte es sich hier zur Aufgabe machen, Fachkräfte für die Touristikbranche auszubilden. Auch Dolmetscher und Übersetzer von Literatur und Sachtexten werden im Ausland dringend gebraucht.

Doch die neue Richtung für das alte Fach lässt sich nicht einfach ansteuern. Die Germanistik-Institute sehen sich nun mal nicht als Sprachschule und sprechen sich gegen mehr Nähe zur Praxis aus. Ergo: Die Angst vor Prestigeverlust erschwert den Kurswechsel in der Germanistik.

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