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Bildung

German School of Music Weimar in Yongin

Bach, Beethoven und Brahms: Die German School of Music Weimar in Yongin, Südkorea, machts möglich. Sie ist ein Exportprojekt der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar und bringt die Klänge deutscher Klassiker nach Asien.

Die christliche Kangnam Universität in Yongin, 60 Kilometer südlich von Seoul, ist Partneruniversität der Weimarer Hochschule für Musik Franz Liszt (Foto: Bodo Hartwig)

Die christliche Kangnam Universität in Yongin, 60 Kilometer südlich von Seoul

Idyllisch schmiegt sich das Gelände der privaten christlichen Kangnam Universität in die bewaldete Hügellandschaft. Durch einen stählernen Torbogen führt eine Straße direkt hinauf zu dem Campus mit zentralem Sportplatz und einem kleinem Park. Gut 7000 Studierende verschiedenster Fachrichtungen gehen hier ein und aus. Rund 50 von ihnen besuchen die Weimarer Musikfakultät, die der Kangnam Universität angeschlossen ist.

Fantastische Möglichkeiten

Auf zweieinhalb Etagen eines repräsentativen Mehrzweckgebäudes unterrichten derzeit sechs Instrumentallehrer aus Deutschland. Das Musikstudium kostet umgerechnet mehr als 4000 Euro pro Semester. Doch die angehenden koreanischen Berufsmusiker halten diese Summe für gut investiert. Klavierstudentin Yun Ji-Eun zum Beispiel schwärmt von den akustisch nach deutscher Norm hergerichteten Unterrichtsräumen, welche zudem komplett mit Steinwayflügeln ausgestattet sind: "So etwas sucht man an anderen Universitäten vergeblich." Cellostudentin Jeong, Hi Seon gefallen besonders die deutschen Unterrichtsmethoden. Celloprofessor Martin Grund versteht darunter im wesentlichen "viel Hauptfachunterricht" als Basis für den späteren Berufsalltag, aber auch "mehr Individualität" beim Musizieren.

Die Anforderungen sind hoch

Cello-Studentin Jeong, Hi Seon mit ihrem Professor Martin Grund (Foto: Bodo Hartwig)

Cello-Studentin Jeong, Hi Seon mit Professor Martin Grund

Viel Zeit zum Üben bleibt den Studierenden gleichwohl nicht, denn der Stundenplan ist lang. Neben Fächern wie Gehörbildung und Musikgeschichte zählt der Deutschunterricht mit acht Wochenstunden zu den zeitaufwendigsten Verpflichtungen. Geprüft wird das "Zertifikat Deutsch" des Goethe-Instituts. Germanisten an anderen, hochangesehenen Unis machen das am Ende ihres Studiums, erklärt Deutschlehrer Thomas Kuklinski Rhee: "Aber hier müssen das die Studenten zur Zwischenprüfung vorlegen. Die Anforderungen sind schon sehr hoch."

Die meisten wollen nach Deutschland gehen

Hoch ist allerdings auch die Motivation, denn Bach, Beethoven oder Brahms genießen im Land der Morgenstille ein enormes Ansehen. Und auch das Herkunftsland dieser Komponisten übt immer noch eine hohe Anziehungskraft aus. Wenn sie Bach spiele, so Cellostudentin Jeong, Hi Seon, denke sie an die herrlichen Kathedralen und Kirchen im Ausland. "Ich versuche, diese Ausstrahlung und Ruhe in mein Spiel zu bekommen". Und mit einem verschmitzten Lächeln fügt sie hinzu: "Dabei kann mich mein deutscher Professor am besten unterstützen." Wie sie, so wollen die meisten ihrer Kommilitonen nach dem deutsch-koreanischen Doppelabschluss in Deutschland weiterstudieren. Gegenüber Musikstudenten anderer koreanischer Universitäten sparen sie hiermit wertvolle Studienzeit ein.

Das Ranking ist noch ein Problem

Flur der German School of Music Weimar in Yongin (Foto: Bodo Hartwig)

Hell und freundlich präsentiert sich die Musikfakultät

Dass am Ende der vierjährigen Aufbauphase der Schule dennoch nur knapp zwei Drittel der anfangs geplanten Studienplätze belegt sind, hat nach Ansicht von Prof. Martin Grund auch kulturelle Gründe: "In Korea wird die Entscheidung, wo man studiert, nach dem Ranking der Unis getroffen. In Deutschland hingegen sucht man sich einen passenden Lehrer aus und geht zu ihm, egal wo dieser unterrichtet." Hier müsse noch zum Umdenken angeregt werden, damit noch mehr gute Bewerber an die German School of Music Weimar kämen.

Werbung für die deutsch-koreanische Musikfakultät

Noch steht die Partneruniversität der Weimarer Musikhochschule Franz Liszt im Ranking der koreanischen Unis nämlich nicht optimal da. Deshalb wollen die Professoren zum Beispiel durch Lehrerkonzerte auf sich aufmerksam machen. Letztlich aber wird es darauf ankommen, viele gute Absolventen hervorzubringen. Das ist schließlich die beste Reklame für dieses deutsch-koreanische Ausbildungsprojekt.


Autor: Bodo Hartwig
Redaktion: Gaby Reucher

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