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Bildung

German University in Kairo

Die Lehrpläne ähneln denen von deutschen Hochschulen, die Hälfte aller Dozenten sind deutsche Akademiker. Trotzdem ist der Studienalltag an der German University in Cairo irgendwie anders.

Ausstellung an der German University in Cairo (Foto: Jürgen Stryjak)

Einmal jährlich präsentiert der Fachbereich Angewandte Künste die Arbeiten der Studierenden

Wer im ägyptischen Hochschulbetrieb arbeitet, ist das Improvisieren gewöhnt. Auch am Fachbereich für Angewandte Künste weiß 20 Minuten vor Beginn der jährlichen Leistungsschau keiner so genau, ob die Ausstellung pünktlich eröffnet werden kann. Im Gebäude C3 herrscht Chaos. Es wird gehämmert und gesägt, Studenten laufen hektisch von Raum zu Raum. Studierende justieren Projektoren und machen die letzten Soundchecks. Die ersten Gäste stehen ratlos herum.

Um 17 Uhr dann – passiert nichts. Die feierliche Rede fällt aus, das Büfett ist plötzlich einfach offen. Die Ausstellung läuft, als hätte alles so geklappt wie geplant. Bis zum 15. September sind an der German University in Cairo (GUC) die interessantesten Arbeiten der Designstudenten zu sehen: Videoanimationen, Klanginstallationen, Werbekampagnen, Holzspielzeug und vieles mehr.

Chaos und Türschwellenplanung

Die German University in Cairo wurde mit Unterstützung der Universitäten Stuttgart und Ulm aufgebaut und im Jahre 2003 als private Hochschule eröffnet. Heute bilden dort Dozenten beider Länder rund 6800 junge Ägypterinnen und Ägypter aus. Unterrichtssprache ist Englisch.

Thorsten Bergmaier-Trede, Dozent an der German University in Cairo (Foto: Jürgen Stryjak)

Dozent Thorsten Bergmaier-Trede


Die Studentin Ghada Fikry hat ihr Abitur an einer deutschen Schule in Kairo gemacht. Sie kennt Universitäten in Deutschland und hat bestimmte Vorstellungen davon, wie eine deutsche Hochschule funktioniert. "Es ist halt alles organisiert", sagt die 18-Jährige, "man weiß ganz genau, wo man hin muss, um bestimmte Sachen zu erledigen. Ich bin sehr deutsch aufgewachsen und habe mich daher sehr an Regeln gewöhnt und an ein System. Eines, das hier nicht erkennbar ist."

Thorsten Bergmaier-Trede, Dozent am Fachbereich Angewandte Künste der GUC, hat sich an das Chaos gewöhnt: "Ich habe diese Türschwellenplanung hier kennen gelernt. Man macht hier keine Termine", meint er, die würden sowieso oft nicht eingehalten. "Man stolpert in die Büros und sagt, was man will. Und dann ergibt es sich oder nicht."

Thorsten Bergmaier-Trede lehrt an einem Fachbereich, den es in dieser Form in Ägypten bislang an keiner Hochschule gab: Er bildet Graphik-, Produkt- und Mediendesigner aus. Den Bachelor erlangen die Studenten nach acht Semestern, den Master nach elf Semestern. Mit 280 Studenten ist der Fachbereich Angewandte Künste der kleinste an der Uni, die ansonsten überwiegend Technologen ausbildet. Fachleute, nach denen die herstellende Industrie händeringend sucht.

Partys am Rand der Wüste

Generell ähnelt das Studentenleben der GUC dem von Unis weltweit. "Es gibt alle möglichen Arten von Sportclubs, Fotoclubs, Theatergruppen", sagt die Studentin Salma Adel. Aber die seien vielleicht mehr etwas für die Technologiestudenten.

Studierende der German University in Cairo (Foto: Jürgen Stryjak)

Studierende auf dem Campus der German University in Cairo

Abends leert sich der Campus mit seinen schmucklosen, ockerfarbenen Zweckbauten meistens sehr schnell. Er befindet sich am Rand der Wüste, eine Stunde Fahrt vom Stadtzentrum entfernt. Die 20-jährige Studentin Leila Goubran bedauert das: "Hier an der Uni gibt es nur manchmal Partys, wahrscheinlich weil es zu weit draußen ist. Die meisten fahren mit dem Bus nach Hause, und der hat feste Abfahrtszeiten."

Der letzte Unibus verlässt um 18 Uhr das Gelände Richtung Innenstadt. Vom Hochschulalltag erholen sich die Studenten woanders. Ein Alltag, der für deutsche Verhältnisse oft ungewöhnlich planlos wirkt. Das Chaos und der Kampf dagegen müssten kein Nachteil sein, sagt Ghada Fikry, weder für die Studenten noch für die deutschen Lehrkräfte. Man müsse begreifen, dass das zwei unterschiedliche Kulturen seien, die ägyptische und die deutsche. "Eine ist nicht besser als die andere", findet die Studentin, "aber sie sind verschieden. Die Studenten lernen von den deutschen Professoren Disziplin. Und die Professoren lernen von den ägyptischen Studenten, flexibel zu sein. Das ist der Austausch, der zwischen beiden stattfindet."


Autor: Jürgen Stryjak
Redaktion: Gaby Reucher

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